Archiv für den Monat: April 2015

4 Tage

Vier Tage im Leben eines Weltreisenden

Aus den Gesprächen die wir mit Menschen führen, die unseren Blog von zu Hause in Deutschland aus lesen entnehmen wir, dass sich jeder so seine eigenen Vorstellungen macht, wie unsere Tage so aussehen.
Darum denken wir, wir sollten mal ein paar Tage exemplarisch vorstellen, wie es denn tatsächlich ist.
Wir haben uns unsere Tage in Nasca und Lima ausgesucht. Über Nasca und Lima selbst und was daran interessant war, wollen wir gerne auch noch berichten – hier geht es eher um den Tagesablauf. Darum wird es jetzt auch ein Beitrag ohne Bilder. Ich hoffe er ist trotzdem interessant und ich will versuchen, so bildlich wie möglich zu schreiben.

So, nun geht es also los:

Nach 14 Stunden Busfahrt kommen wir in Nasca an. Busfahren ist immer wieder ermüdend, obwohl selbst die südamerikanischen Langstreckenbusse mit geringster Qualität im Vergleich zu Deutschen ausgesprochen angenehm sind. Kein Vergleich zu Bussen in Asien. Insbesondere wenn ich an die Philippinen oder Indonesien zurück denke … schon schön, auf so einem gepolsterten Sitz mit unterschiedlich weit zurück lehnbarer Rückenlehne zu sitzen und eine Fußstütze zu haben und einen Film (auf Spanisch oder Englisch) zu schauen. Das Gepäck ist im Gepäckfach verstaut und dort sogar relativ sauber untergebracht (erneuter Asien-Vergleich).

Unterschiede im Busreisen in unterschiedlichen Ländern wäre eigentlich ein Thema für ein eigenen Blogbeitrag. Immer ist es aber irgendwie eigenartig ermüdend. Man sitzt im Bus und dämmert so vor sich hin (außer auf einer 36-stündigen Busreise auf den Philippinen wo ich von Boxen mit Kampfhähnen umlagert war), und wird dabei immer kaputter. Man kommt trotz aller Bequemlichkeit südamerikanischer Langstreckenbusse erschöpft vom Reisen am neuen Ort an.

Für Harriet und mich ist inzwischen Folgendes zur Routine beim Eintreffen an einem neuen Ort geworden: Sie besetzt einen strategisch guten Platz möglichst an einer überdachten Wand in der Nähe des Busses und ich hole Stück für Stück unser Gepäck aus dem Bus. Je nach Land und Mentalität unterschiedlich intensiv wird man dabei von Taxifahrern angeworben, die einen fahren wollen. Es ist selten schlau so eine Taxifahrt anzunehmen (je nach Land und Region aus völlig unterschiedlichen Gründen). Harriets Aufgabe ist, auf das Gepäck auf zu passen, meine Aufgabe ist die Gegend zu erkunden und zum Beispiel Geld zu wechseln (wenn wir in einem neuen Land sind) oder eine vertrauenswürdige Fahrgelegenheit (öffentlichens Nahverkehrssystem, Prepayed-Taxi oder Ähnliches) und alles andere Notwendige zu orgenisieren.

Am Beispiel Nasca hieß das: Ich nehme schon mal einen Teil des Gepäcks, starte meine offline-Karten in meinem Smartfone und laufe zu Fuß, unsere im Voraus gebuchte Unterkunft zu finden. Wie immer hatten wir mit der Buchung um Abholung gebeten – wie meist hatte das nicht geklappt. Nach ein wenig herumirren finde ich unsere Unterkunft und stelle das Gepäck gesichert unter.

[ Unterbrechung des Beitrags – stattdessen Tipps:
Hier immer Vorsicht walten lassen – das Gepäck sollte gut unter Sicht – besser verschlossen – optimal bereits im Zimmer untergebracht werden. Es gibt Diebe, die haben sich darauf spezialisiert, Gepäck aus dem Empfangsbereich von Hostels, Hotels usw. zu stehlen. Die haben dann evtl. durchaus Kleidung an, die einen denken lässt, es seien freundliche Mitarbeiter des Hostels, die einem beim Gepäck tragen helfen wollen. In solchen Situationen nie auch nur für einen Augenblick das Gepäck aus den Augen lassen !!!
Am Rande erwähnt für echte Gepäckträger: Es ist gut, immer ein paar 1-US-Dollar-Noten dabei zu haben, damit man auch in einem neuen Land eine Kleinigkeit geben kann. 1 US-Dollar ist oft eine kleine aber noch akzeptable Menge, wenn nicht, kann man in Einzelschritten erhöhen. ]

