Missgeschick in Valparaiso

Missgeschick in Valparaiso

Achtung: Dies habe ich vor 5 Wochen geschrieben. Unten kommt dann noch ein aktueller Beitrag dazu. Die engsten Vertrauten kennen im Prinzip die Geschichte, aber ich finde, auch so etwas gehört in einen Reiseblog von Weltreisenden :

Diese Fahrt von Valparaiso nach San Pedro de Atacama bekommt einen eigenen Beitrag, weil diese Fahrt doch anders war als erwartet. Alles in allem eine 33h Fahrt mit 1x Umsteigen und 5h Aufenthalt in Antofagasta. Voll bepackt ging es von unserem Hostel auf dem Berg los zum Trolleybus, der direkt und günstig zum Busbahnhof fährt. Auf dem Weg nach unten habe ich eine einzelne Treppenstufe auf dem Weg übersehen und knickte mit meinem Fuß auf dieser Stufe um und fiel samt dem Gepäck hin. Ich merkte sofort, dass mir mein rechter Knöckel höllisch weh tat und ich ihn nicht bewegen mochte. Zuerst schnallte ich mein Gepäck von mir und schaute erst mal, was los war. Wolfgang entledigte sich auch gleich seines Gepäcks, um nach mir zu sehen. Der Knöckel begann dick zu werden und hörte nicht auf zu schmerzen. Das linke Knie war böse aufgeschürft und brannte. Mein linker Zehnagel vom großen Zeh war nach oben geknickt. Und ich lag da auf dem Bürgersteig und mochte nicht aufstehen. Mist! Den Zehnagel habe ich schnell wieder zurück geklappt, der blutete auch nur ein bisschen. Um den Rest konnte ich mich nicht kümmern. Wolfgang schaute, ob etwas gebrochen ist, es wirkte allerdings nicht so. Ein Einheimischer sah meine Misere und lief schnell zu einer Polizistin, die an der Straßenkreuzung stand. Sie kam dann auch schnell zur Hilfe und fragte, ob wie einen Krankenwagen bräuchten. So schlimm war es denn zum Glück doch nicht und Wolfgang bat sie nur, uns ein Taxi anzuhalten. Eine Fahrt mit dem Trolleybus war nicht mehr möglich.
Wolfgang verstaute dann das ganze Gepäck im Taxi, half mir auf und so fuhren wir mit dem Taxi noch einmal an unserer Unterkunft vorbei. Welch Ironie.
Schnell waren wir am Busbahnhof, wo mich Wolfgang zu einer Bank brachte, mein Knie vorsichtig sauber spülte. Nachdem ich gut saß und er sich rührend um mich sorgte, machte er sich auf die Suche nach einer Apotheke. Mit einer Stützbinde und einem Doppelpack fertiger Fußbandagen kam er zurück. Zum Glück haben wir immer Schmerzmittel in der Tasche, was mir etwas über die erste schmerzhafte Zeit half. Wolfgang wickelte dann die Stützbinde um meinen Fuß. So war es mir möglich, kleine Strecken auch nötigenfalls alleine zu gehen. Meine Sandalen sind an allen Punkten größenverstellbar, sodass ich auch mit dicker Binde in die Schuhe passte. Glück.

Dann ging es endlich los auf eine lange Busfahrt. Zwar konnte ich etwas schlafen, aber ich weckte immer wieder auf, weil mein Knie und mein Knöchel schmerzten. Ich durfte mein Bein auf Wolfgangs Schoß legen, damit es hoch gelagert war. Aber dann kam das nächste…
Kurz nach einem Stopp in einem Ort, wo ich leider wieder wach wurde, bremste der Bus sehr stark ab und blieb dann stehen. Ein Busbegleiter kam nach oben und schaute, ob es jedem gut geht. Da der Bus nicht weiter fuhr und andere Gäste ausstiegen (wohl für eine Raucherpause), stieg Wolfgang auch neugierig aus. Und dann sah er, dass der Bus einem anderen Fahrzeug aufgefahren ist. Von dem „Bumm“ haben wir gar nichts mitbekommen. So schlimm sah es auch nicht aus, Philippinische oder Indonesische Busse fahren deutlich verbeulter herum. Problem war jetzt nur, dass der Busfahrer entschied, dass es so nicht weiter auf Fahrt geht und wir zurück mussten. Alle Fahrgäste wurden nach ihrem Fahrziel in unterschiedliche Busse aufgeteilt. Wolfgang hatte seitdem die Mehrfachverantwortung, das gesamte Gepäck zu tragen und mich noch stützend von A nach B zu bringen. Ich war nicht in der Lage, ein kleines Stück Gepäck zu tragen. Die Situation gefiel mir natürlich nicht. Im neuen Bus hatten wir unseren bisherigen Sitzplätze natürlich nicht mehr. Zum Glück war ein anderer Fahrgast so freundlich, seinen Platz so zu tauschen, dass wir 2 Sitzplätze nebeneinander hatten. Puh, was für eine Nacht.

Mit 1,5h Verspätung kamen wir in Antofagasta an. Das war ganz gut, denn so konnten wir noch etwas Schlaf nachholen und die Wartezeit auf dem Busbahnhof verkürzte sich. Trotzdem war noch viel Zeit, sodass Wolfgang sich etwas umsehen konnte. Das viele Gepäck stapelte er vor meiner Sitzbank auf einen Haufen, wo ich meinen Fuß drauf legen konnte. Damit niemand etwas weg nehmen kann, verband er alle Gepäckstücke mit Karabinerhaken. Und dies sollte sich auch bewähren.
Einen Rucksack hatte ich im Laufe der Zeit vor mir stehen, weil ich etwas daraus brauchte. Während Wolfgang unterwegs war, versuchte ich mich mit Spanisch lernen etwa zu beschäftigen. Auf einmal sah ich, wie ein Mann, der in der Bank hinter mir saß, mit seinem Fuß nach meinem einzeln stehenden Rucksack angelte. Ich nahm also meinen Rucksack und in dem Moment, als ich ihn am restlichen Gepäck wieder befestigen wollte (ich mich also zurück drehte), sah ich einen anderen, der sich schon am obersten Rucksack zu schaffen macht. Er wollte ihn einfach nur klauen, aber der war ja fest. Als ich ihn entdeckte, tat er schnell so, als wäre der kleine Rucksack runter gerutscht und wollte behilflich sein, ihn wieder drauf zu rücken. Schnell ging er davon. Der erste hinter mir war dann auch schnell weg. Frechheit! Man, war ich sauer. Wenn der Rucksack nur drauf gelegen hätte, wäre zwar „nur“ unser Essen weg gewesen, aber ärgerlich wäre es. Man sah mir ja auch sichtlich an, dass ich nicht hätte hinterher rennen können. So aber waren alle anderen Rucksäcke miteinander verbunden und zu schwer für Kleindiebe, um mal eben schnell einen zu klauen. Wolfgang kam zum Glück bald zurück, dass ich ihm die Story erzählen konnte. Nach meiner Beschreibung erkannte er den einen und verjagte sie mit seinem Blick.

Unser Bus kam 30 Minuten später an für die letzte Etappe ab in die Wüste. Die Atakama Wüste zählt zu den trockensten Orten der Welt. Nun…an diesem Abend empfing uns die Wüste mit einem satten prasselnden Regen. Wolfgang brachte zuerst mich stützend zuerst zu einem Sitzplatz, danach holte er die großen Rucksäcke. Es war echt kalt (Gänsehaut an einer Schürfwunde ist kein nettes Gefühl). Er organisierte ein Telefon und Amalia (die Vermieterin) war anschließend auf dem Weg, uns vom Busbahnhof abzuholen.

Danach verbrachten wir viele Tage in San Pedro, wo ich meinen Fuß ruhig stellen konnte. Wir machten sogar eine Tour zu diversen Lagunen. Im Backpacker halfen mir viele andere Reisende mit Salben und sogar Tapes von ihren erfolgreich überstandenen Bänderzerrungen. In den 100 km entfernten Ort, wo es das einzigste Röntgengerät gegeben hätte, fuhren wir nicht, denn das hätte eine Reise von 3 Tagen bedeutet. Mein Körper sagte mir eher, dass er nur Ruhe haben will und der Rest schon in Ordnung geht.

Heute, nach 5 Wochen, trage ich immer noch die Stützbinde, wenn wir unterwegs sind. Ich kann aber schon ohne Gepäck lange Strecken mit zügigem Tempo zurück legen. Mittlerweile stören mich 10 kg Gepäck auch nicht mehr. Eingeschränkt bin ich aber noch bei zu vielen Treppen, Geröll, Sand oder anderes stark unebenes Gelände und mit meinem großen Rucksack. Den muss Wolfgang immer noch tragen. Wenn andere Reisende ihn so sehen (sein auf dem Rücken, meinen vorne dran geschnallt), erntet er immer Blicke mit einer Mischung aus Mitleid und Bewunderung. Ich bekomme immer zuerst böse, dann mitleidige Blicke, wenn sie meine Binde am Fuß sehen. Manchmal muss ich zur Demonstration humpeln, damit Wolfgang eher durchgelassen wird.

Unerwartet möglich ist das Reisen mit solch einem Malheur, was ich vorher nicht gedacht hätte. Okay, wir müssen öfter mal ein Taxi nehmen und die erste Woche saßen wir in San Pedro fest. Aber ansonsten…gerade zu zweit lösbar. Deutlich betonen möchte ich aber, dass Wolfgang in den ersten 3 Wochen echt Höchstleitungen gebracht hat. Neben dem Mehrgepäck musste er auch meine schlechte Laune aushalten. Und ich war ECHT nicht gut drauf. Ich bin zu ungeduldig (auch jetzt noch) und erwarte, dass es möglichst letzte Woche wieder komplett in Ordnung sein soll. Aber so eine Bänderzerrung braucht Zeit.

Starker Mann… 🙂

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