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Hockklo – eine Anleitung

Hallo,
ich hatte ja gesagt, dass wir die Benutzung eines Hockklos noch erklären wollen.

Manche sagen auch vornehmer: „Hocktoilette“. So, wie die allermeisten dieser „Örtchen“, die wir kennen gelernt haben, praktisch aussehen, finden wir Hockklo aber viel passender als Hocktoilette 😉 Und Hock-WC … nun ja, entscheidet selbst nach dem Lesen …

Hier zunächst einmal ein Bild von einem Exemplar aus der Bahn 2. Klasse eines indischen Zuges.

KloHock2

Vielen geht es wenn sie nach Asien/Arabien usw. reisen so:
1. Ich muss mal – da ist ein Klo – auweiha, sieht ja alles ganz anders aus – wo setz ich mich denn hin? – na ja hinhocken geht ja auch – ups, kein Klopapier … was mach ich nur jetzt ??? ,,, zum Glück ein Taschentuch dabei … – mhh gut weg spülen lässt sich das aber nicht … nun ja egal, ich wasch mir jetzt die Hände und mein Problem ist erst mal gelöst.

Die Benutzung einer Toilette lernt man ja eigentlich als Kind von seinen Eltern. Was aber, wenn alles anders ist, um man kein Kind mehr ist? Wenn man dann als Erwachsener andere Erwachsene fragt, wie man denn diese Toilette benutzt, ist die Antwort (sofern man überhaupt eine sinnvolle erhält) sehr schambehaftet.

Die folgende Anleitung entspricht dem von uns aktuell zusammen gesammelten Wissen. Evtl. erleichtert dies einigen Lesern im Bedarfsfall den Umgang damit. Für Ergänzungen ggf.  Verbesserungen von Menschen, die hier ohne allzu große Scham zum Wissen beitragen können, sind wir natürlich offen. Ich schreibe es dann auch in die Anleitung mit hinein. Die von mir dargestellte Herangehensweise funktioniert zumindest und ist so ggf. eine Hilfe.

Erstes Thema: Klopapier
Auf asiatischen Toiletten findet man selten Klopapier.
Zunächst einmal die europäischste Lösung:
Man kauft sich Klopapier und nimmt es immer mit sich*.
Viele asiatische Klos und Abwässerleitungen sind aber nicht dafür ausgelegt Klopapier zu befördern.
Man sollte es also gar nicht nutzen, oder wenn, dann in einen Abfalleimer werfen, sonst haben die nach einem ein sehr viel ungemütlicheres Problem, als man sich selber seines Problems gerade entledigt hat.

Nun also zur Benutzungsanleitung:
Es handelt sich um ein Hockklo, wovon es unterschiedliche Bauweisen gibt.
Das Prinzip ist aber immer wieder gleich.
Man hebt den Rock, zieht Hose + Unterhose herunter und hockt sich hin. (Wenn der Untergrund nass ist, empfiehlt sich die Hose über den Knien zu halten.
Die Körper- und insbesondere Fußhaltung ist wichtig. Die Füße sollten im Ganzen auf den dafür vorgesehenen Flächen aufsetzen, da man nur dann einen guten Stand hat (oder heißt es in diesem Fall Hock hat?). Für Asiaten scheint das eine sehr gemütliche Haltung zu sein, denn man sieht sie diese Haltung auch sonst oft einnehmen, wenn Sie z.B. in einer langen Schlange, oder am Bahnsteig warten.
Ich habe mal zwei Bilder eingebracht, die die Haltung verdeutlichen sollen. Auf dem ersten Bild hebt der rechte Mann den linken Fuß an – das sollte man auf einem Hockklo aus genannten Gründen tunlichst vermeiden. Auf dem Zweiten Bild entledigt sich ein kleines Mädchen in Mumbai tatsächlich gerade am Straßenrand – nicht ganz so unüblich in Indien – sie hält sich aber an ihrem speziellen Klo etwas fest – so was steht einem üblicherweise nicht zur Verfügung. Diese Hockhaltung kann der Ungewohnte bereits Wochen vor der Abreise üben, dann geht es besser. Umgekehrt ist für viele Asiaten ein „Western-Style“ Klo schwer zu benutzen, weil sie versuchen sich auf die Ränder des Klos zu hocken – angeblich kein Witz!

KloHaltung

KloMad

 

Ich habe bis jetzt kein Hockklo gefunden wo die Reinigungsutensilien alle gleichzeitig vorhanden sind, eines unserer „Western-Style-„Klos in einem Hotel hatte aber beide, und ich hab unser T-Pack* mal dazu gehängt um es hier auch vorzustellen. So sind wenigstens alle Teile mal auf einem Bild.

Klotools

Oft findet man nur Eimer und Schöpfmöglichkeit.

