4 Tage

Vier Tage im Leben eines Weltreisenden

Aus den Gesprächen die wir mit Menschen führen, die unseren Blog von zu Hause in Deutschland aus lesen entnehmen wir, dass sich jeder so seine eigenen Vorstellungen macht, wie unsere Tage so aussehen.
Darum denken wir, wir sollten mal ein paar Tage exemplarisch vorstellen, wie es denn tatsächlich ist.
Wir haben uns unsere Tage in Nasca und Lima ausgesucht. Über Nasca und Lima selbst und was daran interessant war, wollen wir gerne auch noch berichten – hier geht es eher um den Tagesablauf. Darum wird es jetzt auch ein Beitrag ohne Bilder. Ich hoffe er ist trotzdem interessant und ich will versuchen, so bildlich wie möglich zu schreiben.

So, nun geht es also los:

Nach 14 Stunden Busfahrt kommen wir in Nasca an. Busfahren ist immer wieder ermüdend, obwohl selbst die südamerikanischen Langstreckenbusse mit geringster Qualität im Vergleich zu Deutschen ausgesprochen angenehm sind. Kein Vergleich zu Bussen in Asien. Insbesondere wenn ich an die Philippinen oder Indonesien zurück denke … schon schön, auf so einem gepolsterten Sitz mit unterschiedlich weit zurück lehnbarer Rückenlehne zu sitzen und eine Fußstütze zu haben und einen Film (auf Spanisch oder Englisch) zu schauen. Das Gepäck ist im Gepäckfach verstaut und dort sogar relativ sauber untergebracht (erneuter Asien-Vergleich).

Unterschiede im Busreisen in unterschiedlichen Ländern wäre eigentlich ein Thema für ein eigenen Blogbeitrag. Immer ist es aber irgendwie eigenartig ermüdend. Man sitzt im Bus und dämmert so vor sich hin (außer auf einer 36-stündigen Busreise auf den Philippinen wo ich von Boxen mit Kampfhähnen umlagert war), und wird dabei immer kaputter. Man kommt trotz aller Bequemlichkeit südamerikanischer Langstreckenbusse erschöpft vom Reisen am neuen Ort an.

Für Harriet und mich ist inzwischen Folgendes zur Routine beim Eintreffen an einem neuen Ort geworden: Sie besetzt einen strategisch guten Platz möglichst an einer überdachten Wand in der Nähe des Busses und ich hole Stück für Stück unser Gepäck aus dem Bus. Je nach Land und Mentalität unterschiedlich intensiv wird man dabei von Taxifahrern angeworben, die einen fahren wollen. Es ist selten schlau so eine Taxifahrt anzunehmen (je nach Land und Region aus völlig unterschiedlichen Gründen). Harriets Aufgabe ist, auf das Gepäck auf zu passen, meine Aufgabe ist die Gegend zu erkunden und zum Beispiel Geld zu wechseln (wenn wir in einem neuen Land sind) oder eine vertrauenswürdige Fahrgelegenheit (öffentlichens Nahverkehrssystem, Prepayed-Taxi oder Ähnliches) und alles andere Notwendige zu orgenisieren.

Am Beispiel Nasca hieß das: Ich nehme schon mal einen Teil des Gepäcks, starte meine offline-Karten in meinem Smartfone und laufe zu Fuß, unsere im Voraus gebuchte Unterkunft zu finden. Wie immer hatten wir mit der Buchung um Abholung gebeten – wie meist hatte das nicht geklappt. Nach ein wenig herumirren finde ich unsere Unterkunft und stelle das Gepäck gesichert unter.

[ Unterbrechung des Beitrags – stattdessen Tipps:
Hier immer Vorsicht walten lassen – das Gepäck sollte gut unter Sicht – besser verschlossen – optimal bereits im Zimmer untergebracht werden. Es gibt Diebe, die haben sich darauf spezialisiert, Gepäck aus dem Empfangsbereich von Hostels, Hotels usw. zu stehlen. Die haben dann evtl. durchaus Kleidung an, die einen denken lässt, es seien freundliche Mitarbeiter des Hostels, die einem beim Gepäck tragen helfen wollen. In solchen Situationen nie auch nur für einen Augenblick das Gepäck aus den Augen lassen !!!
Am Rande erwähnt für echte Gepäckträger: Es ist gut, immer ein paar 1-US-Dollar-Noten dabei zu haben, damit man auch in einem neuen Land eine Kleinigkeit geben kann. 1 US-Dollar ist oft eine kleine aber noch akzeptable Menge, wenn nicht, kann man in Einzelschritten erhöhen. ]

Nach dem ich meinen Teil des Gepäcks untergrebracht habe, laufe ich erneut zum Busbahnhof, wo Harriet auf den anderen Teil aufpasst. Da sie ja kürzlich mit dem Knöchel umgeknickt war, bin ich derzeit Träger für alles Gepäck. Sie nimmt nur den kleinen Reiseproviantrucksack, ich nehme ihr ganzes anderes Gepäck und wir gehen zusammen diesmal auf direktem Weg zum Hostel.
Es ist fast 22:00 Uhr und wir versuchen uns schlafen zu legen. Vorher versuche ich noch über das WLAN (=WiFi) unsere E-Mails abzurufen. Da Internet oft nicht so zuverlässig funktioniert, dauert es schon mal eine halbe oder dreiviertel Stunde immer wieder erneutes Versuchen, bis das, was in Deutschland im heimischen Netz keine Minute dauert, tatsächlich zu erreichen. Wecker stellen – Abendtoilette (nach langer Busfahrt gehört Duschen wenn möglich dazu, denn man ist oft durchgeschwitzt.) – schlafen.

Nächster Tag: Früh aufstehen. Bei diesem Hostel ist Frühstück inklusive, sonst muss man erst einmal herum laufen und etwas Günstiges zum Frühstücken finden, oder im Supermarkt etwas kaufen, was für mehrere Tage Frühstück gut wäre. Normalerweise muss man auch herum laufen, um für die Aktivitäten die man vor hat die Anbieter zu vergleichen. In diesem Fall haben wir das im Voraus im Internet erledigt und die Fluglinie, die wir zum Überfliegen der Nasca-Linien nutzen wollen, wird auch in unserem Hostel zum gleichen Preis angeboten – das spart viel Zeit und Gelaufe. Dafür geht normalerweise alleine ein Tag drauf.
In unserem Hostel können wir aber alles preisgünstig vor Ort buchen. Nach dem Frühstück werden wir bereits von dem Unternehmen am Hostel abgeholt und zu dem kleinen Flughafen gebracht. Es folgt der Papierkram. Das Unternehmen will Pässe kopieren (viele erwarten von einem immer eine Kopie dabei zu haben), Formulare ausfüllen, wo Gewicht usw. abgefragt wird (obwohl sie selber auch noch mal wiegen), man unterschreibt Verzichtserklärungen für den Fall das etwas passieren sollte usw.. dann ist mal wieder die typische Tätigkeit des Weltreisenden angesagt: „Dasitzen und warten.“ Wer das kennt, es ist eigenartig. Es gäbe so viel zu tun, man hat hier und jetzt aber keine Gelegenheit dazu. Man hat eigentlich nichts zu tun und trotzdem oder genau deshalb ist es irgendwie nicht anstrengend, aber erschöpfend. Wir kommen ins Gespräch mit anderen Wartenden und Viele haben interessante Geschichten. Unsere Geschichte einer Weltreise ist für andere Reisende natürlich auch interessant. So vergeht die Zeit, bis wir dann endlich zum Flugzeug gehen und abheben. Es ist eine kleine Maschine (wie schreibt man Chesna?) die jedes kleine Luftloch mitnimmt und das bewusst in starke Seitenlage gebracht wird, damit man die Nasca-Linien unten auch gut sehen kann – und damit beide Seiten die gut sehen können natürlich immer einmal in Links- und einmal in Rechtskurve. Einer Mitreisenden aus der letzten Reihe wird übel und Harriet ist dann ja immer gerne solidarisch. 😉 Ich bin da ja zum Glück viel stabiler und mache die Fotos. Wie es den Anderen der insgesamt 5 Passagiere geht, bin ich mir nicht sicher, sie scheinen stabil, machen aber keine Fotos mehr. Jedenfalls wird der Flug aufgrund der Übelkeit an Bord nicht unnötig verlängert – was ich als stabiler Mensch natürlich Schade finde, denn ich wäre gerne viel länger in Kurven geflogen für mein Geld. Es ist inzwischen späte Mittagszeit. Nach dem Flug werden wir zu unseren Hostels zurück gefahren. Harriet und ich verabreden für den nächsten Tag eine geführte Fahrt zu den Nasca-Linien. Zwar haben andere Reisende erzählt, dass das nicht sehr lohnen würde, aber ich möchte es irgendwie doch gerne gesehen haben. Ich denke, sonst würde ich mich die Zeit darauf immer fragen, wie es wohl gewesen wäre.
Jetzt gehen wir erst einmal los und durchlaufen den Ort. Es gibt einen Markt – dort kann man immer am besten die Einheimischen beim Handeln sehen und typische Früchte erwerben. Harriet ist noch nicht so stabil, also gibt es erst mal nur eine Banane. Danach humpelt sie an meiner Seite eingehänkelt weiter und wir schauen uns den weiteren Ort an und wir machen Bilder mit der Handy-Kamera z.B. vom Plaza de Armaz. Neben dem Supermarkt, den wir später entdecken und in dem wir ein paar Kleinigkeiten zu Essen kaufen, ist eine Hähnchenbräterei mit gutem Preis-Leistungsverhältnis, da essen wir zu Abend.

Gerne würden wir jeden Abend in Restaurants gehen und landestypische Spezialitäten essen. Aber das ist in unserem Budget nicht drin. Wir nehmen immer die fast billigsten Unterkünfte und ernähren uns oft aus Supermarkt, Hähnchenbräterei oder Stand am Straßenrand. Stand am Straßenrand ist andererseits oft landestyspischer als Restaurant aber Supermarkt ist oft unschlagbar günstig.

