Archiv für den Monat: März 2015

Uyuni Salzwüste

Uyuni Salzwüste – oder der größte Spiegel der Welt

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Die Salzwüste in Uyuni (Bolivien) wurde zum spontane Reiseziel von uns. Und wir sind so froh, unsere Route hierfür umgeworfen zu haben. Denn die ist einfach spektakulär. Dank der Empfehlungen anderer Reisende buchten wir eine 3-Tages-Tour von San Pedro de Atacama aus mit dem Endziel Uyuni. Direkt hinter der Grenze wurden wir zu 6 Personen in Jeeps aufgeteilt.
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Wir mussten allerdings 4h an der Grenze stehen, weil der Schneepflug nicht durchkam. An einer Grenze zu stehen, ist uns ja nicht fremd. Immerhin gab es ein lecker Frühstücksbuffet. Bei Sonne und 30°C in San Pedro de Atacama ist die Info des überforderten Schneepflugs nicht leicht vorstellbar, aber hier ist der Beweis. Schnee. Wohl unser erster Schnee seit Neuseeland im Januar 2014 als Gletscherform.

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Hier die Jeeps. Insgesamt 6 an der Zahl. Unser Jeep war ein „Euro-Jeep“. Warum?

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Hier auf dem Bild von links nach rechts: ich 😉 , Wolfgang, die Niederländer John und Sanne, unser Fahrer Romolus (er war bei der Erbauung von Rom nicht dabei) und die Schweizer Karin und Bastian. Also lauter Gäste aus Europa, nach so langem Reisen für uns eher Nachbarn. So unterhielten wir uns die ganze Zeit in einem Deutsch-Englisch-Mix. Es hat uns sehr viel Spaß gemacht, mit den anderen gemeinsam durch die Wüste zu fahren. Zwar konnte Romolus nur Spanisch, aber auf so einer Fahrt durch die Landschaft braucht man nicht viel Erklärung, die Landschaft erklärt sich von alleine. Nonverbal sorgte er wunderbar für uns und was das wichtigste ist: Er war ein sehr sicherer Fahrer in dem wirklich teils sehr schwierigem Gelände. Und für alles andere waren wir Bastian sehr dankbar, der mit seinen guten Spanischkenntnissen immer wieder übersetzen konnte.

1. Tag: viele Lagunen, Geysire, Stein- bzw. Sandwüsten. Immer wieder unterwegs konnte man faszinierende Farbspiele in den Felsen sehen.
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brrr. kalt.

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Wolfgang ist da etwas unempfindlicher… 🙂

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gefühlte unendliche Weite

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Es ging auf knapp 5000 m hoch. Bei den Erdnüssen hier im Bild sieht man, wie aufgeblasen die Tüte war. Sie ist aber nicht geplatzt.

Geschlafen haben wir in einem SEHR einfachen Hostel auf ca. 4400 m alle zusammen in einem Raum. Gut, dass wir uns von Anfang an gut verstanden haben.

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Am Abend bekam Wolfgang die Höhenkrankheit mit allem, was dazu gehört. Übelkeit, Schlaflosigkeit, Kribbeln in Armen und Beinen, Atemnot mit ondulierender Atmung, Kopfschmerzen… Gar nicht schön. Zum Glück hatten wir uns in San Pedro mit Medikamenten eingedeckt, die wir nehmen konnten. Das half, nicht auf den Notfall-Sauerstoff zurück greifen zu müssen.

Ich hatte es nicht ganz so stark. Bei mir kribbelten nur die Hände, ich hatte Kopfschmerzen und übel war mir. Gegen die Übelkeit halfen mir meine bewährten Akupressurbänder, Ibuprofen für die Kopfschmerzen und gegen das Kribbeln kauten alle im Auto fleißig Coca-Blätter. Ich spürte eine deutliche Verbesserung Dank Coca, Wolfgang merkte wenig davon, so brauchte er zusätzlich Medikamente.

Uns allen ging es nicht so gut und vor allem für Wolfgang waren wir froh, als es am nächsten Morgen wieder „runter“ ging.