Nach dem ich meinen Teil des Gepäcks untergrebracht habe, laufe ich erneut zum Busbahnhof, wo Harriet auf den anderen Teil aufpasst. Da sie ja kürzlich mit dem Knöchel umgeknickt war, bin ich derzeit Träger für alles Gepäck. Sie nimmt nur den kleinen Reiseproviantrucksack, ich nehme ihr ganzes anderes Gepäck und wir gehen zusammen diesmal auf direktem Weg zum Hostel.
Es ist fast 22:00 Uhr und wir versuchen uns schlafen zu legen. Vorher versuche ich noch über das WLAN (=WiFi) unsere E-Mails abzurufen. Da Internet oft nicht so zuverlässig funktioniert, dauert es schon mal eine halbe oder dreiviertel Stunde immer wieder erneutes Versuchen, bis das, was in Deutschland im heimischen Netz keine Minute dauert, tatsächlich zu erreichen. Wecker stellen – Abendtoilette (nach langer Busfahrt gehört Duschen wenn möglich dazu, denn man ist oft durchgeschwitzt.) – schlafen.

Nächster Tag: Früh aufstehen. Bei diesem Hostel ist Frühstück inklusive, sonst muss man erst einmal herum laufen und etwas Günstiges zum Frühstücken finden, oder im Supermarkt etwas kaufen, was für mehrere Tage Frühstück gut wäre. Normalerweise muss man auch herum laufen, um für die Aktivitäten die man vor hat die Anbieter zu vergleichen. In diesem Fall haben wir das im Voraus im Internet erledigt und die Fluglinie, die wir zum Überfliegen der Nasca-Linien nutzen wollen, wird auch in unserem Hostel zum gleichen Preis angeboten – das spart viel Zeit und Gelaufe. Dafür geht normalerweise alleine ein Tag drauf.
In unserem Hostel können wir aber alles preisgünstig vor Ort buchen. Nach dem Frühstück werden wir bereits von dem Unternehmen am Hostel abgeholt und zu dem kleinen Flughafen gebracht. Es folgt der Papierkram. Das Unternehmen will Pässe kopieren (viele erwarten von einem immer eine Kopie dabei zu haben), Formulare ausfüllen, wo Gewicht usw. abgefragt wird (obwohl sie selber auch noch mal wiegen), man unterschreibt Verzichtserklärungen für den Fall das etwas passieren sollte usw.. dann ist mal wieder die typische Tätigkeit des Weltreisenden angesagt: „Dasitzen und warten.“ Wer das kennt, es ist eigenartig. Es gäbe so viel zu tun, man hat hier und jetzt aber keine Gelegenheit dazu. Man hat eigentlich nichts zu tun und trotzdem oder genau deshalb ist es irgendwie nicht anstrengend, aber erschöpfend. Wir kommen ins Gespräch mit anderen Wartenden und Viele haben interessante Geschichten. Unsere Geschichte einer Weltreise ist für andere Reisende natürlich auch interessant. So vergeht die Zeit, bis wir dann endlich zum Flugzeug gehen und abheben. Es ist eine kleine Maschine (wie schreibt man Chesna?) die jedes kleine Luftloch mitnimmt und das bewusst in starke Seitenlage gebracht wird, damit man die Nasca-Linien unten auch gut sehen kann – und damit beide Seiten die gut sehen können natürlich immer einmal in Links- und einmal in Rechtskurve. Einer Mitreisenden aus der letzten Reihe wird übel und Harriet ist dann ja immer gerne solidarisch. 😉 Ich bin da ja zum Glück viel stabiler und mache die Fotos. Wie es den Anderen der insgesamt 5 Passagiere geht, bin ich mir nicht sicher, sie scheinen stabil, machen aber keine Fotos mehr. Jedenfalls wird der Flug aufgrund der Übelkeit an Bord nicht unnötig verlängert – was ich als stabiler Mensch natürlich Schade finde, denn ich wäre gerne viel länger in Kurven geflogen für mein Geld. Es ist inzwischen späte Mittagszeit. Nach dem Flug werden wir zu unseren Hostels zurück gefahren. Harriet und ich verabreden für den nächsten Tag eine geführte Fahrt zu den Nasca-Linien. Zwar haben andere Reisende erzählt, dass das nicht sehr lohnen würde, aber ich möchte es irgendwie doch gerne gesehen haben. Ich denke, sonst würde ich mich die Zeit darauf immer fragen, wie es wohl gewesen wäre.
Jetzt gehen wir erst einmal los und durchlaufen den Ort. Es gibt einen Markt – dort kann man immer am besten die Einheimischen beim Handeln sehen und typische Früchte erwerben. Harriet ist noch nicht so stabil, also gibt es erst mal nur eine Banane. Danach humpelt sie an meiner Seite eingehänkelt weiter und wir schauen uns den weiteren Ort an und wir machen Bilder mit der Handy-Kamera z.B. vom Plaza de Armaz. Neben dem Supermarkt, den wir später entdecken und in dem wir ein paar Kleinigkeiten zu Essen kaufen, ist eine Hähnchenbräterei mit gutem Preis-Leistungsverhältnis, da essen wir zu Abend.