In den Eimer wird eine wahrscheinliche Menge Wasser eingelassen. Von dem Wasser wird etwas über die Klofläsche geschüttet, dann geht hinterher das Reinigen leichter.
A)
Man hockt sich wie oben beschrieben hin und erledigt sein Geschäft,
B1)
danach reinigt man sich indem man die Schöpfmöglichkeit in die rechte Hand nimmt und mit der linken (Wichtig!! **) Hand den Anus reinigt. Häufig sieht man – gerade bei Menschen unterer Bevölkerungsschichten, dass der Nagel des kleinen Fingers der linken Hand besonders lang gelassen wird. Hierzu habe bitte jeder seine eigene Vorstellung in diesem Zusammenhang …
C)
Jetzt kommt der Augenblick, der für uns lange Zeit das größte Problem darstellte:
Wie trocknet man sich ab? Dafür nahmen wir lange Zeit dann doch unser T-Pack mit und warfen das saubere nasse Papier in den Mülleimer. Die Antwort auf diese Frage will ich der Einfachheit halber zitieren. „Hey, ihr seid in einem warmen Land.“ Die Lösung ist also einfach: Man braucht sich nicht abzutrocknen. Geht gut!
Letztlich wird mit dem Wasser aus dem Eimer gespült wenn keine eigene Spüle existiert. Darum findet man auch keine Bürste – die Reinigung des Klos geht mit Wasser. Letztlich werden die Hand gewaschen – natürlich nicht mehr im Klo sondern am Waschbecken – wie bei uns! Dafür haben wir immer etwas Seife bei uns. Praktisch sind kleine Packungen in denen sich einzelne Blättchen Seife befinden. (Gibt’s im Outdoorhandel)-

Auf manchen Toiletten befindet sich auch statt Eimer und Schöpfmöglichkeit der abgebildete Jet. Viele glauben, der sei einfach nur ein Ersatz für die fehlende Bürste – dafür eignet er sich zwar auch hervorragend, er hat aber einen anderen Zweck. In einem Thailandforum lasen wir den unfeinen aber passenden Namen „Arschbrause“. ( Wie das Ding in den einzelnen Ländern wahrscheinlich unterschiedlich wirklich heißt, weiß ich nicht. Der Name Jet wurde mir gegenüber mal von einem englischsprachigen Inder benutzt – darum nutze ich den Begriff auch.)

Herangehensweise A+C ist wie oben

B2)
mit dem Jet setzt man einen gezielten Strahl auf den Anus, bis dieser sich schön sauber anfühlt. Die Damen übrigens lieber von vorne, damit die Fließrichtung hygienisch bleibt.

Wenn man sehr deutsch, sich zunächst vor dem kühlen Wasser fürchtet, wird man nach wenigen Versuchen sehr beruhigt sein. Hier ist auch das kühle Wasser angenehm warm und nicht kalt. (BTW: Wer kein ausgesprochener Heißduscher ist, oder wie ich wirklich heißes Wasser zum nass Rasieren haben möchte, kann also Geld bei der Unterkunft sparen, indem man vor welchen nicht zurückweicht, die nur kaltes Wasser bieten.)

Jedes mal, wenn ich aus Deutschland komme, ist für mich die Benutzung dieser Toiletten zunächst eine innere Hürde. Wenn man diese Hürde aber genommen hat, kenne ich wenige, die diese Methode nicht sogar als sauberer und hygienischer empfinden als die „western style“. Insbesondere der Jet ist eine tolle Möglichkeit sich zu reinigen, die ich total vermisse. Danach empfindet man das „hinten herumgeschmiere“ mit Klopapier so richtig „Iiiihhh“

*
Für die Mitnahme von Klopapier einen Tip. Das oben abgebildete T-Pack haben wir uns bereits vor Jahren auf Empfehlung von einer „Um die Welt radel Familie“ gekauft, deren Artikel im Netz wir lasen. Gekauft haben wir es, obwohl uns viele vor Ort abgeraten haben. „Braucht man nicht“. Insbesondere aber, wenn man, wie wir es ja auch schon getan haben, tagelang im Freien zu bringt, ist das Teil einfach genial. Man kann es sich z.B. auch einfach um den Hals schnallen und hat die Hände frei um sich und/oder die Hose ggf. irgendwo fest zu halten. Wer im freien seine Notdurft verrichtet, sollte diese übrigens in den meisten Fällen vergraben. Es gibt auch ein empfehlenswertes Buch „How to shit into the wood“.

**
Darum auch wird in vielen Ländern die linke Hand prinzipiell als unrein angesehen. Gegessen wird mit rechts – die linke Hand unter dem Tisch. Apropos fürs Allgemeinwissen in diesem Zusammenhang: Wem z.B. nach islamischen Rechtsvorstellungen die rechte Hand abgeschlagen wird, hat ein viel größeres Problem als das bloße Fehlen der Hand sowieso schon wäre. Zur Begrüßung kann er niemandem mehr die Hand reichen – Das wäre als würde bei uns jemand mit Klopapier „Guten Tag“ sagen …  Also eigentlich merken: Essen immer mit rechts!


 

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