2. Tag: wieder Lagunen, Alpacas, Pecuñas, Steinbaum, viel Landschaft. Unterwegs versorgte uns Romolus mit allerlei leckerem Essen (3 Mahlzeiten täglich waren inbegriffen). Da wir alle nicht so viel Hunger hatten, hat das Essen locker gereicht, trotz sonst eher europäischen Appetit.

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Alpacas

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Pecuñas

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Blick auf den aktivsten Vulkan der Region mit Halo-Erscheinungen im Himmel.

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Flamingos

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Unser Platz zum Mittagessen…

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Mittagsvorbereitungen an einer Lagune. Tolles Essen in toller Umgebung.

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der berühmte „Arbol de Piedra“ = Steinbaum

Am Abend übernachteten wir in einem Salzhotel, von denen es gar nicht wenige in der Region gibt. Hier war aber das Sonderbare, dass es nur heißes Wasser bis 20:30 Uhr gab und der Strom 22 Uhr abgeschaltet wurde. Da es am nächsten Morgen um 4 Uhr aufstehen hieß, störte es nicht allzu sehr. Wenn man „Salzhotel“ hört, denkt man, dass es „das Eine aus diversen Fernsehbeiträgen“ ist, aber Salzhotels gibt es auf der Bolivianischen Seite einige und für jedes Budget.

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unser Zimmer – die „Steine“ sind Salzblöcke

3. Tag: das Highlight kam zum Schluss der Tour. Wir erlebten den Sonnenaufgang über der Salzwüste. Hier hat man nur ein Wort…Unendlichkeit

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Dort frühstückten wir auch und Romolus fuhr uns einmal quer durch den Salzsee (macht nicht jeder Reiseanbieter). An einigen Stellen hielten wir an, um Fotos zu machen.

Hier ein paar der gefühlt tausend Bilder, die wir gemacht haben. Ein echter Spaß. Wir hoffen, auch für euch, liebe Leser, zum ansehen.

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Wo ist der Horizont?

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übers Wasser gehen?…können wir auch

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unser (Spielzeug)-Auto…

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Karen und Bastian

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wir (John und ich) werden zerquetscht…Hilfe

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ein Foto kleiner Wesen *hihi*

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Karen hat Bastian zum Fressen gern 😉

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Wer schleicht sich denn da von hinten an mich ran???

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„ohmmm“

Kurz vor Uyuni machten wir noch Toilettenhalt bei einem „besseren“ Salzhotel. So sieht die Empfangshalle aus, eben alles aus Salz.

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In Uyuni sahen wir noch den Eisenbahnfriedhof an (nun ja… Geschmacksache), bevor unsere Reise ein Ende hatte.

Die Reise hätte man auch als 4-Tagestour buchen können, wo wir von anderen Reisenden aber gehört haben, dass der 4. Tag wirklich nur die Rückfahrt ist und dass das dementsprechend anstrengend ist. Aber so würde man nach Chile wieder zurück gebracht werden, wenn man nicht in Bolivien bleiben möchte. Auch fanden wir die Route von San Pedro nach Uyuni besser als anders herum (wurde auch angeboten). Denn so steigerte es sich jeden Tag immer ein Bisschen, statt mit dem Highlight zu beginnen. Wir würden also jedem, der diese beeindruckende Wüste sehen möchte, die Route von Chile nach Bolivien empfehlen.

Der Ort Uyuni selbst hat nicht wirklich viel zu bieten, deshalb nahmen wir noch am gleichen Tag einen Nachtbus nach La Paz.

Nur kurz zu La Paz. Hier hatten wir erneut mit der Höhe zu tun, also verließen wir die Stadt bereits ein paar Stunden nach Ankunft mit dem Ziel Cusco. Den Titicacasee holten wir nach, als wir uns in Cusco noch weiter an die Höhe gewöhnten und uns sicher genug fühlten, keine Höhenkrankheit mehr zu bekommen.

Tauchrevier

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Wir haben so viel erlebt und es gäbe so viel zu bloggen …

Hier auf dem Bild oben seht ihr unser neues Tauchrevier. Wir sind gerade mit der Fähre auf der Insel Cozumel angekommen und warten darauf, dass unser Zimmer frei wird.