Damit möchte ich auch eine andere Frage beantworten. Wir haben unsere Abschlussrechnung zwar noch nicht fertig. Insgesamt hat uns die Weltreise von rund 17 Monaten weniger gekostet, als manch Anderer für einen Mittelklassewagen ausgibt. Wir haben weder im Lotto gewonnen, noch sind wir sonst wie reich – im Gegenteil: Was Geld angeht sind wir jetzt reichlich abgebrannt.
So teuer wie Andere sich eine solche Weltreise vorstellen, ist sie nicht. Da wird oft hochgerechnet, was ein Urlaub gekostet hätte. Man verhält sich aber auch anders als im Urlaub. Man reist billig in Bussen mit Einheimischen usw. man nimmt einfachste Unterkünfte die ein Urlauber im Leben nicht akzeptieren würde und man isst so billig wie möglich. Selbst billige Restaurants sind da kaum mal drin. Souveniers? – Fehlanzeige! Kosten Geld und der Rucksack darf eh kein Gramm mehr haben. Man lernt im Laufe von Monaten immer mehr am Pfennig zu fuchsen und verliert sicherlich an Bequemlichkeit aber man gewinnt durch sparen von Geld Reisezeit. Denn wenn das Geld alle ist, geht’s zurück nach Hause, und das möchte man natürlich lieber verzögern. Wer weiß schon, ob man je wieder los kommt. Für einige landestypische Sachen muss das Geld zwar da sein, wäre ja schade, wenn man das gar nicht kennen lernen würde, das tägliche Essen stammt aber eher aus dem Supermarkt und ist nicht viel anders, als wenn man sich in Deutschland ohne Küche aus dem Supermarkt ernähren würde. Fertighühnchen und Dosentunfisch oder Avocado auf Brot mit Tomate sind typische Speisen des Budget-Weltreisenden. Wenn man für Frühstück selber sorgen muss, sind es oft Cornflakes mit Milch dazu ein löslicher Kaffee. Das ist wenig exotisch, aber billig.

Nach Abendessen und Supermarkteinkauf geht es zurück ins Hostel. Mails, Waschen, Schlafen … Morgens Wecker, Morgentoilette, Frühstück im Hostel (inklusive) danach auf die Tour Nasca-Linien anschauen.
Museen zu den Linien und zu der Frau Maria Reiche runden das Programm ab. Leider sind die Inca-Ruinen und die Aquädukte nicht mit drin und wir denken schon, dass wir die nicht werden sehen können, denn am nächsten Morgen wollen wir ja schon mit dem Bus wieder abfahren. Wir müssen ja bald Lima erreichen, denn unser Flug nach Rio geht in drei Tagen. So machen wir uns nach der Tour auf zum Busbahnhof und wollen eine Fahrt für den kommenden Morgen buchen, was normalerweise kein Problem ist. Da sind wir im Laufe unseres Südamerikaaufenthaltes immer ruhiger geworden. Fast immer bekommt man bald eine Fahrt auch noch für den gleichen Tag, wenn man zu den Busunternehmen geht. Wir sind da im Vergleich zu anderen Reisenden eher vorsichtig, wenn wir am Tag vorher bereits ein Ticket kaufen. Heute aber ist es wie verhext und wir bekommen für den nächsten Tag erst ein Ticket für einen Nachtbus bei einem Unternehmen. Dafür sind wir von Unternehmen zu Unternehmen gegangen, haben uns evtl. in einer Schlange angestellt usw. da geht auch leicht viel Zeit ins Land. Jedenfalls haben wir am Ende ein Ticket für den Nachtbus und planen für den nächsten Morgen noch eine Tour zu den Incaruinen und den Nascaaquädukten.
In diesem Punkt ist Nasca kein gutes Beispiel für einen Beispieltag, denn da haben wir Touren gebucht – das kostet Geld – in vielen Orten kann man alle Sehenswürdigkeiten auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen, wenn man erst einmal herausgefunden hat wie. An vielen Orten ist die „Besichtigung“ auch einfach „durch den Ort gehen“, „Atmosphäre schnuppern“, auf einer Bank im Schatten sitzen und dem Treiben der Geschäftsleute zuzusehen. Unsere Füße sind sicher inzwischen total platt gelaufen – so manch ein Ort war einfach: Morgens losgehen, den ganzen Tag über durch den Ort laufen und Kirchen oder anderes von Außen ansehen, Bettler und Andenkenverkäufer abwimmeln, Menschen bei einfachen Dingen zuschauen (z.B. Kindern beim Barfuß Fußballspielen in einer Kopfsteinpflastergasse) und Abends erschöpft wieder im Hostel ankommen – das ist nicht sehr spannend zu berichten. Aber typischer Alltag eines Weltreisenden.

Am nächsten Tag packen wir nach dem Aufwachen unsere Rucksäcke, duschen danach, gehen frühstücken, checken aus dem Zimmer aus und bitten um Aufbewahrung unserer Rucksäcke und warten auf die Tour. Die ist dann auch sehr spannend. Zurück im Hostel am späten Nachmittag müssen wir noch die Zeit bis zur Nacht herum bekommen. Der Bus geht um Mitternacht. Laptop und andere Dinge sind gut in der Mitte in den verschlossenen Rucksäcken unter gebracht. An z.B. bloggen ist nicht zu denken. Es ist wie immer, entweder hat man Zeit oder Internet oder den Laptop aber so gut wie nie alle drei Dinge auf einmal.

Unsere Rucksäcke sind im gepackten Zustand sichherheitsoptimiert – die öffnet man nur sehr ungerne, wenn es nicht unbedingt sein muss. Dinge wie der Laptop sind von weichen Sachen umgeben in der Mitte des Rucksacks untergebracht. Dieser wird so eng verschlossen. Um den Rucksack herum kommt unser verschließbares Rucksacknetz aus Stahl. Dadurch kann keiner so einfach mit einem Klingenmesser an den Inhalt heran kommen. (Wer wirklich will, den hält man auch mit noch mehr Maßnahmen nicht ab, aber der Gelegenheitsdiebstahl ist erschwert und so haben wir unser Ziel erreicht.) Um den eingenetzten Rucksack herum kommen dann noch ein bis zwei Regenüberzüge, denn der Gepäckraum ist selten sauber – in Asien haben wir die Rucksäcke dann auch noch zusätzlich in einen weiteren schmutzabweisenden Beutel geschlossen, denn z.B. auf den Philippinen hatten wir den Eindruck, unser Gepäck diente vielen frisch gepuderten Kartoffelsäcken als Unterlage.

Außer durch Abendessen musste die Zeit mit Warten irgendwie herum gebracht werden. Um 23:00Uhr ging es zum Busbahnhof, wo man auf das Gepäck achtend auf den richtigen Augenblick achten muss den Bus zu besteigen. Wertsachen sollten für andere unzugänglich untergebracht werden, denn gerade Nachtbusse sind typisches Gelände für Diebe. Im Nachtbus zu schlafen, ist etwas, was Harriet immer wieder erstaunlicherweise gut hin bekommt, ich schlafe wenn, dann wenig und schlecht. Entsprechend kaputt kommen wir dann in Lima an. Harriet besetzt einen strategisch guten Platz möglichst an einer überdachten Wand in der Nähe des Busses und ich hole Stück für Stück unser Gepäck während wir von Leuten umworben werden, die Taxifahrten, Unterkünfte usw. anbieten …
In diesem Fall benötigen wir ein Taxi und ein Einheimischer, mit dem wir uns im Bus gut verstanden haben, hilft uns ein vertrauenswürdiges Taxi zu finden. Dadurch kostet es zwar immer noch mehr als ein Einhimischer für ein Taxi von der Straße zahlen würde, aber wir sind in einem auch für Ausländer sicher sicheren Taxi.

Es ist 6:30 Uhr am Morgen als wir totmüde in unserem Hostel im Stadtteil Miraflores ankommen. Ein Frühstück wäre auch in diesem Hostel am Morgen nach der Übernachtung inklusive. Wir fragen, ob wir das statt am Folgetag auch am Ankunfttag bekommen könnten und bekommen ein „ja“. Toll. Morgen werden wir zum Flughafen aufbrechen bevor es Frühstück geben wird. Nach dem Frühstück brechen wir auf und nehmen den Bus in die Innenstadt. Vom Plaza San Martin schlendern wir zum Plaza de Armas de Lima, um dort eine Stunde lang den Wachwechsel am Palast des Gouverneurs zu verfolgen. Nach dem Wachwechsel schlendern wir Richtung Plaza Bolivar und dann weiter nordwärts bis wir bezahlbares Mittagessen finden. Davon gestärkt gehen wir Richtung Basilika, wo wir die Catacomben besichtigen wollen. Zufällig erfahren wir, dass es doch eine Führung auch auf Englisch geben würde. Wir mussten halt warten. Danach wanderten wir zurück zum Pl. Bolivar bis zum Pl. Italia von dort aus durch Seitenstraßen bis nach Chinatown (wo wir ein bezahlbares Abendessen bekommen) und wieder zurück bis wir feststellen, dass es nach 18:00 Uhr ist und wir uns auf den Fußweg bis zur Av. Tacna machen sollten, um einen Bus in Richtung Miraflores zu nehmen.

Unsere Rucksäcke müssen umgepackt werden. Es muss umgepackt werden auf „Flug“. Da packen wir tatsächlich vieles anders, als wenn wir irgendwo bleiben oder mit dem Bus fahren. Danach gehen wir schlafen. Morgens um 4:30 steht der Wecker, das verabredete Taxi bringt uns im Laufe von rund einer dreiviertel Stunde Fahrzeit zum internationalen Flughafen.

So sahen einige typische Tage unserer Weltreise aus. Freie Tage hatten wir so gut wie nie, denn wir wollten unser bisschen Geld ja auch so gut wie möglich nutzen. Zeit z.B. zum Bloggen blieb da selten.
Wenn es freie Zeit gab, war es keine Freizeit und entsprechend nicht erholsam, sondern oft nervtötendes Warten oder Fahren. Monatelang waren die Tage so dicht gepackt wie nur möglich um aus unserem Geld so viel wie möglich heraus zu holen. Wer so etwas mal nur kurze Zeit macht, wird bald merken dass er urlaubsreif ist. Mit Urlaub hat es nur gemeinsam, dass man in einem fremden Land ist. Geld kostet es, wenn man es geschickt anstellt, erstaunlich wenig. Reich sind wir nur an Erfahrungen und Erlebnissen.

Und ja, es ist keine Arbeit, wie ich sie als 18jähriger Schüler z.B. im Hafen gemacht habe. Man muss nicht jeden Tag 8 Stunden im Akkord schwere Säcke schleppen oder so. Und man arbeitet nicht „was nötig ist“ oder „was Chef sagt“ sondern hat sich selbst zu seinem 16-Stunden-Tag und 7-Tage-Woche entschlossen. Und man füllt sich selbst mit Eindrücken von „Neuem“ oder „Anderem“.
Es ist anstrengend aber nicht schlecht. Man hat es selbst gewählt und man hat seine Freude daran. Weltreise bildet und macht Freude und man lernt andere Reisende kennen. Und Reisende sind ein besonderes Volk und oft besonders redselig und sympatisch.

Eine Weltreise kostet weniger als viele denken. Eine Weltreise kostet aber schon den Mut sie zu wagen.
Eine Weltreise ist anstrengend und nicht erholsam. Es hat mit Urlaub nichts zu tun. Aber man füllt sich mit Gefühlen, Gerüchen usw. – „Eindrücken“.
Nicht jeder ist der Typ dafür, aber wer auch immer davon träumt eine Weltreise zu machen, dem sage ich: Traue Dich lieber heute als morgen. Zöger nicht. Fang an zu planen. Es ist ein besonderes Erlebnis wie man es mit nichts Anderem vergleichen kann.

Uyuni Salzwüste

Uyuni Salzwüste – oder der größte Spiegel der Welt

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Die Salzwüste in Uyuni (Bolivien) wurde zum spontane Reiseziel von uns. Und wir sind so froh, unsere Route hierfür umgeworfen zu haben. Denn die ist einfach spektakulär. Dank der Empfehlungen anderer Reisende buchten wir eine 3-Tages-Tour von San Pedro de Atacama aus mit dem Endziel Uyuni. Direkt hinter der Grenze wurden wir zu 6 Personen in Jeeps aufgeteilt.
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Wir mussten allerdings 4h an der Grenze stehen, weil der Schneepflug nicht durchkam. An einer Grenze zu stehen, ist uns ja nicht fremd. Immerhin gab es ein lecker Frühstücksbuffet. Bei Sonne und 30°C in San Pedro de Atacama ist die Info des überforderten Schneepflugs nicht leicht vorstellbar, aber hier ist der Beweis. Schnee. Wohl unser erster Schnee seit Neuseeland im Januar 2014 als Gletscherform.

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Hier die Jeeps. Insgesamt 6 an der Zahl. Unser Jeep war ein „Euro-Jeep“. Warum?

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Hier auf dem Bild von links nach rechts: ich 😉 , Wolfgang, die Niederländer John und Sanne, unser Fahrer Romolus (er war bei der Erbauung von Rom nicht dabei) und die Schweizer Karin und Bastian. Also lauter Gäste aus Europa, nach so langem Reisen für uns eher Nachbarn. So unterhielten wir uns die ganze Zeit in einem Deutsch-Englisch-Mix. Es hat uns sehr viel Spaß gemacht, mit den anderen gemeinsam durch die Wüste zu fahren. Zwar konnte Romolus nur Spanisch, aber auf so einer Fahrt durch die Landschaft braucht man nicht viel Erklärung, die Landschaft erklärt sich von alleine. Nonverbal sorgte er wunderbar für uns und was das wichtigste ist: Er war ein sehr sicherer Fahrer in dem wirklich teils sehr schwierigem Gelände. Und für alles andere waren wir Bastian sehr dankbar, der mit seinen guten Spanischkenntnissen immer wieder übersetzen konnte.

1. Tag: viele Lagunen, Geysire, Stein- bzw. Sandwüsten. Immer wieder unterwegs konnte man faszinierende Farbspiele in den Felsen sehen.
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brrr. kalt.

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Wolfgang ist da etwas unempfindlicher… 🙂

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gefühlte unendliche Weite

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Es ging auf knapp 5000 m hoch. Bei den Erdnüssen hier im Bild sieht man, wie aufgeblasen die Tüte war. Sie ist aber nicht geplatzt.

Geschlafen haben wir in einem SEHR einfachen Hostel auf ca. 4400 m alle zusammen in einem Raum. Gut, dass wir uns von Anfang an gut verstanden haben.

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Am Abend bekam Wolfgang die Höhenkrankheit mit allem, was dazu gehört. Übelkeit, Schlaflosigkeit, Kribbeln in Armen und Beinen, Atemnot mit ondulierender Atmung, Kopfschmerzen… Gar nicht schön. Zum Glück hatten wir uns in San Pedro mit Medikamenten eingedeckt, die wir nehmen konnten. Das half, nicht auf den Notfall-Sauerstoff zurück greifen zu müssen.

Ich hatte es nicht ganz so stark. Bei mir kribbelten nur die Hände, ich hatte Kopfschmerzen und übel war mir. Gegen die Übelkeit halfen mir meine bewährten Akupressurbänder, Ibuprofen für die Kopfschmerzen und gegen das Kribbeln kauten alle im Auto fleißig Coca-Blätter. Ich spürte eine deutliche Verbesserung Dank Coca, Wolfgang merkte wenig davon, so brauchte er zusätzlich Medikamente.

Uns allen ging es nicht so gut und vor allem für Wolfgang waren wir froh, als es am nächsten Morgen wieder „runter“ ging.

2. Tag: wieder Lagunen, Alpacas, Pecuñas, Steinbaum, viel Landschaft. Unterwegs versorgte uns Romolus mit allerlei leckerem Essen (3 Mahlzeiten täglich waren inbegriffen). Da wir alle nicht so viel Hunger hatten, hat das Essen locker gereicht, trotz sonst eher europäischen Appetit.

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Alpacas

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Pecuñas

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Blick auf den aktivsten Vulkan der Region mit Halo-Erscheinungen im Himmel.

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Flamingos

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Unser Platz zum Mittagessen…

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Mittagsvorbereitungen an einer Lagune. Tolles Essen in toller Umgebung.

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der berühmte „Arbol de Piedra“ = Steinbaum

Am Abend übernachteten wir in einem Salzhotel, von denen es gar nicht wenige in der Region gibt. Hier war aber das Sonderbare, dass es nur heißes Wasser bis 20:30 Uhr gab und der Strom 22 Uhr abgeschaltet wurde. Da es am nächsten Morgen um 4 Uhr aufstehen hieß, störte es nicht allzu sehr. Wenn man „Salzhotel“ hört, denkt man, dass es „das Eine aus diversen Fernsehbeiträgen“ ist, aber Salzhotels gibt es auf der Bolivianischen Seite einige und für jedes Budget.

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unser Zimmer – die „Steine“ sind Salzblöcke

3. Tag: das Highlight kam zum Schluss der Tour. Wir erlebten den Sonnenaufgang über der Salzwüste. Hier hat man nur ein Wort…Unendlichkeit

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Dort frühstückten wir auch und Romolus fuhr uns einmal quer durch den Salzsee (macht nicht jeder Reiseanbieter). An einigen Stellen hielten wir an, um Fotos zu machen.

Hier ein paar der gefühlt tausend Bilder, die wir gemacht haben. Ein echter Spaß. Wir hoffen, auch für euch, liebe Leser, zum ansehen.

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Wo ist der Horizont?

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übers Wasser gehen?…können wir auch

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unser (Spielzeug)-Auto…

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Karen und Bastian

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wir (John und ich) werden zerquetscht…Hilfe

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ein Foto kleiner Wesen *hihi*

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Karen hat Bastian zum Fressen gern 😉

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Wer schleicht sich denn da von hinten an mich ran???

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„ohmmm“

Kurz vor Uyuni machten wir noch Toilettenhalt bei einem „besseren“ Salzhotel. So sieht die Empfangshalle aus, eben alles aus Salz.

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In Uyuni sahen wir noch den Eisenbahnfriedhof an (nun ja… Geschmacksache), bevor unsere Reise ein Ende hatte.

Die Reise hätte man auch als 4-Tagestour buchen können, wo wir von anderen Reisenden aber gehört haben, dass der 4. Tag wirklich nur die Rückfahrt ist und dass das dementsprechend anstrengend ist. Aber so würde man nach Chile wieder zurück gebracht werden, wenn man nicht in Bolivien bleiben möchte. Auch fanden wir die Route von San Pedro nach Uyuni besser als anders herum (wurde auch angeboten). Denn so steigerte es sich jeden Tag immer ein Bisschen, statt mit dem Highlight zu beginnen. Wir würden also jedem, der diese beeindruckende Wüste sehen möchte, die Route von Chile nach Bolivien empfehlen.

Der Ort Uyuni selbst hat nicht wirklich viel zu bieten, deshalb nahmen wir noch am gleichen Tag einen Nachtbus nach La Paz.

Nur kurz zu La Paz. Hier hatten wir erneut mit der Höhe zu tun, also verließen wir die Stadt bereits ein paar Stunden nach Ankunft mit dem Ziel Cusco. Den Titicacasee holten wir nach, als wir uns in Cusco noch weiter an die Höhe gewöhnten und uns sicher genug fühlten, keine Höhenkrankheit mehr zu bekommen.

Tauchrevier

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Wir haben so viel erlebt und es gäbe so viel zu bloggen …

Hier auf dem Bild oben seht ihr unser neues Tauchrevier. Wir sind gerade mit der Fähre auf der Insel Cozumel angekommen und warten darauf, dass unser Zimmer frei wird.

In Yukatan haben wir Kontakt mit der Mayakultur bekommen. Wir haben Beispiele von Cenotes betaucht und ich hatte einen tollen Tauchgang mit Haien. Wow, das war schön. Und ein Schritt mehr um Hollywood zu verachten, die diesen majestätischen Tieren so einen falschen schlechten Ruf bescherten.

In Rio sahen wir Copacabana, Zuckerhut, Christus, Lapa und konnten an einer Überraschungsfeier zu einem Geburtstag teilnehmen. (*wink* Felipe). Außer Brasilianern haben wir in Rio auch in Ecuador lebende Argentinier, nette Dänen am Anfang ihrer Langzeitreise und oft gereiste und jetzt mit Kindern reisende Deutsche kennen gelernt ( Danke für den netten Kommentar 🙂 ).

Aus Chile/Bolivien und Peru fehlt auch so viel an Berichten… (Wir arbeiten daran …)

So, jetzt sind wir aber erst mal hier angekommen und brauchen dringend ein wenig Urlaub, bevor es bald zurück nach Europa geht. Zunächst wird es dann kurz in die Schweiz gehen und dann, ja Dorte, zunächst einmal in die Gegend wo mein Bruder und mehrere Freunde von uns leben *Augenzwinker* – wobei mich der Weg der Gerüchteküche durchaus interessieren würde. Wo wir langfristig sein werden, hängt dann aber natürlich davon ab, wo wir Arbeit, Wohnung usw. finden…

OK, Harriet arbeitet parallel am Laptop daran, einen vorbereiteten Artikel über unsere Uyunitour fertig zu stellen. (besonderer *wink* zu Karin und Bastian mit denen wir seit Uyuni in nettem Mailkontakt sind). Mal schauen, wer schneller ist *Augenzwinker *

Bereits in Rio de Janeiro

Die Zeit rennt… in Rio de Janeiro

Liebe Leser,
im Blog hängen wir ca. 5 Wochen zurück. Aktuell sind wir in Rio de Janeiro.

Unser Routenverlauf seit San Pedro de Atacama (Chile) war:

Salzwüste in Bolivien – Uyuni (Bolivien) – La Paz (Bolivien) – Cusco (Peru) – Machu Picchu (Peru) – Puno am Titicacasee (Peru) – Arequipa (Peru) – Paracas (Peru) – Nasca (Peru) – Lima (Peru) – Rio de Janeiro

Auf der Tour sind noch mal tausende Fotos dazu gekommen, die sortiert werden müssen. Und ja, auch in der Wüste haben wir viele Bilder gemacht!

In Rio sind wir in einer brasilianischen WG untergekommen, wo die Bewohner total nett sind. Felipe ist sehr lieb und gibt uns viele Tipps und ab und zu ein paar typisch brasilianische Speisen zu kosten. Hier fühlen wir uns sehr willkommen und wohl.

Die nächste Station ist Yucatan (Mexico). Nach dem wir in Peru von Inkas und Nascas Vermächtnisse ansehen konnten, wollen wir in Yukatan einen kleinen Einblick in die  Maya-Vermächtnisse werfen. Außerdem will vor Allem Wolfgang natürlich dort auch gerne Tauchen. Denn dort soll nicht nur eines der schönsten Tauchreviere der Welt sein, er war auch einfach schon viel zu lange nicht mehr unter Wasser.

Unsere Weltreise nähert sich damit leider auch langsam ihrem Ende.
Da wir auf unserer Reise immer wieder sehr nette Schweizer kennen gelernt haben, überlegen wir, ob wir uns als letzte Station unserer Weltreise die Schweiz vornehmen sollten. Holladiho.

Liebe Leser, bitte versteht, dass wir im Augenblick wieder sehr mit Reiseerfahrung (Besuch von Copacabana und Ipanema, Zentrum, Rio bei Nacht in Lapa, Blick vom Zuckerhut, Austesten von Speisen…), Planung usw. beschäftigt sind und uns auf das unabwendbare Ende unserer Weltreise vorbereiten müssen. Wir bemühen uns, Artikel noch zu schreiben, aber wann bleibt offen. Reisen ist alles andere als einfach oder erholsam – aber dennoch möchten wir keinen Tag missen. Und die Vorstellung zurück in einen „Alltag“ zu gehen, ist nach dieser Reise nicht einfach. Die vielen vielen Eindrücke die wir sammelten können wir zum Glück miteinander teilen. Hier im Blog haben wir immer wieder versucht sie mitzuteilen. Letztlich aber kann man diese Mischung aus Geruch, Geschmack, Gefühlen die in einem immer wieder anders sind, niemandem wirklich so begreiflich machen, wie jemandem, der dies genau so ebenfalls erlebt hat. Wir wünschten das ginge und werden uns große Mühe geben das mit jedem der dies gerne möchte zu versuchen, aber letztlich wollen wir ja auch z.B. niemanden bei tropischer Hitze und Grillgerüchen mit Wasser überschütten um einen Tropenregen in z.B. Koh Tao zu imitieren … 😉  Im Blog geht das schon gar nicht.

Missgeschick in Valparaiso

Missgeschick in Valparaiso

Achtung: Dies habe ich vor 5 Wochen geschrieben. Unten kommt dann noch ein aktueller Beitrag dazu. Die engsten Vertrauten kennen im Prinzip die Geschichte, aber ich finde, auch so etwas gehört in einen Reiseblog von Weltreisenden :

Diese Fahrt von Valparaiso nach San Pedro de Atacama bekommt einen eigenen Beitrag, weil diese Fahrt doch anders war als erwartet. Alles in allem eine 33h Fahrt mit 1x Umsteigen und 5h Aufenthalt in Antofagasta. Voll bepackt ging es von unserem Hostel auf dem Berg los zum Trolleybus, der direkt und günstig zum Busbahnhof fährt. Auf dem Weg nach unten habe ich eine einzelne Treppenstufe auf dem Weg übersehen und knickte mit meinem Fuß auf dieser Stufe um und fiel samt dem Gepäck hin. Ich merkte sofort, dass mir mein rechter Knöckel höllisch weh tat und ich ihn nicht bewegen mochte. Zuerst schnallte ich mein Gepäck von mir und schaute erst mal, was los war. Wolfgang entledigte sich auch gleich seines Gepäcks, um nach mir zu sehen. Der Knöckel begann dick zu werden und hörte nicht auf zu schmerzen. Das linke Knie war böse aufgeschürft und brannte. Mein linker Zehnagel vom großen Zeh war nach oben geknickt. Und ich lag da auf dem Bürgersteig und mochte nicht aufstehen. Mist! Den Zehnagel habe ich schnell wieder zurück geklappt, der blutete auch nur ein bisschen. Um den Rest konnte ich mich nicht kümmern. Wolfgang schaute, ob etwas gebrochen ist, es wirkte allerdings nicht so. Ein Einheimischer sah meine Misere und lief schnell zu einer Polizistin, die an der Straßenkreuzung stand. Sie kam dann auch schnell zur Hilfe und fragte, ob wie einen Krankenwagen bräuchten. So schlimm war es denn zum Glück doch nicht und Wolfgang bat sie nur, uns ein Taxi anzuhalten. Eine Fahrt mit dem Trolleybus war nicht mehr möglich.
Wolfgang verstaute dann das ganze Gepäck im Taxi, half mir auf und so fuhren wir mit dem Taxi noch einmal an unserer Unterkunft vorbei. Welch Ironie.
Schnell waren wir am Busbahnhof, wo mich Wolfgang zu einer Bank brachte, mein Knie vorsichtig sauber spülte. Nachdem ich gut saß und er sich rührend um mich sorgte, machte er sich auf die Suche nach einer Apotheke. Mit einer Stützbinde und einem Doppelpack fertiger Fußbandagen kam er zurück. Zum Glück haben wir immer Schmerzmittel in der Tasche, was mir etwas über die erste schmerzhafte Zeit half. Wolfgang wickelte dann die Stützbinde um meinen Fuß. So war es mir möglich, kleine Strecken auch nötigenfalls alleine zu gehen. Meine Sandalen sind an allen Punkten größenverstellbar, sodass ich auch mit dicker Binde in die Schuhe passte. Glück.

Dann ging es endlich los auf eine lange Busfahrt. Zwar konnte ich etwas schlafen, aber ich weckte immer wieder auf, weil mein Knie und mein Knöchel schmerzten. Ich durfte mein Bein auf Wolfgangs Schoß legen, damit es hoch gelagert war. Aber dann kam das nächste…
Kurz nach einem Stopp in einem Ort, wo ich leider wieder wach wurde, bremste der Bus sehr stark ab und blieb dann stehen. Ein Busbegleiter kam nach oben und schaute, ob es jedem gut geht. Da der Bus nicht weiter fuhr und andere Gäste ausstiegen (wohl für eine Raucherpause), stieg Wolfgang auch neugierig aus. Und dann sah er, dass der Bus einem anderen Fahrzeug aufgefahren ist. Von dem „Bumm“ haben wir gar nichts mitbekommen. So schlimm sah es auch nicht aus, Philippinische oder Indonesische Busse fahren deutlich verbeulter herum. Problem war jetzt nur, dass der Busfahrer entschied, dass es so nicht weiter auf Fahrt geht und wir zurück mussten. Alle Fahrgäste wurden nach ihrem Fahrziel in unterschiedliche Busse aufgeteilt. Wolfgang hatte seitdem die Mehrfachverantwortung, das gesamte Gepäck zu tragen und mich noch stützend von A nach B zu bringen. Ich war nicht in der Lage, ein kleines Stück Gepäck zu tragen. Die Situation gefiel mir natürlich nicht. Im neuen Bus hatten wir unseren bisherigen Sitzplätze natürlich nicht mehr. Zum Glück war ein anderer Fahrgast so freundlich, seinen Platz so zu tauschen, dass wir 2 Sitzplätze nebeneinander hatten. Puh, was für eine Nacht.

Mit 1,5h Verspätung kamen wir in Antofagasta an. Das war ganz gut, denn so konnten wir noch etwas Schlaf nachholen und die Wartezeit auf dem Busbahnhof verkürzte sich. Trotzdem war noch viel Zeit, sodass Wolfgang sich etwas umsehen konnte. Das viele Gepäck stapelte er vor meiner Sitzbank auf einen Haufen, wo ich meinen Fuß drauf legen konnte. Damit niemand etwas weg nehmen kann, verband er alle Gepäckstücke mit Karabinerhaken. Und dies sollte sich auch bewähren.
Einen Rucksack hatte ich im Laufe der Zeit vor mir stehen, weil ich etwas daraus brauchte. Während Wolfgang unterwegs war, versuchte ich mich mit Spanisch lernen etwa zu beschäftigen. Auf einmal sah ich, wie ein Mann, der in der Bank hinter mir saß, mit seinem Fuß nach meinem einzeln stehenden Rucksack angelte. Ich nahm also meinen Rucksack und in dem Moment, als ich ihn am restlichen Gepäck wieder befestigen wollte (ich mich also zurück drehte), sah ich einen anderen, der sich schon am obersten Rucksack zu schaffen macht. Er wollte ihn einfach nur klauen, aber der war ja fest. Als ich ihn entdeckte, tat er schnell so, als wäre der kleine Rucksack runter gerutscht und wollte behilflich sein, ihn wieder drauf zu rücken. Schnell ging er davon. Der erste hinter mir war dann auch schnell weg. Frechheit! Man, war ich sauer. Wenn der Rucksack nur drauf gelegen hätte, wäre zwar „nur“ unser Essen weg gewesen, aber ärgerlich wäre es. Man sah mir ja auch sichtlich an, dass ich nicht hätte hinterher rennen können. So aber waren alle anderen Rucksäcke miteinander verbunden und zu schwer für Kleindiebe, um mal eben schnell einen zu klauen. Wolfgang kam zum Glück bald zurück, dass ich ihm die Story erzählen konnte. Nach meiner Beschreibung erkannte er den einen und verjagte sie mit seinem Blick.

Unser Bus kam 30 Minuten später an für die letzte Etappe ab in die Wüste. Die Atakama Wüste zählt zu den trockensten Orten der Welt. Nun…an diesem Abend empfing uns die Wüste mit einem satten prasselnden Regen. Wolfgang brachte zuerst mich stützend zuerst zu einem Sitzplatz, danach holte er die großen Rucksäcke. Es war echt kalt (Gänsehaut an einer Schürfwunde ist kein nettes Gefühl). Er organisierte ein Telefon und Amalia (die Vermieterin) war anschließend auf dem Weg, uns vom Busbahnhof abzuholen.

Danach verbrachten wir viele Tage in San Pedro, wo ich meinen Fuß ruhig stellen konnte. Wir machten sogar eine Tour zu diversen Lagunen. Im Backpacker halfen mir viele andere Reisende mit Salben und sogar Tapes von ihren erfolgreich überstandenen Bänderzerrungen. In den 100 km entfernten Ort, wo es das einzigste Röntgengerät gegeben hätte, fuhren wir nicht, denn das hätte eine Reise von 3 Tagen bedeutet. Mein Körper sagte mir eher, dass er nur Ruhe haben will und der Rest schon in Ordnung geht.

Heute, nach 5 Wochen, trage ich immer noch die Stützbinde, wenn wir unterwegs sind. Ich kann aber schon ohne Gepäck lange Strecken mit zügigem Tempo zurück legen. Mittlerweile stören mich 10 kg Gepäck auch nicht mehr. Eingeschränkt bin ich aber noch bei zu vielen Treppen, Geröll, Sand oder anderes stark unebenes Gelände und mit meinem großen Rucksack. Den muss Wolfgang immer noch tragen. Wenn andere Reisende ihn so sehen (sein auf dem Rücken, meinen vorne dran geschnallt), erntet er immer Blicke mit einer Mischung aus Mitleid und Bewunderung. Ich bekomme immer zuerst böse, dann mitleidige Blicke, wenn sie meine Binde am Fuß sehen. Manchmal muss ich zur Demonstration humpeln, damit Wolfgang eher durchgelassen wird.

Unerwartet möglich ist das Reisen mit solch einem Malheur, was ich vorher nicht gedacht hätte. Okay, wir müssen öfter mal ein Taxi nehmen und die erste Woche saßen wir in San Pedro fest. Aber ansonsten…gerade zu zweit lösbar. Deutlich betonen möchte ich aber, dass Wolfgang in den ersten 3 Wochen echt Höchstleitungen gebracht hat. Neben dem Mehrgepäck musste er auch meine schlechte Laune aushalten. Und ich war ECHT nicht gut drauf. Ich bin zu ungeduldig (auch jetzt noch) und erwarte, dass es möglichst letzte Woche wieder komplett in Ordnung sein soll. Aber so eine Bänderzerrung braucht Zeit.

Starker Mann… 🙂

Valparaiso

Valparaiso

…oder die Stadt der freundlichen wilden Hunde und der schönen Straßenkunst.

Mit der Metro ging es nach 4 Tagen Santiago de Chile zum Busbahnhof um nach Valparaiso zu fahren. Dieses Mal versorgten wir uns wieder mit mehr Lebensmitteln, denn wir fuhren mit der selben Busgesellschaft und gingen ja nicht über eine Grenze. Essen gab es nicht, aber die Fahrt verlief gut, nur 1,5h ist Valparaiso von Santiago entfernt. Terezina und Maikel fuhren auch für ein paar Stunden mit uns nach Valparaiso, wo sich unsere Wege nach 3-maliger Verabschiedung am Ende doch trennten.

Hiermit euch beiden noch einen herzlichen Gruß und wir wünschen euch eine gute Weiterreise.

Valoparaiso besticht durch unzählige bunte Häuser, die sich an die Berge schmiegen und einem tollen Blick auf’s Meer. Früher, als alles noch mit dem Schiff um das Kap Horn gebracht wurde, war Valparaiso Anlaufstelle Nummer 1. Auch die Goldgräberära verhalf der Stadt zu einer gewissen Popularität. Dann wurde der Panamakanal gebaut und es wurde ruhig um Valparaiso. Ein wenig sieht man ihr den Zahn der Zeit an. Doch sie hat eine gewisse unbeschreibliche nette Atmosphäre, die wir bereits in San Francisco gespürt haben. Am Besten erkundet man die Stadt per Fuß, auch wenn das Berg hoch und runter etwas mühsam ist. Auf Empfehlung machten wir die „Tour for Tip“ mit, wo die eigentliche Tour kostenlos ist, ein Trinkgeld aber erwartet wird. Sehr informativ und wird auch von uns weiterempfohlen.
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unsere Englisch sprechende Führerin, gut zu erkennen an dem T-Shirt

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diese „Alfajores“ gab es wärend der Führung und waren kostenlos. Lecker gefüllt mit „Dulce de leche“, einer Art Caramelcreme. Super lecker…
Wenn Alfajores erwähnt werden, die vor Allem in Argentinien und Chile eine Spezialität sind, sollte auch das Getränk Pisco sour erwähnt werden, wo Chile und Peru sich streiten, wer den einzig wahren Pisco sour hat und wer den als einziger so nennen darf. Natürlich fanden wir in Chile den chilenischen leckerer und in Peru den peruanischen und würden auch jedem anderen Reisenden empfehlen das so zu handhaben *augenzwinker*.
Pisco sour ist ein alkoholisches Getränk mit Weinschnaps (Pisco), Eiweiß, Limettensaft, Zuckersirup und mit Eis. Im Glas haben wir dann auch die Variante mit etwas Zimt auf dem Eiweiß kennen gelernt. Lecker in beiden Ländern.
Ein Bild von Pisco sour haben wir auch irgendwo zwischen den hunderten von Bildern die wir insgesamt gemacht haben … leider jetzt noch nicht in diesem Blog. Dafür habe ich das Bild des Maisauflaufs gefunden. Hier also als „Nachtrag“ zum Beitrag „Santiago de Chile“.

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Neben den vielen bunten Häusern laufen unzählige Hunde herum. Menschen stellen hier und da aufgeschnittene Wasserkanister zum trinken auf, ab und zu teilt ein Bewohner sein Brötchen mit einem Straßenhund. Die Hunde selbst sind kein bisschen aggressiv, wenn du dein Brot lieber alleine isst. Sie setzen sich dann ganz still vor dich hin und schauen dich dann mit diesem herzerweichenden Blick an, den nur Hunde hinbekommen. 🙂 Es kam regelmäßig vor, dass ein Hund zu uns zum streicheln kam, während wir an einem Brunnen oder auf einer Bank saßen. Mensch und Hund achten sich hier gegenseitig und das finden wir toll. Wir hoffen, dass die Menschen in Valparaiso (Einheimische UND Besucher) schlau genug sind und den Hunden mit Respekt begegnen, sodass die Hunde gar keinen Grund haben, sich ein aggressives Verhalten anzugewöhnen, um sich zu wehren. Werden Hunde aber getreten oder schlecht behandelt, ist es kein Wunder, dass sie sich gegen das Lebewesen wehren, was ihnen weh tut, nämlich den Menschen. Den Menschen und den Hunden wünschen wir, dass sie weiterhin gut zueinander sind.

Und jetzt lassen wir lieber Bilder sprechen, denn die sind der eigentliche Charme der Stadt.

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„usa la bici“ heißt: „Benutzen Sie das Fahrrad“.

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Die folgenden 3 Bilder sind eigentlich ein Bild, was aber nicht auf ein Foto gepasst hat:
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Bei diesem Haus muss man „hoch“ gehen, um das Haus zu verlassen.

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Dekoration der vielen Stromkabeln

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das wird aus einer Straße Kunstvolles gemacht, wen sie so kaputt ist, dass kein Auto mehr lang fahren kann.

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Blick von der „Calle Alemania“ (Deutschlandstraße) auf den Ort herunter

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Blick in die andere Richtung

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Erinnert ihr euch noch an unseren Beitrag mit den Berggiraffen? Nach fast einer Weltumrundung haben wir die scheuen Tierchen in Valparaiso entdeckt.

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einer von mehreren alten Volkswagen, die noch funktionstüchtig durch Valparaiso fahren.

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vergängliche Kunst des Kunstfestivals: Alle Menschen können auf grünen Zetteln ihre Herzenswünsche, Sorgen, Gedanken… schreiben, die dann an diesen „Baum“ gemacht werden. So wird dieser Baum immer grüner, lebendiger, hoffnungsfroher, so das Ziel der Künstler.

Hier ein Bild von Katharina und Lena aus Regensburg, ebenfalls 2 Reisende, mit denen wir morgens in der winzigen Küche unseres Backpackers um den Minitisch mit 2 Stühlen abwechselnd tanzten und uns gut verstanden. Nun ein Bild der beiden, denen wir versprochen haben, in unserem Blog berühmt zu werden. 🙂 Vielleicht wird auch unser Blog durch euch beiden berühmt??? Gute Reise und guten Einstieg wieder zu Hause. Ihr wart echt witzig. Toll, euch kennen gelernt zu haben.

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Viña del Mar

Einen Tag haben wir auch den Nachbarort Viña del Mar besucht. Berühmt ist der Ort für seine Blumenuhr, wo sogar der Sekundenzeiger funktioniert und natürlich den Strand.

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Blumenuhr

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Strand

Uns war das Wasser etwas zu kalt, also waren wir nur die Füße baden. Dieser Ort ist nett aber sehr touristisch und so reichte es für uns, einen Tag dort zu verweilen.
Uns wurde auch der Park empfohlen, in dem wir ausgiebig flanierten. Leider hat das Erdbeben von 2007 einige Bereiche unzugänglich gemacht. Schade, aber das sind nun mal die Kräfte der Natur. Trotzdem empfehlenswert.

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Treppen im Park

Beim Spazieren durch die Stadt fanden wir bei einem Bäcker folgendes Angebot, welches wir auch gleich probierten:
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Die Berliner werden hier mit Maismehl gebacken und haben dadurch einen gelberen Teig als die deutsche Variante. Mein Optimum: Füllung von Chile mit Berlinern von Deutschland 😉

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Valparaiso gefiel uns im Verleich mit Viña del Mar besser. Es war zwar weniger „ordentlich“, dafür aber einheimischer und auch etwas günstiger.

Santiago de Chile

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Hinter der Grenze nach Chile ging es dann wieder Berg ab…

Gegen 21 Uhr waren wir spät abends unserem Hostel angekommen (siehe Artikel Fahrt nach Chile), wurden sehr freundlich von einer Aushilfe empfangen, stellten nach dem Check-In nur unser Gepäck ab und suchten uns was zu essen. Zum Glück essen die Chilenen genau so spät wie die Argentinier und alle Restaurants hatten geöffnet.

So kam ich schon am ersten Abend zu einem der 3 traditionellen Gerichte. Ich hatte einen kräftigen Rindereintopf mit allerlei grob geschnittenem Gemüse, einem ordentlich großen und guten Stück saftigen Rindfleischs und extrem wichtig: ein Stück Maiskolben. Die anderen 2 Gerichte probierte ich ein paar Tage später.

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hinten vor mir: mein Eintopfim Bildvordergrund Wolfgangs Essen „Bisteck a la pobre“ (= das Steak für Arme)

Ein anderes Nationalgericht ist Maismus mit Kartoffelbrei gemischt, leicht gesalzen, in Maiskolbenblättern als Päckchen wie eine Fliege gebunden und in Wasser gegart. Sehr sättigend und lecker.
Das 3. Nationalgericht ist eine Art Auflauf, wo die Hauptzutat – natürlich – Mais ist. Dieser Auflauf ist so gestaltet, dass unterschiedliche Zutaten (z.B. Fleisch, Gemüse, Weintrauben, Ei…) in die Auflaufform gegeben werden und mit einer Maispaste abgedeckt und gebacken werden. Ein schönes Überraschungsessen, weil man nie weiß, was „drunter“ ist. Dieses Gericht finde ich trotzdem am wenigsten ansprechend, weil es mir optisch nicht gefällt. Außerdem ist mir zu wenig Gemüse drin (den gehexelten Mais zähle ich jetzt mal nicht als Gemüse, weil es für mich nur eine braune Paste ist). Wenn man sich so ein Mittag bestellt, bekommt man immer Suppe, Brot mit würzig-scharfen Tomatendip und Salat dazu. Damit wird es zu einem sehr ausgewogenen Essen und man wird relativ günstig satt. Den Salat bekommt man roh, man kann ihn sich selbst mit Essig/Zitronensaft, Öl und Salz selber nach dem eigenen Geschmack zurecht manchen. Wir essen den Salat selbstverständlich. Selbst das Leitungswasser trinken wir ab und zu, da wir in einem Reiseführer gelesen haben, dass es unbedenklich ist. Wohler fühlen wir uns aber mit Kanisterwasser, teuer ist es ja nicht.

(Autorenwechsel: Wolfgang schreibt)
So gesättigt (ich hatte ein anderes Nationalgericht gegessen: Dünn geschnittene und gebratene Rindfleischscheiben) legten wir uns erschöpft von dem Tag zum Schlafen in unser frisches Bett. Mitten in der Nacht (irgend etwas nach 1 Uhr) klopfte es immer wieder und zunehmend immer lauter werdend an unsere Zimmertür, bis ich total müde und davon genervt die Tür öffnete. Vor der Tür stand ein junger Mann, der mir sagte, dass er für das Hostel arbeitet und ich mich anziehen, herunterkommen und jetzt bezahlen soll… Ich war fassungslos, fragte sehr bestimmt, ob das nicht bis zum kommenden Morgen warten könne, aber er sagte mir, wenn wir diese Nacht in dem Hotel verbringen wollen, dann müsse ich j e t z t zahlen. S o w a s – haben wir auf der ganzen Weltreise noch nicht erlebt! Im Voraus zahlen ist in einigen Ländern üblich, aber da tut man das beim Check-In. Oder man zahlt irgendwann im Verlauf. Noch nie aber habe ich erlebt oder gehört, das man mitten in der Nacht geweckt wird, um mitten in der Nacht zu zahlen. Eigentlich zahlt man ja um einen Platz zum Schlafen zu haben, und zahlt evtl. mehr für mehr an weiterem Komfort. Der Platz zum Schlafen ist und bleibt aber der eigentliche Grund, warum man sich eine Unterkunft sucht. Ich war bereits stinkig. Es kam aber noch dicker als ich angezogen unten an der Rezeption erschien. Dieser Mensch wollte das Geld in bar haben aber keine Quittung dafür geben. Wenn wir in diesem Hostel schlafen wollen, dann müssen wir jetzt bezahlen. Aber eine Quittung könne er keine ausstellen. Nö, so definitiv nicht mit mir. Unser „Meinungsaustausch“ wurde wohl laut genug, dass der Besitzer des Hostels irgendwann davon auch erwachte und zu uns kam. Dieser entschuldigte sich mehrfach für das Geschehene und selbstverständlich könne ich auch am nächsten Morgen zahlen. Ich ging zurück in unser Zimmer es wahr bereits irgendwas nach 2 Uhr. Ich war noch immer sehr wütend über diese Unverschämtheiten und konnte bis weit nach 05:00 Uhr nicht einschlafen. Von anderen Hostelgästen erfuhren wir später, dass es ihnen ähnlich ergangen sei. KO-Kriterium für ein ansonsten recht ansehnliches Hostel zum bezahlbaren Preis.

Der nächste Morgen startete für mich sehr übermüdet.

(erneuter Autorenwechsel: Harriet schreibt wieder)

Erkundung von Santiago de Chile

Nach unserem ersten uns ablehnenden Eindruck zeigte sich die Stadt von ihrer schönen Seite. Wir unternahmen einen vom Reiseführer empfohlenen Stadtrundgang und besichtigten so die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Am ersten Tag sahen wir den „Plaza de Armas“. Die Kulturzentren „Estacion Mapocho“ und „La Moneda“ sahen wir nur von Außen, da wir uns nicht in die lange Schlange in der prallen Sonne anstellen wollten. Auch gingen wir auf den Hügel „Cerro Santa Lucia“, um einen guten Überblick über die dunstige Stadt werfen zu können und schlenderten durch diverse hübsche Straßen mit Bäumen und lieblichen Verkaufsständen. Hier machten wir uns erneut bewusst, wie schön es ist, über Märkte von Argentinien und nun auch Chile zu schlendern. Man kann in Ruhe alles ansehen, auch mal anfassen, ohne gleich von dem Verkäufer angesprochen zu werden. Spricht man die Verkäufer aber an, sind sie gleich hilfsbereit zur Stelle, ohne aufdringlich zu sein. Ein wahrer Genuss im Vergleich zu Indien oder dem asiatischen Raum.

Bilder 1. Tag

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Am 2. Tag schauten wir uns das Wohnhaus von Pablo Neruda (von Außen) an und nahmen die Seilbahn (Ascensor) auf den noch höheren Hügel „Cerro San Cristobal“, wo die „Madre de Santiago“ als weiße Statue von den Gläubigen als Pilgerort dient. Dort blieben wir eine Weile, genossen die Aussicht auf die Stadt.

Bilder 2. Tag:

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warten auf die Seilbahn zur „Madre de Santiago“

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Blick nach oben

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dies ist die „Madre de Santiago“

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Dieser Hügel in der Mitte war der Hügel, den wir am 1. Tag besucht haben.

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andere Richtung

Architektonisch erkannten unsere Leihenaugen manchen Stil aus Buenos Aires wieder, auch wenn es nicht so gehäuft und wohl auch nicht so gewollt war. Schöner als in Buenos Aires sind die verkehrsberuhigten Straßen und das nicht so hektische Herumgelaufe der Einheimischen. Wir merkten selbst an uns, dass wir viel ruhiger durch die Straßen liefen.

Im Nachhinein hätten wir doch einen der angepriesenen Stadtrundgänge mitmachen sollen, weil wir später von vielen gehört haben, dass man da interessante Dinge erzählt bekommt. Okay, vielleicht beim nächsten Mal.

In unserem Hostel trafen wir die Niederländer Terezina und Maikel, mit denen wir manch nettes Gespräch über das Reisen durch Südamerika hatten. Auch probierten wir zusammen ein paar chilenische Weine durch, die ebenfalls Weltklasse haben. Da die beiden die entgegengesetzte Route bereisen, konnten wir uns gegenseitig Tipps geben.

Fahrt nach Chile

Fahrt nach Chile

Ganz reise-erfahren und von den argentinischen Bussen sehr überzeugt, kauften wir ein Ticket von Mendoza nach Santiago de Chile. Nach deren Angaben nur eine Fahrzeit von 10:45 – 15 Uhr. Die halbe Strecke haben wir mit unserer Bergtour schon gesehen, der Rest ist dann nur noch Grenzformalitäten und Fahrt nach Santiago. Da wir wussten, dass Chile sehr streng mit den Einreisebestimmungen für Lebensmitteln ist, nahmen wir nur ein paar Kekse und Wasser mit. Für 4 Stunden braucht man ja auch nicht so viel. Dieses Mal reisten wir mit der Firma Tur-Bus, die unschlagbar günstig war. Da wir „Service“ drin hatten, wollten wir lieber auf der sicheren Seite sein, nahmen nicht mehr Lebensmittel mit als nötig und freuten uns auf ein Mittagessen an Bord, wie wir es auf der Fahrt von Buenos Aires nach Mendoza kennen gelernt hatten. Es dauerte auch nicht lange, bis wir die Grenze erreicht hatten. Es wird nach PKW/Motorrad, LKW und Bus sortiert. Recht viele Leute waren da und so standen wir an. Wolfgang ließ die Stoppuhr laufen. Es dauerte echt lange, der Spaziergang zum Klo war eine angenehme Abwechslung. Wieder fielen uns schnelle Bewegungen schwer, denn wir waren auf über 3500m Höhe. Einige kauften sich an den Kiosken etwas zu essen, wir warteten lieber auf den „Service“. Filme wurden wieder zur Unterhaltung gezeigt. Leider war einer dabei, den ich persönlich echt widerlich fand. Ein Film über Menschen in der US Armee Ausbildung, die jede erdenkliche Erniedrigung über sich ergehen lassen mussten, wo viel Blut floss und alles detailgetreu dargestellt wird. Meine Akupressurbänder gegen Übelkeit halfen mir, die meinige zu bewältigen und ich verschlief zum Glück den Großteil des Films. Echt eine Glanzleistung von Auswahl und Geschmack. Im Bus waren übrigens auch viele Kinder drin, die wohl ähnliche Freude am Film empfanden. Zum Glück ist denen nicht schlecht geworden.

Aber zurück zur Grenze…

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Am Ende standen wir hier mehr als 4 Stunden an der Grenze und die Freude, nach der Grenzüberfahrt etwas zu Essen zu bekommen wurde nicht erfüllt. Der „Service“ bestand wohl lediglich aus Filme zeigen, Kissen verteilen und ab und zu Müll einsammeln. Noch nicht mal Wasser gab es.

(Autorenwechsel. Wolfgang schreibt jetzt anstelle von Harriet)

So kamen wir 19:30 Uhr hungrig in Santiago an. Der Busterminal war überfüllt mit Menschen, wie wir es das letzte Mal in Indien gesehen hatten. Hier stockte aber alles an allen Enden, statt wie in Indien ein zähflüssiges Vorankommen zu ermöglichen. Und nun zeigte sich unsere Routine … oder besser gesagt, es zeigte sich, dass wir „neue Länder“ nicht mehr so ernst nehmen.
Sonst waren wir vorbereitet. Bereits im alten Land wurde das letzte bischen altes Geld umgetauscht in die kommende Währung, damit man sich zumindest Toilette oder eine Kleinigkeit zu trinken leisten kann. Die Kreditkarten sind gut vorbereitet verteilt in unterschiedlichen Taschen leicht erreichbar untergebracht. So kann sogar eine Tasche verloren gehen, man hat trotzdem die Möglichkeit, an wenigstens eine Kreditkarte zu kommen. Tja, und diesmal … unsere Kreditkarten waren in Argentinien ja praktisch wertlos gewesen. Tagelang suchten wir, bis wir einen Automaten fanden, der uns zumindest eine kleine Menge Geld gab. Wie gut, dass wir Bargeldreserven in US-Dollar in Argentinien bereit hatten. Diese lohnen sich eh viel mehr in Argentinien, da man die zu einem viel besseren Kurs als dem offiziellen umtauschen kann und dadurch alles günstiger wird. (Zu unserer Zeit im Januar 2015 bekamen wir statt 8,55 argentinische Peso satte 13,5 argentinische Peso für einen US-Dollar). Die Kreditkarten waren also seit Wochen unbenutzt eher „sicher“ als zugängig irgendwo in den Tiefen unserer Rucksäcke verstaut. Bargeld in US-Dollar war zwar parat, aber mit einer Umtauschmöglichkeit rechneten wir an diesem Ort weniger als mit einem Geldautomaten. Zum Glück hatte Harriet eine Kreditkarte mehr zufällig doch noch in einer Tasche … (Au, man, wir klopften uns an die Stirn – und das uns, nach so vielen neuen Ländern, so einen Unsinn zu verzapfen… )
Da Harriet diejenige mit „der Kreditkarte“ war, tauschten wir die sonst üblichen Rollen und ich blieb bei unseren Rucksäcken und Harriet ging los um das Gelände zu erkunden und Geld zu besorgen.
Nach fast einer Stunde kam Harriet sehr traurig zurück. Das einzige was wie ein Geldautomat aussah war wohl ein Spezieller oder wollte ihr aus unersichtlichen Gründen kein Geld geben. Mit Englisch kam sie nicht weiter, keiner sprach nur ein Wort Englisch und sie wusste nicht, was sie noch machen sollte. Der Laden, der wie eine Wechselstube aussah, war ein Telefonladen, der auch kein Geld tauschen wollte.
Sie war jetzt müde und erschöpft und bat mich weiter zu machen. An einer Ecke hatte sie relativ am Anfang ein Hotel gesehen. Ihre Idee war: Evtl. spricht da ja jemand Englisch und wir bekommen Informationen wo man einen Geldautomaten oder eine Wechselstube findet und evtl. können die einem ja auch erklären, wie man nun zu unserem Hostel kommt.
So ließ ich Harriet, sich auf die Rucksäcke aufpassend, ausruhen und ging durch das Menschengewühl zu dem Hotel. Und damit ging dann endlich alles reibungslos. Zum Glück konnte ich auf Spanisch um Hilfe bitten und fragen ob jemand Englisch sprechen kann. JA, und eine junge nette Dame an der Rezeption sagte mir wo eine Wechselstube ist, und vermittelte uns eine Taxifahrt mit dem Unternehmen, das dem Hotel Sonderpreise gab. Wir sollten nur beide in das Hotel kommen, dann würde sie das Taxi rufen. (Der Preis klang unglaublich verlockend – natürlich taten wir das entsprechend.) Die Wechselstube war unglaublich schwer zu finden. Selbst als ich 8m davor stand, sah ich die noch nicht – erst als ich fast direkt davor stand sah ich die. Die Wechselkurse waren nicht berauschend aber akzeptabel und außerdem brauchten wir ja einfach dringend Geld – da blieb eh wenig Wahl. Dann holte ich Harriet ab, ging mir ihr und unserem  Gepäck zurück zum Hotel und von dort aus wurde uns das versprochene Taxi gerufen. Damit ging es dann zu unserem Hostel und wir waren fast spät abends endlich da. Noch einmal vielen Dank an die liebe Dame an der Rezeption, die ja eigentlich gar nicht für uns zuständig gewesen wäre, weil wir ja keine Hotelgäste waren. Aber zum Glück ist diese eher deutsche Art in Zuständigkeiten zu denken in vielen anderen Ländern nicht so verbreitet. Nach dem Check-In konnten wir unsere Rucksäcke in unserem Zimmer abstellen und uns auf den Weg machen etwas zu essen zu organisieren. Damit sind wir in Santiago de Chile in unserem Hotel doch noch angekommen. Wer hätte es gedacht. Aus 4 Stunden wurden fast 10 und der Notfallschokoriegel kam zum Einsatz…

Mendoza

Mendoza

Der Abschied von Buenos Aires und Flor, unserer Spanischlehrerin, die wir in den ersten zwei und der letzten Woche unseres Sprachkurses wieder hatten, fiel uns doch schwerer als gedacht. Flor ist uns echt ans Herz gewachsen. Auch Buenos Aires ließ uns nicht so einfach los. Komisch. Doch wir freuten uns auch auf Mendoza, dort wo am Fuße der Anden der wohl beste Wein Argentiniens reift.

Wir recherchierten lange im Internet, da es in Argentinien unzählige Busgesellschaften gibt, die unterschiedlichen Service anbieten, der uns zu Anfang nichts sagte. „cama“? „semi-cama“? „mit oder ohne Service“? Was beinhaltet dieser „Service“? Wir entschieden uns, mit Andesmar zu fahren, die zweitbeste Firma der Region (noch besser und auch teurer ist nur Chevalier, wenn die Aussagen aus einem Blog stimmen, den wir lasen). Mit dem Nachtbus ging es los. Wir hatten „Semi-cama executive“.
cama = Vollbett
semi-cama = Sitz mit Fußstütze, Rückenlehne „nur“ 140° nach hinten verstellbar
Semi-cama executive = Sitz mit Beinauflage, Rückenlehne ca. 160° nach hinten verstellbar

Argentinische Busse sind weithin bekannt für ihren hohen Komfort. Kein Vergleich zu den Bussen in denen wir z.B. auf den Philippinen oder Indonesien gefahren sind. Da weiß man den Luxus erst so richtig zu schätzen. Wir stellten fest, dass es für einen Argentinier schwer vorstellbar ist, viele Stunden in einem Bus zu sitzen und sich nicht einmal auf gut gepolsterten breiten Sitzen hinlegen zu können. Wenn ich da an die vergleichsweise sehr harten Sitze in den Greyhound-Bussen in den USA denke, die wir im Asien-Vergleich bereits als Luxus empfanden … Nun ja, Greyhoundbusse haben einen Vorteil, den bisher kein anderes Busunternehmen hatte: Eine Steckdose am Sitzplatz, wo man sein Mobiltelefon aufladen kann. Das hat bisher sonst noch keiner geboten – sonst aber ist Greyhound definitiv kein wirklich bequemes Reisen. Den Vergleich mit unseren argentinischen Bussen – wow … allerdings haben die toll aussehenden Kunstlederbezüge den Nachteil, dass man darauf schwitzt. Nie ist was perfekt auf der Welt *Augenzwinker*

Zur Unterhaltung gab es englischsprachige Filme *jippi*, eine kuschelige Zudecke und ein Kissen. Gegen 22 Uhr wurde ein lecker heißes Abendbrot serviert, Wein wurde ausgeschenkt und so schlummerten wir selig durch die störungsfreie Nacht. Das Frühstück am Morgen war zwar echt dürftig (3 Kekse), aber es gab immerhin einen heißen Kaffee oder Tee. Ankunftzeit in Mendoza war gegen 10 Uhr. Unsere Essensvorräte waren Dank des Services kaum angerührt.

In Mendoza hatten wir erst mal mit der Höhe zu kämpfen. Von monatelangem Leben auf null Höhenmeter auf nun 840 m in einer Nacht ging echt auf den Kreislauf. Auch die drückende Wärme ließ uns in den ersten 2 Tagen nur von einer schattigen Parkbank zur nächsten schleichen. Zum Glück ist Mendoza reichlich bestückt mit Parks und Bänken, sodass wir immer ein schattiges Plätzchen fanden. Wieder einmal machten sich unsere in Australien gekauften Trinkbeutel bezahlt.

Weintour

Natürlich darf in Mendoza eine Weintour nicht fehlen. Hauptsächlich 2 Wege führen hier zu den Weingütern, die eher um das 15 km entfernten Maipu angesiedelt sind. Entweder man leiht sich ein Fahrrad und radelt von einer Winzerei zur nächsten oder man macht eine teurere Weintour. Aufgrund unserer noch vorhandenen Trägheit entschieden wir uns für eine geführte Tour. Wir fuhren mit der Firma Wanka, die eine der günstigeren Touranbieter war, die wir fanden. Im Weintour-Bus wurde allerdings alles nur auf Spanisch erzählt. Bei den Winzern selbst bekamen wir dann eine Tour auf Englisch durch die Winzerei. Das wurde uns aber im Vorfeld gesagt, sodass wir keine unschöne Überraschung erlitten. Das passte uns, denn die unzähligen Weinanbauflächen können wir auch ohne Sprachkenntnisse sehen und so versiert sind wir auch nicht in der argentinischen Weinkultur, dass es uns wichtig wäre, zu wissen, an wessen Weingut wir vorbei fahren. Gesagt – getan, noch am gleichen Tag ging es los. Wir buchten auch gleich eine Bergtour „Alta Montana“, die dann auch mit Englisch sprechendem Guide am Folgetag sein soll. Auf der Weintour stellten wir schnell fest, dass wir die einzigsten 2 Personen waren, die eine Führung in Englisch brauchen. Wir waren gespannt.

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Wir besuchten 2 Weingüter und ein Unternehmen für allerlei Produkte aus Oliven. Zuerst waren die Oliven dran.

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Bild an einer Wand der Olivenfarm

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die Besitzerin erklärt in der Abfüllanlage

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Verkostung

Durch die stille kleine Produktionsanlage wurden wir durchgeführt und es wurde viel erklärt. Die Besitzerin sprach zuerst in Spanisch und dann in Englisch. So erkannten wir auch schon im Spanischen einiges und konnten im Englischen feststellen, ob wir es richtig gehört haben. So stellten wir auch manchmal fest, dass Kleinigkeiten im Englischen weg gelassen wurde. Zum Ende der Führung konnte man sich noch nach Herzenslust mit Olivenlotion einschmieren und Brot mit unterschiedlichen Olivenölen oder Olivenpasten probieren. Lecker und eine gute Grundlage für das Folgende…die Weinproben.

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Im ersten Weingut kamen wir an und es war ein echt klasse Weingut. Sehr auf Qualität bedacht, Lagerung des Weines noch in echten Holzfässern mit echtem Korkverschluss aus Portugal. Da sich die Englisch sprechenden Besucher in unserer Gruppe nicht vermehrt haben, bekamen wir unsere eigene Führung. Eine Engländerin aus einer anderen Gruppe wurde noch dazu gebracht aber das war’s auch. 3 Leute statt 20 in einer Gruppe. Klasse. Auch der Wein (ausschließlich Rotwein) war sehr lecker, sehr aromatisch doch für uns Budget-Reisende oberhalb unserer Grenze dessen was im Budget drin ist. Und wie immer lohnt es sich erst ab einem Karton mit 6 Flaschen. Und damit können wir Rucksackreisende echt nix anfangen. Also bedankten wir uns herzlich und kauften nichts.

Gut angeheitert ging es ins 2. Weingut.
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ein typischer Arbeitsplatz; man beachte die Gummistiefel unter dem TIsch

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Das Originalauto des italienischen Besitzers.

In diesem Weingut  gilt nicht so sehr die Reinheit als Qualitätskriterium sondern der Geschmack. Da wird auch gern mal Zuckercoleur hinzugefügt, damit der Wein ordentlich Alkohol produziert. Wieder erhielten wir unsere eigene Führung, die uns aber eher wenig gefallen hat. Wir wurden im Affentempo durch die Anlagen geführt, um am Ende selbst abgefüllt zu werden. Hier floss der Wein gut. Am Ende haben wir aber doch 2 Flaschen gekauft (einen Weißen für mich und einen fast Braunen für Wolfgang). Die Farbe des braunen Weines widerspricht sich mit allem, was wir gelernt haben, was Wein haben bzw. nicht haben sollte. Doch geschmeckt hat er trotzdem und bezahlbar war er auch.

Nachdem jeder ordentlich gebechert hatte, lief auch die Verständigung im Bus deutlich einfacher *hihi*
Noch eine Besichtigung eines kleinen Bauernhofs, der überteuerte Produkte anbot und dann ging es zurück nach Mendoza, wo wir (fast) zum Hostel gebracht wurden. 1 Block mussten wir laufen, da unser Hostel in einer Einbahnstraße liegt, die für den Fahrer nicht passend war. Also gab es auch kein Trinkgeld.

Alta Montaña

Am nächsten Morgen wurden wir pünktlich 7:30 Uhr direkt vor dem Hostel abgeholt. Es war der gleiche Fahrer. Ein paar Argentinier erkannten wir aus der Weintour wieder, die nun mit uns in die Berge fahren wollten. Die Tourführerin sprach Spanisch und Englisch. Wieder waren wir die einzigen 2, die Englisch brauchten. Auf 4200 m sollte es nun gehen. Etwas Bammel hatten wir schon, denn so sehr gut ging es uns in Mendoza ja auch nicht und das waren nur knapp 1000 m. Auch gingen wir nicht davon aus, dass sie Medikamente und Sauerstoff im Bus für den Fall einer Höhenkrankheit haben würden. Doch unsere Sorge sollte eh unbegründet bleiben.

Wir besichtigen zuerst das für Mendoza lebenswichtige Wasserreservoir auf 1300 m. Im Winter und in der Schmelzzeit füllt es sich mit Wasser, wovon die Menschen in Mendoza das restliche halbe Jahr ihr Wasser bekommen. Hätte es das nicht, wäre Mendoza eine Wüstenstadt und die Leute hätten nichts zu trinken. Hier erfuhren wir auch, dass das Kanalsystem, mit dem in Mendoza die Bäume am Straßenrand und die Weingüter versorgt werden im Prinzip das Gleiche ist, das vor hunderten von Jahren die Inkas angelegt haben. Eben heute nur moderner und größer – aber das gleiche Prinzip.
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das Wasserreservoir

Dann ging es immer weiter hoch bis zu dem Punkt auf 4200 m. Unser Fahrer zeigte enorme Fahrsicherheit auf der steinig-sandigen, schmalen und steilen Serpentinenstraße mit vielen engen Kurven, der Abhang immer nur eine Reifenbreite entfernt.
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Kein Wunder, dass dieses Ziel bei vielen Anbietern wetterabhängig angefahren wird. Der argentinische Sommer ist für diese Region Nebensaison. Voll wird es, wenn Schnee liegt und alle zum Skifahren kommen. Dann ist aber die Zufahrt zum Gipfel gesperrt.

Am Gipfel des Berges angekommen steht man genau auf der Grenze zwischen Argentinien und Chile.
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Beide Länderflaggen und eine Jesusstatue symbolisiert die Verbundenheit und die Friedlichkeit der Länder. Viele Menschen freuten sich, es hoch geschafft zu haben. Viele Motorradfahrer fotografierten sich gegenseitig mit ihren Nationalflaggen, umarmen sich.
Es war echt kalt und wir freuten uns über unsere Zwiebelschicht an Klamotten. Nur im Schneckentempo konnten wir uns bewegen, denn die Luft war spürbar dünn. Jede körperliche Anstrengung artete in eine deutlich vertiefte Atmung aus. Ein kräftiger Wind fegte über die Plattform, wo wir mal nach Argentinien, mal nach Chile sehen konnte.

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Blick nach Argentinien

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Blick nach Chile

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Auch unserem Auto merkte man die anstrengende Auffahrt an und wurde am Gipfel gut gekühlt.

Und dann passierte es… Ich war dabei, Conny und die Welt für ein Foto zu halten, als eine Windböhe mir die Welt aus den Händen riss. Jegliches wieder einfangen war zwecklos.

Die Welt ist verloren.
Die Welt ging verloren an der Grenze zwischen Argentinen und Chile.

Nach über 1 Jahr Reise mit uns um die echte Welt flog unsere liebgewonnene aufblasbare Welt nun alleine davon. Das war ein sehr trauriger Moment. Wir hoffen (etwas unrealistisch, aber das macht ja nichts), sie flog gut bergab weit davon, ein Kind hat sie gefunden und freut sich über sie. Die Vorstellung, dass unsere Welt die schöne Landschaft vermüllen könnte, gefällt uns schließlich gar nicht. Mal sehen, ob wir einen Ersatz in einem Spieleladen am Meer in Chile finden. In Deutschland wüssten wir, dass wir für z.B. bei ebay für ein paar Euro schnell Ersatz bekommen könnten.

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Hier ein letztes Bild von unserer Welt. Nun muss Conny alleine posen.

Auf dem Rückweg schauten wir uns noch die „Inca-Brücke“ in Puente del Inca an. Der Fluss transportiert unzählige schwefelhaltige Sedimente, die sich auf alles ablagern, was sich im Wasser befindet. Diese Hausruine war mal ein Hotel, doch es ist inzwischen zu gefährlich sie auch nur betreten. Irgendwann wird der Fluss das ehemalige Hotel komplett überzogen haben.

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Wie das aussieht, wenn Objekte nur 15 Tage im Wasser verweilen, haben wir hier versucht, auf folgenden Bildern fest zu halten.

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Flaschen, Getränkedosen und einen Locher

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ein „normaler“ Arbeitshandschuh – jetzt wohl nicht mehr zu gebrauchen

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eine Schirmmütze, das Verstellband für die Größe hat sich freigebröselt

Dank der Empfehlung unseres Hostel-Vermieters packten wir ein gutes Picknick ein, sodass wir das teure und wenig leckere Imbisbudensessen unterwegs nicht essen mussten und verpflegten uns selbst.

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Ein geschlossenes Hotel, was sich nur auf den Skitourismus orientiert.

Zum Abschluss noch ein paar Bilder der Fahrt:

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Reste der Eisenbahnstrecke von Argentinien nach Chile. Sie soll zwar wieder errichtet werden, doch das wird wohl noch länger dauern als der Bau des Berliner Flughafens….

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der höchste Berg Südamerikas

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ein Bus, der wohl schon lange keine Passagiere mehr fährt

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für das Größenverständnis: hier eine massive Eisenbahnbrücke über das aktuell fast trockene  Flussbett

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der  fast trockene Fluss: ich hoffe, ich habe es noch richtig in Erinnerung, aber ich glaube, unsere Reiseführerin sprach von eine Höhe von ca. 30 Meter der dunklen Wand. Kaum vorstellbar, dass das während der Schmelzzeit voll Wasser sein soll.

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In der restlichen Zeit in Mendoza machten wir noch eine Tour mit den für Städte typischen Hop-On Hop-off Bus, aßen unser erstes BBQ – eine „Parillada“. So eine typische argentinische Grillplatte „Parillada“ hat übrigens neben leckeren Steaks auch diverse Innereien. Da sieht man dann Europäer die Nase rümpfen und die nahmen das dann nicht. Nach einem Jahr Weltreise und vielen verwunderlichen Esserfahrungen probierten wir einfach – und es war echt lecker! Da hat so mancher was verpasst!

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So eine Parillada ist eine ausreichende Portion für 2 Personen. Natürlich kommen noch Pommes, Salat und Getränk dazu, damit man nicht hungert. 😉

Ansonsten liefen wir immer wieder gern durch die schöne, idyllische und ruhige Stadt. Mendoza ist eine Stadt mit einer wirklich netten Atmosphäre, die vor allem auch durch die vielen Baum-gesäumten breiten Alleen vermittelt wird. Einfach nett!

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linker Bus = Citytourbus
rechter Bus = „normaler“ Linienbus im Stil einer Cable Car wie in San Francisco

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Allee aus dem Stadtpark raus

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Denkmal zu Ehren von San Martin

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Wolfgang packt den Stier bei den Hörnern am Fuße des Denkmals

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San Martin – seine Nase wurde wohl ganz oft wohl für Glück gerubbelt (wie die Beine des Esels der Skulptur der Bremer Stadtmusikanten).

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Wieder San Martin mit einer uns unbekannten Frau. Hier liegt die Suche des Glücks eindeutig auf der weiblichen Seite *grins*

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eine der vielen schönen Alleen in Mendoza
Natürlich gibt es noch diverse andere Ehrungen des Nationalhelden San Martin. Solange man Argentinien bereist, hat man sowieso den Eindruck, das der überall seinen Fuß hin getan hat und dies bis heute geehrt wird. (Wer schon einmal als Tourist in Weimar war, weiß am Beispiel Goethe in Weimar, was ich mit San Martin in Argentinien meine…) In Mendoza gibt es außer mindestens einem Denkmal sogar eine Kreuzung zweier Straßen mit den Namen San Martin … okay, bei genauem Hinsehen ist die eine dann eine M. de San Martin und da wird seine Tochter Mercedes de San Martin geehrt. 😉 Ok… Wie viele Goethestraßen gibt es in Deutschland? … Am Ende sind wir aber schon ganz stolz, dass bei uns eher Dichter und Komponisten so geehrt werden als militärische Heerführer.

Lebenszeichen

Liebe Leser,

wieder einmal kommen wir vor lauter Reisen nicht zum bloggen. Mittlerweile sind wir gut in Cusco (Peru) gelandet. Nachdem wir von Buenos Aires nach Mendoza, dann nach Santiago de Chile gefahren sind und uns dort jeweils ein wenig ungesehen haben, ging es weiter nach Valparaiso und Viña del Mar, schließlich nach San Pedro de Atacama und zurück an die Küste nach Antofagasta, wo wir unsere Pläne änderten und statt die Küste mit dem Leihwagen Richtung Norden zu fahren zurück nach San Pedro de Atacama fuhren. Die Atacama-Wüste ist der trockensten Platz der Welt. Hier verbrachten wir einige Zeit und erlebten überraschend häufig Regen. Anschließend ging eine nicht einfache Tour durch das Hochgebirgsplateau mit Wüste und die Salzwüste Boliviens nach Uyuni. Alles ohne bzw. schlechtem Internet. Artikel über Mendoza (Argentinien), Santiago (Chile), San Pedro de Atacama (Chile) und, und, und stehen noch aus. Danke euch, dass ihr euch und uns fragt, wie es uns geht und was wir machen, wenn wir uns so lange nicht gemeldet haben. Hier in Cusco ist am Wochenende Carneval und dann soll es zum Highlight unserer Reise, zum Machu Picchu gehen. Es gibt viel zu berichten… mal schauen, wann wir dazu kommen…