Gerne würden wir jeden Abend in Restaurants gehen und landestypische Spezialitäten essen. Aber das ist in unserem Budget nicht drin. Wir nehmen immer die fast billigsten Unterkünfte und ernähren uns oft aus Supermarkt, Hähnchenbräterei oder Stand am Straßenrand. Stand am Straßenrand ist andererseits oft landestyspischer als Restaurant aber Supermarkt ist oft unschlagbar günstig.

Damit möchte ich auch eine andere Frage beantworten. Wir haben unsere Abschlussrechnung zwar noch nicht fertig. Insgesamt hat uns die Weltreise von rund 17 Monaten weniger gekostet, als manch Anderer für einen Mittelklassewagen ausgibt. Wir haben weder im Lotto gewonnen, noch sind wir sonst wie reich – im Gegenteil: Was Geld angeht sind wir jetzt reichlich abgebrannt.
So teuer wie Andere sich eine solche Weltreise vorstellen, ist sie nicht. Da wird oft hochgerechnet, was ein Urlaub gekostet hätte. Man verhält sich aber auch anders als im Urlaub. Man reist billig in Bussen mit Einheimischen usw. man nimmt einfachste Unterkünfte die ein Urlauber im Leben nicht akzeptieren würde und man isst so billig wie möglich. Selbst billige Restaurants sind da kaum mal drin. Souveniers? – Fehlanzeige! Kosten Geld und der Rucksack darf eh kein Gramm mehr haben. Man lernt im Laufe von Monaten immer mehr am Pfennig zu fuchsen und verliert sicherlich an Bequemlichkeit aber man gewinnt durch sparen von Geld Reisezeit. Denn wenn das Geld alle ist, geht’s zurück nach Hause, und das möchte man natürlich lieber verzögern. Wer weiß schon, ob man je wieder los kommt. Für einige landestypische Sachen muss das Geld zwar da sein, wäre ja schade, wenn man das gar nicht kennen lernen würde, das tägliche Essen stammt aber eher aus dem Supermarkt und ist nicht viel anders, als wenn man sich in Deutschland ohne Küche aus dem Supermarkt ernähren würde. Fertighühnchen und Dosentunfisch oder Avocado auf Brot mit Tomate sind typische Speisen des Budget-Weltreisenden. Wenn man für Frühstück selber sorgen muss, sind es oft Cornflakes mit Milch dazu ein löslicher Kaffee. Das ist wenig exotisch, aber billig.

Nach Abendessen und Supermarkteinkauf geht es zurück ins Hostel. Mails, Waschen, Schlafen … Morgens Wecker, Morgentoilette, Frühstück im Hostel (inklusive) danach auf die Tour Nasca-Linien anschauen.
Museen zu den Linien und zu der Frau Maria Reiche runden das Programm ab. Leider sind die Inca-Ruinen und die Aquädukte nicht mit drin und wir denken schon, dass wir die nicht werden sehen können, denn am nächsten Morgen wollen wir ja schon mit dem Bus wieder abfahren. Wir müssen ja bald Lima erreichen, denn unser Flug nach Rio geht in drei Tagen. So machen wir uns nach der Tour auf zum Busbahnhof und wollen eine Fahrt für den kommenden Morgen buchen, was normalerweise kein Problem ist. Da sind wir im Laufe unseres Südamerikaaufenthaltes immer ruhiger geworden. Fast immer bekommt man bald eine Fahrt auch noch für den gleichen Tag, wenn man zu den Busunternehmen geht. Wir sind da im Vergleich zu anderen Reisenden eher vorsichtig, wenn wir am Tag vorher bereits ein Ticket kaufen. Heute aber ist es wie verhext und wir bekommen für den nächsten Tag erst ein Ticket für einen Nachtbus bei einem Unternehmen. Dafür sind wir von Unternehmen zu Unternehmen gegangen, haben uns evtl. in einer Schlange angestellt usw. da geht auch leicht viel Zeit ins Land. Jedenfalls haben wir am Ende ein Ticket für den Nachtbus und planen für den nächsten Morgen noch eine Tour zu den Incaruinen und den Nascaaquädukten.
In diesem Punkt ist Nasca kein gutes Beispiel für einen Beispieltag, denn da haben wir Touren gebucht – das kostet Geld – in vielen Orten kann man alle Sehenswürdigkeiten auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen, wenn man erst einmal herausgefunden hat wie. An vielen Orten ist die „Besichtigung“ auch einfach „durch den Ort gehen“, „Atmosphäre schnuppern“, auf einer Bank im Schatten sitzen und dem Treiben der Geschäftsleute zuzusehen. Unsere Füße sind sicher inzwischen total platt gelaufen – so manch ein Ort war einfach: Morgens losgehen, den ganzen Tag über durch den Ort laufen und Kirchen oder anderes von Außen ansehen, Bettler und Andenkenverkäufer abwimmeln, Menschen bei einfachen Dingen zuschauen (z.B. Kindern beim Barfuß Fußballspielen in einer Kopfsteinpflastergasse) und Abends erschöpft wieder im Hostel ankommen – das ist nicht sehr spannend zu berichten. Aber typischer Alltag eines Weltreisenden.

Am nächsten Tag packen wir nach dem Aufwachen unsere Rucksäcke, duschen danach, gehen frühstücken, checken aus dem Zimmer aus und bitten um Aufbewahrung unserer Rucksäcke und warten auf die Tour. Die ist dann auch sehr spannend. Zurück im Hostel am späten Nachmittag müssen wir noch die Zeit bis zur Nacht herum bekommen. Der Bus geht um Mitternacht. Laptop und andere Dinge sind gut in der Mitte in den verschlossenen Rucksäcken unter gebracht. An z.B. bloggen ist nicht zu denken. Es ist wie immer, entweder hat man Zeit oder Internet oder den Laptop aber so gut wie nie alle drei Dinge auf einmal.

Unsere Rucksäcke sind im gepackten Zustand sichherheitsoptimiert – die öffnet man nur sehr ungerne, wenn es nicht unbedingt sein muss. Dinge wie der Laptop sind von weichen Sachen umgeben in der Mitte des Rucksacks untergebracht. Dieser wird so eng verschlossen. Um den Rucksack herum kommt unser verschließbares Rucksacknetz aus Stahl. Dadurch kann keiner so einfach mit einem Klingenmesser an den Inhalt heran kommen. (Wer wirklich will, den hält man auch mit noch mehr Maßnahmen nicht ab, aber der Gelegenheitsdiebstahl ist erschwert und so haben wir unser Ziel erreicht.) Um den eingenetzten Rucksack herum kommen dann noch ein bis zwei Regenüberzüge, denn der Gepäckraum ist selten sauber – in Asien haben wir die Rucksäcke dann auch noch zusätzlich in einen weiteren schmutzabweisenden Beutel geschlossen, denn z.B. auf den Philippinen hatten wir den Eindruck, unser Gepäck diente vielen frisch gepuderten Kartoffelsäcken als Unterlage.

Außer durch Abendessen musste die Zeit mit Warten irgendwie herum gebracht werden. Um 23:00Uhr ging es zum Busbahnhof, wo man auf das Gepäck achtend auf den richtigen Augenblick achten muss den Bus zu besteigen. Wertsachen sollten für andere unzugänglich untergebracht werden, denn gerade Nachtbusse sind typisches Gelände für Diebe. Im Nachtbus zu schlafen, ist etwas, was Harriet immer wieder erstaunlicherweise gut hin bekommt, ich schlafe wenn, dann wenig und schlecht. Entsprechend kaputt kommen wir dann in Lima an. Harriet besetzt einen strategisch guten Platz möglichst an einer überdachten Wand in der Nähe des Busses und ich hole Stück für Stück unser Gepäck während wir von Leuten umworben werden, die Taxifahrten, Unterkünfte usw. anbieten …
In diesem Fall benötigen wir ein Taxi und ein Einheimischer, mit dem wir uns im Bus gut verstanden haben, hilft uns ein vertrauenswürdiges Taxi zu finden. Dadurch kostet es zwar immer noch mehr als ein Einhimischer für ein Taxi von der Straße zahlen würde, aber wir sind in einem auch für Ausländer sicher sicheren Taxi.

Es ist 6:30 Uhr am Morgen als wir totmüde in unserem Hostel im Stadtteil Miraflores ankommen. Ein Frühstück wäre auch in diesem Hostel am Morgen nach der Übernachtung inklusive. Wir fragen, ob wir das statt am Folgetag auch am Ankunfttag bekommen könnten und bekommen ein „ja“. Toll. Morgen werden wir zum Flughafen aufbrechen bevor es Frühstück geben wird. Nach dem Frühstück brechen wir auf und nehmen den Bus in die Innenstadt. Vom Plaza San Martin schlendern wir zum Plaza de Armas de Lima, um dort eine Stunde lang den Wachwechsel am Palast des Gouverneurs zu verfolgen. Nach dem Wachwechsel schlendern wir Richtung Plaza Bolivar und dann weiter nordwärts bis wir bezahlbares Mittagessen finden. Davon gestärkt gehen wir Richtung Basilika, wo wir die Catacomben besichtigen wollen. Zufällig erfahren wir, dass es doch eine Führung auch auf Englisch geben würde. Wir mussten halt warten. Danach wanderten wir zurück zum Pl. Bolivar bis zum Pl. Italia von dort aus durch Seitenstraßen bis nach Chinatown (wo wir ein bezahlbares Abendessen bekommen) und wieder zurück bis wir feststellen, dass es nach 18:00 Uhr ist und wir uns auf den Fußweg bis zur Av. Tacna machen sollten, um einen Bus in Richtung Miraflores zu nehmen.

Unsere Rucksäcke müssen umgepackt werden. Es muss umgepackt werden auf „Flug“. Da packen wir tatsächlich vieles anders, als wenn wir irgendwo bleiben oder mit dem Bus fahren. Danach gehen wir schlafen. Morgens um 4:30 steht der Wecker, das verabredete Taxi bringt uns im Laufe von rund einer dreiviertel Stunde Fahrzeit zum internationalen Flughafen.

So sahen einige typische Tage unserer Weltreise aus. Freie Tage hatten wir so gut wie nie, denn wir wollten unser bisschen Geld ja auch so gut wie möglich nutzen. Zeit z.B. zum Bloggen blieb da selten.
Wenn es freie Zeit gab, war es keine Freizeit und entsprechend nicht erholsam, sondern oft nervtötendes Warten oder Fahren. Monatelang waren die Tage so dicht gepackt wie nur möglich um aus unserem Geld so viel wie möglich heraus zu holen. Wer so etwas mal nur kurze Zeit macht, wird bald merken dass er urlaubsreif ist. Mit Urlaub hat es nur gemeinsam, dass man in einem fremden Land ist. Geld kostet es, wenn man es geschickt anstellt, erstaunlich wenig. Reich sind wir nur an Erfahrungen und Erlebnissen.

Und ja, es ist keine Arbeit, wie ich sie als 18jähriger Schüler z.B. im Hafen gemacht habe. Man muss nicht jeden Tag 8 Stunden im Akkord schwere Säcke schleppen oder so. Und man arbeitet nicht „was nötig ist“ oder „was Chef sagt“ sondern hat sich selbst zu seinem 16-Stunden-Tag und 7-Tage-Woche entschlossen. Und man füllt sich selbst mit Eindrücken von „Neuem“ oder „Anderem“.
Es ist anstrengend aber nicht schlecht. Man hat es selbst gewählt und man hat seine Freude daran. Weltreise bildet und macht Freude und man lernt andere Reisende kennen. Und Reisende sind ein besonderes Volk und oft besonders redselig und sympatisch.

Eine Weltreise kostet weniger als viele denken. Eine Weltreise kostet aber schon den Mut sie zu wagen.
Eine Weltreise ist anstrengend und nicht erholsam. Es hat mit Urlaub nichts zu tun. Aber man füllt sich mit Gefühlen, Gerüchen usw. – „Eindrücken“.
Nicht jeder ist der Typ dafür, aber wer auch immer davon träumt eine Weltreise zu machen, dem sage ich: Traue Dich lieber heute als morgen. Zöger nicht. Fang an zu planen. Es ist ein besonderes Erlebnis wie man es mit nichts Anderem vergleichen kann.