In Yukatan haben wir Kontakt mit der Mayakultur bekommen. Wir haben Beispiele von Cenotes betaucht und ich hatte einen tollen Tauchgang mit Haien. Wow, das war schön. Und ein Schritt mehr um Hollywood zu verachten, die diesen majestätischen Tieren so einen falschen schlechten Ruf bescherten.

In Rio sahen wir Copacabana, Zuckerhut, Christus, Lapa und konnten an einer Überraschungsfeier zu einem Geburtstag teilnehmen. (*wink* Felipe). Außer Brasilianern haben wir in Rio auch in Ecuador lebende Argentinier, nette Dänen am Anfang ihrer Langzeitreise und oft gereiste und jetzt mit Kindern reisende Deutsche kennen gelernt ( Danke für den netten Kommentar 🙂 ).

Aus Chile/Bolivien und Peru fehlt auch so viel an Berichten… (Wir arbeiten daran …)

So, jetzt sind wir aber erst mal hier angekommen und brauchen dringend ein wenig Urlaub, bevor es bald zurück nach Europa geht. Zunächst wird es dann kurz in die Schweiz gehen und dann, ja Dorte, zunächst einmal in die Gegend wo mein Bruder und mehrere Freunde von uns leben *Augenzwinker* – wobei mich der Weg der Gerüchteküche durchaus interessieren würde. Wo wir langfristig sein werden, hängt dann aber natürlich davon ab, wo wir Arbeit, Wohnung usw. finden…

OK, Harriet arbeitet parallel am Laptop daran, einen vorbereiteten Artikel über unsere Uyunitour fertig zu stellen. (besonderer *wink* zu Karin und Bastian mit denen wir seit Uyuni in nettem Mailkontakt sind). Mal schauen, wer schneller ist *Augenzwinker *

Bereits in Rio de Janeiro

Die Zeit rennt… in Rio de Janeiro

Liebe Leser,
im Blog hängen wir ca. 5 Wochen zurück. Aktuell sind wir in Rio de Janeiro.

Unser Routenverlauf seit San Pedro de Atacama (Chile) war:

Salzwüste in Bolivien – Uyuni (Bolivien) – La Paz (Bolivien) – Cusco (Peru) – Machu Picchu (Peru) – Puno am Titicacasee (Peru) – Arequipa (Peru) – Paracas (Peru) – Nasca (Peru) – Lima (Peru) – Rio de Janeiro

Auf der Tour sind noch mal tausende Fotos dazu gekommen, die sortiert werden müssen. Und ja, auch in der Wüste haben wir viele Bilder gemacht!

In Rio sind wir in einer brasilianischen WG untergekommen, wo die Bewohner total nett sind. Felipe ist sehr lieb und gibt uns viele Tipps und ab und zu ein paar typisch brasilianische Speisen zu kosten. Hier fühlen wir uns sehr willkommen und wohl.

Die nächste Station ist Yucatan (Mexico). Nach dem wir in Peru von Inkas und Nascas Vermächtnisse ansehen konnten, wollen wir in Yukatan einen kleinen Einblick in die  Maya-Vermächtnisse werfen. Außerdem will vor Allem Wolfgang natürlich dort auch gerne Tauchen. Denn dort soll nicht nur eines der schönsten Tauchreviere der Welt sein, er war auch einfach schon viel zu lange nicht mehr unter Wasser.

Unsere Weltreise nähert sich damit leider auch langsam ihrem Ende.
Da wir auf unserer Reise immer wieder sehr nette Schweizer kennen gelernt haben, überlegen wir, ob wir uns als letzte Station unserer Weltreise die Schweiz vornehmen sollten. Holladiho.

Liebe Leser, bitte versteht, dass wir im Augenblick wieder sehr mit Reiseerfahrung (Besuch von Copacabana und Ipanema, Zentrum, Rio bei Nacht in Lapa, Blick vom Zuckerhut, Austesten von Speisen…), Planung usw. beschäftigt sind und uns auf das unabwendbare Ende unserer Weltreise vorbereiten müssen. Wir bemühen uns, Artikel noch zu schreiben, aber wann bleibt offen. Reisen ist alles andere als einfach oder erholsam – aber dennoch möchten wir keinen Tag missen. Und die Vorstellung zurück in einen „Alltag“ zu gehen, ist nach dieser Reise nicht einfach. Die vielen vielen Eindrücke die wir sammelten können wir zum Glück miteinander teilen. Hier im Blog haben wir immer wieder versucht sie mitzuteilen. Letztlich aber kann man diese Mischung aus Geruch, Geschmack, Gefühlen die in einem immer wieder anders sind, niemandem wirklich so begreiflich machen, wie jemandem, der dies genau so ebenfalls erlebt hat. Wir wünschten das ginge und werden uns große Mühe geben das mit jedem der dies gerne möchte zu versuchen, aber letztlich wollen wir ja auch z.B. niemanden bei tropischer Hitze und Grillgerüchen mit Wasser überschütten um einen Tropenregen in z.B. Koh Tao zu imitieren … 😉  Im Blog geht das schon gar nicht.

Missgeschick in Valparaiso

Missgeschick in Valparaiso

Achtung: Dies habe ich vor 5 Wochen geschrieben. Unten kommt dann noch ein aktueller Beitrag dazu. Die engsten Vertrauten kennen im Prinzip die Geschichte, aber ich finde, auch so etwas gehört in einen Reiseblog von Weltreisenden :

Diese Fahrt von Valparaiso nach San Pedro de Atacama bekommt einen eigenen Beitrag, weil diese Fahrt doch anders war als erwartet. Alles in allem eine 33h Fahrt mit 1x Umsteigen und 5h Aufenthalt in Antofagasta. Voll bepackt ging es von unserem Hostel auf dem Berg los zum Trolleybus, der direkt und günstig zum Busbahnhof fährt. Auf dem Weg nach unten habe ich eine einzelne Treppenstufe auf dem Weg übersehen und knickte mit meinem Fuß auf dieser Stufe um und fiel samt dem Gepäck hin. Ich merkte sofort, dass mir mein rechter Knöckel höllisch weh tat und ich ihn nicht bewegen mochte. Zuerst schnallte ich mein Gepäck von mir und schaute erst mal, was los war. Wolfgang entledigte sich auch gleich seines Gepäcks, um nach mir zu sehen. Der Knöckel begann dick zu werden und hörte nicht auf zu schmerzen. Das linke Knie war böse aufgeschürft und brannte. Mein linker Zehnagel vom großen Zeh war nach oben geknickt. Und ich lag da auf dem Bürgersteig und mochte nicht aufstehen. Mist! Den Zehnagel habe ich schnell wieder zurück geklappt, der blutete auch nur ein bisschen. Um den Rest konnte ich mich nicht kümmern. Wolfgang schaute, ob etwas gebrochen ist, es wirkte allerdings nicht so. Ein Einheimischer sah meine Misere und lief schnell zu einer Polizistin, die an der Straßenkreuzung stand. Sie kam dann auch schnell zur Hilfe und fragte, ob wie einen Krankenwagen bräuchten. So schlimm war es denn zum Glück doch nicht und Wolfgang bat sie nur, uns ein Taxi anzuhalten. Eine Fahrt mit dem Trolleybus war nicht mehr möglich.
Wolfgang verstaute dann das ganze Gepäck im Taxi, half mir auf und so fuhren wir mit dem Taxi noch einmal an unserer Unterkunft vorbei. Welch Ironie.
Schnell waren wir am Busbahnhof, wo mich Wolfgang zu einer Bank brachte, mein Knie vorsichtig sauber spülte. Nachdem ich gut saß und er sich rührend um mich sorgte, machte er sich auf die Suche nach einer Apotheke. Mit einer Stützbinde und einem Doppelpack fertiger Fußbandagen kam er zurück. Zum Glück haben wir immer Schmerzmittel in der Tasche, was mir etwas über die erste schmerzhafte Zeit half. Wolfgang wickelte dann die Stützbinde um meinen Fuß. So war es mir möglich, kleine Strecken auch nötigenfalls alleine zu gehen. