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4 Tage

Vier Tage im Leben eines Weltreisenden

Aus den Gesprächen die wir mit Menschen führen, die unseren Blog von zu Hause in Deutschland aus lesen entnehmen wir, dass sich jeder so seine eigenen Vorstellungen macht, wie unsere Tage so aussehen.
Darum denken wir, wir sollten mal ein paar Tage exemplarisch vorstellen, wie es denn tatsächlich ist.
Wir haben uns unsere Tage in Nasca und Lima ausgesucht. Über Nasca und Lima selbst und was daran interessant war, wollen wir gerne auch noch berichten – hier geht es eher um den Tagesablauf. Darum wird es jetzt auch ein Beitrag ohne Bilder. Ich hoffe er ist trotzdem interessant und ich will versuchen, so bildlich wie möglich zu schreiben.

So, nun geht es also los:

Nach 14 Stunden Busfahrt kommen wir in Nasca an. Busfahren ist immer wieder ermüdend, obwohl selbst die südamerikanischen Langstreckenbusse mit geringster Qualität im Vergleich zu Deutschen ausgesprochen angenehm sind. Kein Vergleich zu Bussen in Asien. Insbesondere wenn ich an die Philippinen oder Indonesien zurück denke … schon schön, auf so einem gepolsterten Sitz mit unterschiedlich weit zurück lehnbarer Rückenlehne zu sitzen und eine Fußstütze zu haben und einen Film (auf Spanisch oder Englisch) zu schauen. Das Gepäck ist im Gepäckfach verstaut und dort sogar relativ sauber untergebracht (erneuter Asien-Vergleich).

Unterschiede im Busreisen in unterschiedlichen Ländern wäre eigentlich ein Thema für ein eigenen Blogbeitrag. Immer ist es aber irgendwie eigenartig ermüdend. Man sitzt im Bus und dämmert so vor sich hin (außer auf einer 36-stündigen Busreise auf den Philippinen wo ich von Boxen mit Kampfhähnen umlagert war), und wird dabei immer kaputter. Man kommt trotz aller Bequemlichkeit südamerikanischer Langstreckenbusse erschöpft vom Reisen am neuen Ort an.

Für Harriet und mich ist inzwischen Folgendes zur Routine beim Eintreffen an einem neuen Ort geworden: Sie besetzt einen strategisch guten Platz möglichst an einer überdachten Wand in der Nähe des Busses und ich hole Stück für Stück unser Gepäck aus dem Bus. Je nach Land und Mentalität unterschiedlich intensiv wird man dabei von Taxifahrern angeworben, die einen fahren wollen. Es ist selten schlau so eine Taxifahrt anzunehmen (je nach Land und Region aus völlig unterschiedlichen Gründen). Harriets Aufgabe ist, auf das Gepäck auf zu passen, meine Aufgabe ist die Gegend zu erkunden und zum Beispiel Geld zu wechseln (wenn wir in einem neuen Land sind) oder eine vertrauenswürdige Fahrgelegenheit (öffentlichens Nahverkehrssystem, Prepayed-Taxi oder Ähnliches) und alles andere Notwendige zu orgenisieren.

Am Beispiel Nasca hieß das: Ich nehme schon mal einen Teil des Gepäcks, starte meine offline-Karten in meinem Smartfone und laufe zu Fuß, unsere im Voraus gebuchte Unterkunft zu finden. Wie immer hatten wir mit der Buchung um Abholung gebeten – wie meist hatte das nicht geklappt. Nach ein wenig herumirren finde ich unsere Unterkunft und stelle das Gepäck gesichert unter.

[ Unterbrechung des Beitrags – stattdessen Tipps:
Hier immer Vorsicht walten lassen – das Gepäck sollte gut unter Sicht – besser verschlossen – optimal bereits im Zimmer untergebracht werden. Es gibt Diebe, die haben sich darauf spezialisiert, Gepäck aus dem Empfangsbereich von Hostels, Hotels usw. zu stehlen. Die haben dann evtl. durchaus Kleidung an, die einen denken lässt, es seien freundliche Mitarbeiter des Hostels, die einem beim Gepäck tragen helfen wollen. In solchen Situationen nie auch nur für einen Augenblick das Gepäck aus den Augen lassen !!!
Am Rande erwähnt für echte Gepäckträger: Es ist gut, immer ein paar 1-US-Dollar-Noten dabei zu haben, damit man auch in einem neuen Land eine Kleinigkeit geben kann. 1 US-Dollar ist oft eine kleine aber noch akzeptable Menge, wenn nicht, kann man in Einzelschritten erhöhen. ]

Nach dem ich meinen Teil des Gepäcks untergrebracht habe, laufe ich erneut zum Busbahnhof, wo Harriet auf den anderen Teil aufpasst. Da sie ja kürzlich mit dem Knöchel umgeknickt war, bin ich derzeit Träger für alles Gepäck. Sie nimmt nur den kleinen Reiseproviantrucksack, ich nehme ihr ganzes anderes Gepäck und wir gehen zusammen diesmal auf direktem Weg zum Hostel.
Es ist fast 22:00 Uhr und wir versuchen uns schlafen zu legen. Vorher versuche ich noch über das WLAN (=WiFi) unsere E-Mails abzurufen. Da Internet oft nicht so zuverlässig funktioniert, dauert es schon mal eine halbe oder dreiviertel Stunde immer wieder erneutes Versuchen, bis das, was in Deutschland im heimischen Netz keine Minute dauert, tatsächlich zu erreichen. Wecker stellen – Abendtoilette (nach langer Busfahrt gehört Duschen wenn möglich dazu, denn man ist oft durchgeschwitzt.) – schlafen.

Nächster Tag: Früh aufstehen. Bei diesem Hostel ist Frühstück inklusive, sonst muss man erst einmal herum laufen und etwas Günstiges zum Frühstücken finden, oder im Supermarkt etwas kaufen, was für mehrere Tage Frühstück gut wäre. Normalerweise muss man auch herum laufen, um für die Aktivitäten die man vor hat die Anbieter zu vergleichen. In diesem Fall haben wir das im Voraus im Internet erledigt und die Fluglinie, die wir zum Überfliegen der Nasca-Linien nutzen wollen, wird auch in unserem Hostel zum gleichen Preis angeboten – das spart viel Zeit und Gelaufe. Dafür geht normalerweise alleine ein Tag drauf.
In unserem Hostel können wir aber alles preisgünstig vor Ort buchen. Nach dem Frühstück werden wir bereits von dem Unternehmen am Hostel abgeholt und zu dem kleinen Flughafen gebracht. Es folgt der Papierkram. Das Unternehmen will Pässe kopieren (viele erwarten von einem immer eine Kopie dabei zu haben), Formulare ausfüllen, wo Gewicht usw. abgefragt wird (obwohl sie selber auch noch mal wiegen), man unterschreibt Verzichtserklärungen für den Fall das etwas passieren sollte usw.. dann ist mal wieder die typische Tätigkeit des Weltreisenden angesagt: „Dasitzen und warten.“ Wer das kennt, es ist eigenartig. Es gäbe so viel zu tun, man hat hier und jetzt aber keine Gelegenheit dazu. Man hat eigentlich nichts zu tun und trotzdem oder genau deshalb ist es irgendwie nicht anstrengend, aber erschöpfend. Wir kommen ins Gespräch mit anderen Wartenden und Viele haben interessante Geschichten. Unsere Geschichte einer Weltreise ist für andere Reisende natürlich auch interessant. So vergeht die Zeit, bis wir dann endlich zum Flugzeug gehen und abheben. Es ist eine kleine Maschine (wie schreibt man Chesna?) die jedes kleine Luftloch mitnimmt und das bewusst in starke Seitenlage gebracht wird, damit man die Nasca-Linien unten auch gut sehen kann – und damit beide Seiten die gut sehen können natürlich immer einmal in Links- und einmal in Rechtskurve. Einer Mitreisenden aus der letzten Reihe wird übel und Harriet ist dann ja immer gerne solidarisch. 😉 Ich bin da ja zum Glück viel stabiler und mache die Fotos. Wie es den Anderen der insgesamt 5 Passagiere geht, bin ich mir nicht sicher, sie scheinen stabil, machen aber keine Fotos mehr. Jedenfalls wird der Flug aufgrund der Übelkeit an Bord nicht unnötig verlängert – was ich als stabiler Mensch natürlich Schade finde, denn ich wäre gerne viel länger in Kurven geflogen für mein Geld. Es ist inzwischen späte Mittagszeit. Nach dem Flug werden wir zu unseren Hostels zurück gefahren. Harriet und ich verabreden für den nächsten Tag eine geführte Fahrt zu den Nasca-Linien. Zwar haben andere Reisende erzählt, dass das nicht sehr lohnen würde, aber ich möchte es irgendwie doch gerne gesehen haben. Ich denke, sonst würde ich mich die Zeit darauf immer fragen, wie es wohl gewesen wäre.
Jetzt gehen wir erst einmal los und durchlaufen den Ort. Es gibt einen Markt – dort kann man immer am besten die Einheimischen beim Handeln sehen und typische Früchte erwerben. Harriet ist noch nicht so stabil, also gibt es erst mal nur eine Banane. Danach humpelt sie an meiner Seite eingehänkelt weiter und wir schauen uns den weiteren Ort an und wir machen Bilder mit der Handy-Kamera z.B. vom Plaza de Armaz. Neben dem Supermarkt, den wir später entdecken und in dem wir ein paar Kleinigkeiten zu Essen kaufen, ist eine Hähnchenbräterei mit gutem Preis-Leistungsverhältnis, da essen wir zu Abend.

Gerne würden wir jeden Abend in Restaurants gehen und landestypische Spezialitäten essen. Aber das ist in unserem Budget nicht drin. Wir nehmen immer die fast billigsten Unterkünfte und ernähren uns oft aus Supermarkt, Hähnchenbräterei oder Stand am Straßenrand. Stand am Straßenrand ist andererseits oft landestyspischer als Restaurant aber Supermarkt ist oft unschlagbar günstig.

Damit möchte ich auch eine andere Frage beantworten. Wir haben unsere Abschlussrechnung zwar noch nicht fertig. Insgesamt hat uns die Weltreise von rund 17 Monaten weniger gekostet, als manch Anderer für einen Mittelklassewagen ausgibt. Wir haben weder im Lotto gewonnen, noch sind wir sonst wie reich – im Gegenteil: Was Geld angeht sind wir jetzt reichlich abgebrannt.
So teuer wie Andere sich eine solche Weltreise vorstellen, ist sie nicht. Da wird oft hochgerechnet, was ein Urlaub gekostet hätte. Man verhält sich aber auch anders als im Urlaub. Man reist billig in Bussen mit Einheimischen usw. man nimmt einfachste Unterkünfte die ein Urlauber im Leben nicht akzeptieren würde und man isst so billig wie möglich. Selbst billige Restaurants sind da kaum mal drin. Souveniers? – Fehlanzeige! Kosten Geld und der Rucksack darf eh kein Gramm mehr haben. Man lernt im Laufe von Monaten immer mehr am Pfennig zu fuchsen und verliert sicherlich an Bequemlichkeit aber man gewinnt durch sparen von Geld Reisezeit. Denn wenn das Geld alle ist, geht’s zurück nach Hause, und das möchte man natürlich lieber verzögern. Wer weiß schon, ob man je wieder los kommt. Für einige landestypische Sachen muss das Geld zwar da sein, wäre ja schade, wenn man das gar nicht kennen lernen würde, das tägliche Essen stammt aber eher aus dem Supermarkt und ist nicht viel anders, als wenn man sich in Deutschland ohne Küche aus dem Supermarkt ernähren würde. Fertighühnchen und Dosentunfisch oder Avocado auf Brot mit Tomate sind typische Speisen des Budget-Weltreisenden. Wenn man für Frühstück selber sorgen muss, sind es oft Cornflakes mit Milch dazu ein löslicher Kaffee. Das ist wenig exotisch, aber billig.

Nach Abendessen und Supermarkteinkauf geht es zurück ins Hostel. Mails, Waschen, Schlafen … Morgens Wecker, Morgentoilette, Frühstück im Hostel (inklusive) danach auf die Tour Nasca-Linien anschauen.
Museen zu den Linien und zu der Frau Maria Reiche runden das Programm ab. Leider sind die Inca-Ruinen und die Aquädukte nicht mit drin und wir denken schon, dass wir die nicht werden sehen können, denn am nächsten Morgen wollen wir ja schon mit dem Bus wieder abfahren. Wir müssen ja bald Lima erreichen, denn unser Flug nach Rio geht in drei Tagen. So machen wir uns nach der Tour auf zum Busbahnhof und wollen eine Fahrt für den kommenden Morgen buchen, was normalerweise kein Problem ist. Da sind wir im Laufe unseres Südamerikaaufenthaltes immer ruhiger geworden. Fast immer bekommt man bald eine Fahrt auch noch für den gleichen Tag, wenn man zu den Busunternehmen geht. Wir sind da im Vergleich zu anderen Reisenden eher vorsichtig, wenn wir am Tag vorher bereits ein Ticket kaufen. Heute aber ist es wie verhext und wir bekommen für den nächsten Tag erst ein Ticket für einen Nachtbus bei einem Unternehmen. Dafür sind wir von Unternehmen zu Unternehmen gegangen, haben uns evtl. in einer Schlange angestellt usw. da geht auch leicht viel Zeit ins Land. Jedenfalls haben wir am Ende ein Ticket für den Nachtbus und planen für den nächsten Morgen noch eine Tour zu den Incaruinen und den Nascaaquädukten.
In diesem Punkt ist Nasca kein gutes Beispiel für einen Beispieltag, denn da haben wir Touren gebucht – das kostet Geld – in vielen Orten kann man alle Sehenswürdigkeiten auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen, wenn man erst einmal herausgefunden hat wie. An vielen Orten ist die „Besichtigung“ auch einfach „durch den Ort gehen“, „Atmosphäre schnuppern“, auf einer Bank im Schatten sitzen und dem Treiben der Geschäftsleute zuzusehen. Unsere Füße sind sicher inzwischen total platt gelaufen – so manch ein Ort war einfach: Morgens losgehen, den ganzen Tag über durch den Ort laufen und Kirchen oder anderes von Außen ansehen, Bettler und Andenkenverkäufer abwimmeln, Menschen bei einfachen Dingen zuschauen (z.B. Kindern beim Barfuß Fußballspielen in einer Kopfsteinpflastergasse) und Abends erschöpft wieder im Hostel ankommen – das ist nicht sehr spannend zu berichten. Aber typischer Alltag eines Weltreisenden.

Am nächsten Tag packen wir nach dem Aufwachen unsere Rucksäcke, duschen danach, gehen frühstücken, checken aus dem Zimmer aus und bitten um Aufbewahrung unserer Rucksäcke und warten auf die Tour. Die ist dann auch sehr spannend. Zurück im Hostel am späten Nachmittag müssen wir noch die Zeit bis zur Nacht herum bekommen. Der Bus geht um Mitternacht. Laptop und andere Dinge sind gut in der Mitte in den verschlossenen Rucksäcken unter gebracht. An z.B. bloggen ist nicht zu denken. Es ist wie immer, entweder hat man Zeit oder Internet oder den Laptop aber so gut wie nie alle drei Dinge auf einmal.

Unsere Rucksäcke sind im gepackten Zustand sichherheitsoptimiert – die öffnet man nur sehr ungerne, wenn es nicht unbedingt sein muss. Dinge wie der Laptop sind von weichen Sachen umgeben in der Mitte des Rucksacks untergebracht. Dieser wird so eng verschlossen. Um den Rucksack herum kommt unser verschließbares Rucksacknetz aus Stahl. Dadurch kann keiner so einfach mit einem Klingenmesser an den Inhalt heran kommen. (Wer wirklich will, den hält man auch mit noch mehr Maßnahmen nicht ab, aber der Gelegenheitsdiebstahl ist erschwert und so haben wir unser Ziel erreicht.) Um den eingenetzten Rucksack herum kommen dann noch ein bis zwei Regenüberzüge, denn der Gepäckraum ist selten sauber – in Asien haben wir die Rucksäcke dann auch noch zusätzlich in einen weiteren schmutzabweisenden Beutel geschlossen, denn z.B. auf den Philippinen hatten wir den Eindruck, unser Gepäck diente vielen frisch gepuderten Kartoffelsäcken als Unterlage.

Außer durch Abendessen musste die Zeit mit Warten irgendwie herum gebracht werden. Um 23:00Uhr ging es zum Busbahnhof, wo man auf das Gepäck achtend auf den richtigen Augenblick achten muss den Bus zu besteigen. Wertsachen sollten für andere unzugänglich untergebracht werden, denn gerade Nachtbusse sind typisches Gelände für Diebe. Im Nachtbus zu schlafen, ist etwas, was Harriet immer wieder erstaunlicherweise gut hin bekommt, ich schlafe wenn, dann wenig und schlecht. Entsprechend kaputt kommen wir dann in Lima an. Harriet besetzt einen strategisch guten Platz möglichst an einer überdachten Wand in der Nähe des Busses und ich hole Stück für Stück unser Gepäck während wir von Leuten umworben werden, die Taxifahrten, Unterkünfte usw. anbieten …
In diesem Fall benötigen wir ein Taxi und ein Einheimischer, mit dem wir uns im Bus gut verstanden haben, hilft uns ein vertrauenswürdiges Taxi zu finden. Dadurch kostet es zwar immer noch mehr als ein Einhimischer für ein Taxi von der Straße zahlen würde, aber wir sind in einem auch für Ausländer sicher sicheren Taxi.

Es ist 6:30 Uhr am Morgen als wir totmüde in unserem Hostel im Stadtteil Miraflores ankommen. Ein Frühstück wäre auch in diesem Hostel am Morgen nach der Übernachtung inklusive. Wir fragen, ob wir das statt am Folgetag auch am Ankunfttag bekommen könnten und bekommen ein „ja“. Toll. Morgen werden wir zum Flughafen aufbrechen bevor es Frühstück geben wird. Nach dem Frühstück brechen wir auf und nehmen den Bus in die Innenstadt. Vom Plaza San Martin schlendern wir zum Plaza de Armas de Lima, um dort eine Stunde lang den Wachwechsel am Palast des Gouverneurs zu verfolgen. Nach dem Wachwechsel schlendern wir Richtung Plaza Bolivar und dann weiter nordwärts bis wir bezahlbares Mittagessen finden. Davon gestärkt gehen wir Richtung Basilika, wo wir die Catacomben besichtigen wollen. Zufällig erfahren wir, dass es doch eine Führung auch auf Englisch geben würde. Wir mussten halt warten. Danach wanderten wir zurück zum Pl. Bolivar bis zum Pl. Italia von dort aus durch Seitenstraßen bis nach Chinatown (wo wir ein bezahlbares Abendessen bekommen) und wieder zurück bis wir feststellen, dass es nach 18:00 Uhr ist und wir uns auf den Fußweg bis zur Av. Tacna machen sollten, um einen Bus in Richtung Miraflores zu nehmen.

Unsere Rucksäcke müssen umgepackt werden. Es muss umgepackt werden auf „Flug“. Da packen wir tatsächlich vieles anders, als wenn wir irgendwo bleiben oder mit dem Bus fahren. Danach gehen wir schlafen. Morgens um 4:30 steht der Wecker, das verabredete Taxi bringt uns im Laufe von rund einer dreiviertel Stunde Fahrzeit zum internationalen Flughafen.

So sahen einige typische Tage unserer Weltreise aus. Freie Tage hatten wir so gut wie nie, denn wir wollten unser bisschen Geld ja auch so gut wie möglich nutzen. Zeit z.B. zum Bloggen blieb da selten.
Wenn es freie Zeit gab, war es keine Freizeit und entsprechend nicht erholsam, sondern oft nervtötendes Warten oder Fahren. Monatelang waren die Tage so dicht gepackt wie nur möglich um aus unserem Geld so viel wie möglich heraus zu holen. Wer so etwas mal nur kurze Zeit macht, wird bald merken dass er urlaubsreif ist. Mit Urlaub hat es nur gemeinsam, dass man in einem fremden Land ist. Geld kostet es, wenn man es geschickt anstellt, erstaunlich wenig. Reich sind wir nur an Erfahrungen und Erlebnissen.

Und ja, es ist keine Arbeit, wie ich sie als 18jähriger Schüler z.B. im Hafen gemacht habe. Man muss nicht jeden Tag 8 Stunden im Akkord schwere Säcke schleppen oder so. Und man arbeitet nicht „was nötig ist“ oder „was Chef sagt“ sondern hat sich selbst zu seinem 16-Stunden-Tag und 7-Tage-Woche entschlossen. Und man füllt sich selbst mit Eindrücken von „Neuem“ oder „Anderem“.
Es ist anstrengend aber nicht schlecht. Man hat es selbst gewählt und man hat seine Freude daran. Weltreise bildet und macht Freude und man lernt andere Reisende kennen. Und Reisende sind ein besonderes Volk und oft besonders redselig und sympatisch.

Eine Weltreise kostet weniger als viele denken. Eine Weltreise kostet aber schon den Mut sie zu wagen.
Eine Weltreise ist anstrengend und nicht erholsam. Es hat mit Urlaub nichts zu tun. Aber man füllt sich mit Gefühlen, Gerüchen usw. – „Eindrücken“.
Nicht jeder ist der Typ dafür, aber wer auch immer davon träumt eine Weltreise zu machen, dem sage ich: Traue Dich lieber heute als morgen. Zöger nicht. Fang an zu planen. Es ist ein besonderes Erlebnis wie man es mit nichts Anderem vergleichen kann.

Weltreise und Wäschewaschen
Wäsche waschen unterwegs oder im Urlaub

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Bilder aus Mumbai (Indien)

Toll für den Rucksackreisenden sind Reiseländer wie z.B. Australien oder Neuseeland. In vielen Backpackern findet man bezahlbare Münzwaschmaschinen und Wäschetrockner. In vielen anderen gerade einfachen asiatischen Ländern sieht das jedoch etwas anders aus. Auch Waschsalons mit Münzwaschmaschinen und Wäschetrockner sind in vielen dieser Länder nicht so leicht zu finden. Hotels bieten evtl. einen „Wäscheservice“ an. Wir haben diesen oder andere Waschangebote bis jetzt nie genutzt.

Vor der Reise haben wir relativ viel Geld in gute Spezialwäsche gesteckt, die z.B. Schweiß nach außen lenkt. Gerade ich, als starker Schwitzer, bin darauf sehr angewiesen. Nachteil, dieser Wäsche ist laut Verkäuferangaben: Einmal ein ungeeignetes Waschmittel genutzt und der Effekt der Gewebe ist hin. Da traut man keiner Wäscherei! Erst kürzlich sah ich wieder eine Wäscherei die an einem Kanal mit schmutzigem Wasser und wahrscheinlich einfacher Seife wäscht.


 

Waschmittel

Wie gesagt, wir haben aus Deutschland teures Spezialwaschmittel mitgenommen. In anderen Ländern haben wir dann dazu zu gelernt, dass viele einfache flüssige Waschmittel für Feines genauso gut gehen. Man sollte halt darauf achten, dass keine Bleiche drin ist. Dinge wie in Weichspülern (oder spezielle Wollpflegestoffe), die die Fasern „verkleistern“ könnten, sollten eben auch nicht drin sein. So hat uns eine Verkäuferin in Australien das erklärt. Da hätten wir auch in Deutschland Geld sparen können.

Ein Problem ist der Transport des Waschmittels, denn oft sind große 2-6 l-Packungen oder entsprechend große Nachfüllbeutel als Einziges oder Günstiges zu bekommen. Diese großen Flaschen/Beutel sind aber doof zu transportieren.

Lösung: Kleine Flaschen. Diese werden in zusätzlich zwei einfache Extrabeutel in den Rucksack getan. (Niemals, niemals, niemals Flüssiges ohne doppelte Beutelsicherung in den Rucksack!)
Flüssigwaschmittel kaufen. In zwei bis drei kleine 300-500ml Flaschen umfüllen. Rest aus der großen Packung verschenken, stehen lassen … wie auch immer.
Die kleinen Flaschen lassen sich in unterschiedliche Lücken im Rucksack tun und außerdem auch auf zwei Personen verteilen.

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Wäsche waschen

Ich habe ein echtes Problem. In all den Jahren habe ich mich immer wieder in unterschiedlichen Situationen geduldig in Handwäsche versucht. Ich weiß nicht warum, es ist mir nie gelungen zufriedenstellende Ergebnisse hin zu bekommen. Darum habe ich nach einer Lösung gesucht.
Meine große Hoffnung war:      Der „Scrubba washbag“.

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Die o.g. Hoffnung hat sich nur zum Teil erfüllt, darum, wen das nicht interessiert: Unten weiter lesen bei „Handwäsche“.

Der „Scrubba washbag“

In diese „Reisewaschmaschine“ passen bis zu 2 Tageswäschen (siehe auch Bilder oben).
1 Tageswäsche = 1 T-Shirt + 1 paar Socken + 1 Unterhose
Lange Hosen oder ähnliche Wäschestücke entsprechend umrechnen. Außerdem hängt das natürlich auch von der Größe der Wäschestücke ab. Harriet kann mehr hinein tun, ich bringe den Scrubba mit zwei Tageswäschen definitiv an seine Grenzen.

Die Wäschestücke in den Beutel getan und dann wird mit Wasser entsprechend den anfänglich noch vorhandenen Markierungen aufgefüllt. [Unsere Erfahrung sagt, zunächst ein paar mal einfach mit Wasser durchspülen und ausgießen – das spart Waschmittel und verbessert das Waschresultat.] Dann Waschmittel rein und den Beutel mit möglichst wenig Restluft verschließen. Die restliche Restluft durch das Ventil ablassen.
Im Inneren des Beutels sind Silikonnoppen (die auf sanfte Art die Wirkung eines Waschbrettes simulieren sollen) und auf der Unterseite ist außen ebenfalls etwas Silikon (damit der Beutel später beim Waschen auf der Unterlage nicht verrutscht).
Nun wird die Wäsche mit dem Beutel durchgewalkt. Laut Anleitung mit den Händen – unsere Erfahrung sagt: Am Einfachsten auf den Boden legen und mit den Füßen darauf mehrere Minuten herumarbeiten (z.B. während man an einem Blogbeitrag schreibt, oder TV schaut oder oder oder).
Waschwasser ablassen. So oft mit klarem Wasser durchspülen (evtl. von oben mit der Hand durch den geöffneten Beutel Wäsche durchwalken) bis ausreichend ausgespült.
Wäsche trocknen wie unten beschrieben.

Unsere Erfahrung.

Das Teil ist nicht billig. Positiv ist: Er ist sehr leicht und braucht kaum Platz. Nach nur 4 Wochen Gebrauch fing es an zu lecken, weil die Verklebung des Ventils sich löste. Die Beschriftung löst sich auch immer mehr und war nach ca. 4 Monaten praktisch unleserlich (Erinnerung plus Reste machen es aber weiterhin nutzbar). Das Ventil habe ich nach Rücksprache mit dem Hersteller mit einem Gummilösungsmittel geklebt. Diese Klebung hält ca. 3-7 Wäschen. Der Beutel selbst ist weiterhin dicht.

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Scrubba nach 8 Monaten zunehmend seltenerem Gebrauch und frisch geklebtem Ventil.

Meine Meinung: Bei dem Preis sollte die Haltbarkeit dennoch insgesamt besser sein !!!

Mit dem Waschergebnis sind wir oft nicht zufrieden. Harriet wäscht dann lieber mit der Hand. Da ich mit Handwäsche – warum auch immer – keine auch nur im mindesten zufriedenstellende Ergebnisse erzeuge, bleibt der Scrubba für mich eine Lösung, die aber leider hinter meinen Erwartungen weit zurück bleibt. Dennoch wäre er für mich persönlich unverzichtbar, wenn Harriet nicht wäre. So ist er meine Möglichkeit, auch mal die Wäsche zu machen und Harriet damit mit unserer Wäsche nicht alleine zu lassen.
Wir benutzen den Scrubba aber letztlich nur noch, wenn die Wäsche nur ganz leicht verschmutzt ist (staubig, leicht verschwitzt). Den so typischen Schmutz auf einer solchen Reise (wenn man stundenlang schwitzend durch staubige Umgebungen wie Tempelanlagen oder asiatischen Straßenverkehr mit rauchenden Garküchen am Straßenrand gelaufen ist), schafft er nicht wirklich zufriedenstellend. Bereits kleine Flecken und „Kragenspeck“ gehen mit dem Scrubba bei uns nicht gut raus.  Harriet meine Wäsche waschen zu lassen, ist mir zwar ein bisschen peinlich, aber ich veröffentliche es der Wahrheit zu liebe trotzdem hier, und außerdem tu ich mein Bestes ihre Mehrarbeit in diesem Bereich durch entsprechende andere Arbeiten in anderen Bereichen wieder auszugleichen.

Zusammenfassung:
Für Menschen, die Handwäsche gut hinbekommen, ist der Scrubbawaschbag aus unserer Sicht nicht zu empfehlen. Für Menschen,  die auf Reisen keine Handwäsche können, ist es eine Möglichkeit überhaupt zu waschen.


 

 

Handwäsche

Harriet wäscht i.d.R. mit der Methode „Handwäsche“. In vielen Unterkünften hat man aber keinen Stöpsel im Waschbecken, oder man hat warmes Wasser (wenn man überhaupt welches hat), nur unter der festmontierten Duschbrause oder oder oder

Lösung 1:
Universalstöpsel
Vorteile: Klein und leicht
Nachteile: Macht zwar viele Waschbecken dicht, aber auch nicht alle. Verrutscht gerne beim Waschen, wodurch das Wasser (mit Waschmittel) raus läuft (doof insbesondere, wenn’s die letzten Tropfen Waschmittel waren). Außerdem ist das keine Lösung warmes Wasser zu bekommen, wenn (wie meist) kein Warmwasserhahn am Waschbecken ist.

Lösung 2:
Faltschale 5l von der Firma Ortlieb
Dieses praktische kleine Teil haben wir bereits bei Fahrradtouren, beim Segeln und und und zu schätzen gelernt. Es ist klein und leicht und 5l Fassungsvermögen reichen oft aus. Für mich als Nassrasierer ist die Schüssel in fast täglichem Gebrauch. Wir nutzen die Innenseite für saubere Dinge und die Außenseite für nicht ganz so saubere Angelegenheiten. (Wobei die Einteilung da mehr dem persönlichen Reinlichkeitsempfinden entspricht).

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Weitere Lösungen im Bereich Handwäsche:

Harriet hat sich für die Handwäsche Gummihandschuhe gekauft, damit rubbelt es sich viel hautschonender.

Auch bei der Handwäsche hat sich bewährt die Wäsche zunächst mit klarem Wasser vorzuspülen, bevor der Waschgang mit Waschmittel folgt. Das spart Waschmittel und erzeugt leichter bessere Ergebnisse.


 

 

Wäsche trocknen:

Folgende Herangehensweise hat sich bewährt:

Gewaschene Wäsche gut ausdrücken, dann ausgebreitet auf ein Handtuch legen. (Am Rande: Es gibt viele gute Reisehandtücher, die mit wenig Volumen und Gewicht für viele Dinge gut sind. Davon lieber zwei – auf eine lange Reise evtl. sogar drei – mitnehmen.)
Die Wäsche so in das Handtuch einrollen und dann auswringen. Das ist relativ gewebeschonend und presst doch gut aus. Am Ende ist es so bei einem trockenen Handtuch fast so trocken, wie nach einem mittelschnellen Schleudergang. Man kann das Handtuch aber dennoch mehrfach verwenden auch wenn es schon tropft, es ist immer noch eine relativ gewebeschonende Wringmethode. Viele Reisehandtücher lassen sich außerdem zwischendurch einzeln auch gut auswringen und sind dann auch erneut aufnahmebereit.
Diese Vortrocknungsmethode ist wirklich sehr effektiv und empfehlenswert.

Wash_Trock_

Oft ist es in Hotelzimmern usw. verboten, Wäsche aufzuhängen. Ich weise alle Leser darauf in, dass sie sich natürlich daran halten müssen.

Wäscheleinen

Für unsere Radtouren und zum Zelten haben wir uns damals diese elastischen Wäscheleinen gekauft.

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[Bild Wäscheleine aufgespannt muss noch eingestellt werden

Diese Wäscheleinen bewähren sich auch jetzt. Zwei sind oft nötig, da man ja keine idealen Voraussetzungen hat, und irgendwie zaubern muss, damit man doch die Leinen spannen kann, wo es scheinbar erst mal nicht geht. Oft geht es dann mit zwei Leinen. Bis jetzt habe ich so jedenfalls überall doch noch eine Lösung gefunden. Diese elastischen Wäscheleinen haben den Vorteil, dass man keine Wäscheklammern braucht um die Wäsche einlagig aufzuhängen. Einfach in das Verdrillte stecken.


 

Kleiner Themenwechsel: Am Rande erwähne ich hier einmal, dass Harriet und ich in einem Punkt unsere Meinung geändert haben. Anfangs nahmen wir gerne Zimmer ohne Klimaanlage nur mit großem Ventilator an der Decke, da wir das Raumklima am Angenehmsten fanden. Mittlerweile, hier in Asien in der Regenzeit, suchen wir aber doch Zimmer mit Klimaanlage, einfach weil die Luft im Zimmer dann nicht so feucht ist.
Wenn man mal die Chance hat, wird man die Erfarhrung sammeln, dass  Spezialreisekleidung, die schnell trocknende Eigenschaften hat mit oben genannter Trocknungsmethode, unter einer Klimaanlage getrocknet, selbst in der Regenzeit, in einer Nacht trocken ist. Außerhalb der Regenzeit, oder in eh halbwegs nicht allzu feuchter Umgebung ist so ein Ventilator auch eine ideale Hilfe Wäsche schnell trocken zu bekommen.


Wir hoffen mit diesem Beitrag vielen Reisenden zu helfen.
Hab ich schon erwähnt, dass unser Beitrag „Hockklo“ ein heimlicher Renner ist, von dem wir erstaunt sind, wie oft der aus aller Welt aufgerufen wird?  Das freut uns!

Wem dieser Beitrag hilft:
Ein netter Kommentar als Dankeschön würde uns freuen!

Oder habt ihr andere Erfahrungen, weitere Tipps oder weitere Hinweise?
Alles das ist hier sehr willkommen.

Dieser Beitrag ist auch auf Anregung von Dorte entstanden. Danke Dorte.

Einen Beitrag über sinnvolle kleine Reisetools habe ich schon seit Februar im Sinn, und im April sogar schon mal viele der Dinge über die ich gerne schreiben würde fotografiert …

Gibt es weitere Themen zum Bereich „Praktische Reiseerfahrung“ die interessieren? Nicht zögern, fragen!  (Bitte nur entschuldigen, wenn die Antwort evtl. etwas dauert – an erster Stelle steht bei uns ‚das Reisen‘, an zweiter ‚den Blog halbwegs aktuell zu halten‘ und an dritter Stelle ‚weitere Dinge im Netz‘.) Wir freuen uns, wenn ihr diesen Blog durch Eure Teilnahme noch lebendiger macht!  Auch gut, wenn der Einer fragt, und ein Anderer aus seiner Erfahrung antwortet …

Kurt Wolfgang

Im englischsprachigen Bereich heiße ich eher Kurt als Wolfgang.

If you are searching Kurt -> you are on the right page.

Das ist alles etwas umständlich, aber wohl der beste Weg.

Erklärung:
Ich habe die zwei Vornamen Kurt Wolfgang. In Deutschland legen die Eltern nach der Geburt den Rufnamen fest, der ein beliebiger der mehreren Vornamen sein kann. Im insbesondere englischsprachigen Ausland (USA…) hat man damit dann seine Probleme. Hier gilt der erste Name als Rufname, basta. Außerdem scheint die Aussprache von
W o l f g a n g
ähnlich schwer zu sein wie die von
E i c h h ö r n c h e n …
ich erkenne mich dann jedenfalls selten wieder. Das ist sehr schade, denn ich mag meinen Namen Wolfgang eigentlich sehr, aber er ist eben im englischsprachigen Bereich umständlich… da bin ich im Ausland eben
Kurt.
Auch wenn ich ansonsten immer Wolfgang bleiben möchte. Zu dem Namen habe ich einen Bezug. Zu dem Namen Kurt habe ich eigentlich keine Verbindung und versuche nur mich im Ausland eben damit angesprochen zu fühlen, was nicht immer gut gelingt.
Insbesondere für alle in Deutschland lebenden: Wer möchte, dass ich mich angesprochen fühle: Bitte Wolfgang. Ok,
aber für die auf der Reise kennen gelernten die hier über google translate mitlesen wollen:
Ja, die Seite von
Harriet und Wolfgang
ist die Seite von
Harriet und Kurt.
Ihr seid hier richtig.

Hockklo – eine Anleitung

Hallo,
ich hatte ja gesagt, dass wir die Benutzung eines Hockklos noch erklären wollen.

Manche sagen auch vornehmer: „Hocktoilette“. So, wie die allermeisten dieser „Örtchen“, die wir kennen gelernt haben, praktisch aussehen, finden wir Hockklo aber viel passender als Hocktoilette 😉 Und Hock-WC … nun ja, entscheidet selbst nach dem Lesen …

Hier zunächst einmal ein Bild von einem Exemplar aus der Bahn 2. Klasse eines indischen Zuges.

KloHock2

Vielen geht es wenn sie nach Asien/Arabien usw. reisen so:
1. Ich muss mal – da ist ein Klo – auweiha, sieht ja alles ganz anders aus – wo setz ich mich denn hin? – na ja hinhocken geht ja auch – ups, kein Klopapier … was mach ich nur jetzt ??? ,,, zum Glück ein Taschentuch dabei … – mhh gut weg spülen lässt sich das aber nicht … nun ja egal, ich wasch mir jetzt die Hände und mein Problem ist erst mal gelöst.

Die Benutzung einer Toilette lernt man ja eigentlich als Kind von seinen Eltern. Was aber, wenn alles anders ist, um man kein Kind mehr ist? Wenn man dann als Erwachsener andere Erwachsene fragt, wie man denn diese Toilette benutzt, ist die Antwort (sofern man überhaupt eine sinnvolle erhält) sehr schambehaftet.

Die folgende Anleitung entspricht dem von uns aktuell zusammen gesammelten Wissen. Evtl. erleichtert dies einigen Lesern im Bedarfsfall den Umgang damit. Für Ergänzungen ggf.  Verbesserungen von Menschen, die hier ohne allzu große Scham zum Wissen beitragen können, sind wir natürlich offen. Ich schreibe es dann auch in die Anleitung mit hinein. Die von mir dargestellte Herangehensweise funktioniert zumindest und ist so ggf. eine Hilfe.

Erstes Thema: Klopapier
Auf asiatischen Toiletten findet man selten Klopapier.
Zunächst einmal die europäischste Lösung:
Man kauft sich Klopapier und nimmt es immer mit sich*.
Viele asiatische Klos und Abwässerleitungen sind aber nicht dafür ausgelegt Klopapier zu befördern.
Man sollte es also gar nicht nutzen, oder wenn, dann in einen Abfalleimer werfen, sonst haben die nach einem ein sehr viel ungemütlicheres Problem, als man sich selber seines Problems gerade entledigt hat.

Nun also zur Benutzungsanleitung:
Es handelt sich um ein Hockklo, wovon es unterschiedliche Bauweisen gibt.
Das Prinzip ist aber immer wieder gleich.
Man hebt den Rock, zieht Hose + Unterhose herunter und hockt sich hin. (Wenn der Untergrund nass ist, empfiehlt sich die Hose über den Knien zu halten.
Die Körper- und insbesondere Fußhaltung ist wichtig. Die Füße sollten im Ganzen auf den dafür vorgesehenen Flächen aufsetzen, da man nur dann einen guten Stand hat (oder heißt es in diesem Fall Hock hat?). Für Asiaten scheint das eine sehr gemütliche Haltung zu sein, denn man sieht sie diese Haltung auch sonst oft einnehmen, wenn Sie z.B. in einer langen Schlange, oder am Bahnsteig warten.
Ich habe mal zwei Bilder eingebracht, die die Haltung verdeutlichen sollen. Auf dem ersten Bild hebt der rechte Mann den linken Fuß an – das sollte man auf einem Hockklo aus genannten Gründen tunlichst vermeiden. Auf dem Zweiten Bild entledigt sich ein kleines Mädchen in Mumbai tatsächlich gerade am Straßenrand – nicht ganz so unüblich in Indien – sie hält sich aber an ihrem speziellen Klo etwas fest – so was steht einem üblicherweise nicht zur Verfügung. Diese Hockhaltung kann der Ungewohnte bereits Wochen vor der Abreise üben, dann geht es besser. Umgekehrt ist für viele Asiaten ein „Western-Style“ Klo schwer zu benutzen, weil sie versuchen sich auf die Ränder des Klos zu hocken – angeblich kein Witz!

KloHaltung

KloMad

 

Ich habe bis jetzt kein Hockklo gefunden wo die Reinigungsutensilien alle gleichzeitig vorhanden sind, eines unserer „Western-Style-„Klos in einem Hotel hatte aber beide, und ich hab unser T-Pack* mal dazu gehängt um es hier auch vorzustellen. So sind wenigstens alle Teile mal auf einem Bild.

Klotools

Oft findet man nur Eimer und Schöpfmöglichkeit.

In den Eimer wird eine wahrscheinliche Menge Wasser eingelassen. Von dem Wasser wird etwas über die Klofläsche geschüttet, dann geht hinterher das Reinigen leichter.
A)
Man hockt sich wie oben beschrieben hin und erledigt sein Geschäft,
B1)
danach reinigt man sich indem man die Schöpfmöglichkeit in die rechte Hand nimmt und mit der linken (Wichtig!! **) Hand den Anus reinigt. Häufig sieht man – gerade bei Menschen unterer Bevölkerungsschichten, dass der Nagel des kleinen Fingers der linken Hand besonders lang gelassen wird. Hierzu habe bitte jeder seine eigene Vorstellung in diesem Zusammenhang …
C)
Jetzt kommt der Augenblick, der für uns lange Zeit das größte Problem darstellte:
Wie trocknet man sich ab? Dafür nahmen wir lange Zeit dann doch unser T-Pack mit und warfen das saubere nasse Papier in den Mülleimer. Die Antwort auf diese Frage will ich der Einfachheit halber zitieren. „Hey, ihr seid in einem warmen Land.“ Die Lösung ist also einfach: Man braucht sich nicht abzutrocknen. Geht gut!
Letztlich wird mit dem Wasser aus dem Eimer gespült wenn keine eigene Spüle existiert. Darum findet man auch keine Bürste – die Reinigung des Klos geht mit Wasser. Letztlich werden die Hand gewaschen – natürlich nicht mehr im Klo sondern am Waschbecken – wie bei uns! Dafür haben wir immer etwas Seife bei uns. Praktisch sind kleine Packungen in denen sich einzelne Blättchen Seife befinden. (Gibt’s im Outdoorhandel)-

Auf manchen Toiletten befindet sich auch statt Eimer und Schöpfmöglichkeit der abgebildete Jet. Viele glauben, der sei einfach nur ein Ersatz für die fehlende Bürste – dafür eignet er sich zwar auch hervorragend, er hat aber einen anderen Zweck. In einem Thailandforum lasen wir den unfeinen aber passenden Namen „Arschbrause“. ( Wie das Ding in den einzelnen Ländern wahrscheinlich unterschiedlich wirklich heißt, weiß ich nicht. Der Name Jet wurde mir gegenüber mal von einem englischsprachigen Inder benutzt – darum nutze ich den Begriff auch.)

Herangehensweise A+C ist wie oben

B2)
mit dem Jet setzt man einen gezielten Strahl auf den Anus, bis dieser sich schön sauber anfühlt. Die Damen übrigens lieber von vorne, damit die Fließrichtung hygienisch bleibt.

Wenn man sehr deutsch, sich zunächst vor dem kühlen Wasser fürchtet, wird man nach wenigen Versuchen sehr beruhigt sein. Hier ist auch das kühle Wasser angenehm warm und nicht kalt. (BTW: Wer kein ausgesprochener Heißduscher ist, oder wie ich wirklich heißes Wasser zum nass Rasieren haben möchte, kann also Geld bei der Unterkunft sparen, indem man vor welchen nicht zurückweicht, die nur kaltes Wasser bieten.)

Jedes mal, wenn ich aus Deutschland komme, ist für mich die Benutzung dieser Toiletten zunächst eine innere Hürde. Wenn man diese Hürde aber genommen hat, kenne ich wenige, die diese Methode nicht sogar als sauberer und hygienischer empfinden als die „western style“. Insbesondere der Jet ist eine tolle Möglichkeit sich zu reinigen, die ich total vermisse. Danach empfindet man das „hinten herumgeschmiere“ mit Klopapier so richtig „Iiiihhh“

*
Für die Mitnahme von Klopapier einen Tip. Das oben abgebildete T-Pack haben wir uns bereits vor Jahren auf Empfehlung von einer „Um die Welt radel Familie“ gekauft, deren Artikel im Netz wir lasen. Gekauft haben wir es, obwohl uns viele vor Ort abgeraten haben. „Braucht man nicht“. Insbesondere aber, wenn man, wie wir es ja auch schon getan haben, tagelang im Freien zu bringt, ist das Teil einfach genial. Man kann es sich z.B. auch einfach um den Hals schnallen und hat die Hände frei um sich und/oder die Hose ggf. irgendwo fest zu halten. Wer im freien seine Notdurft verrichtet, sollte diese übrigens in den meisten Fällen vergraben. Es gibt auch ein empfehlenswertes Buch „How to shit into the wood“.

**
Darum auch wird in vielen Ländern die linke Hand prinzipiell als unrein angesehen. Gegessen wird mit rechts – die linke Hand unter dem Tisch. Apropos fürs Allgemeinwissen in diesem Zusammenhang: Wem z.B. nach islamischen Rechtsvorstellungen die rechte Hand abgeschlagen wird, hat ein viel größeres Problem als das bloße Fehlen der Hand sowieso schon wäre. Zur Begrüßung kann er niemandem mehr die Hand reichen – Das wäre als würde bei uns jemand mit Klopapier „Guten Tag“ sagen …  Also eigentlich merken: Essen immer mit rechts!


 

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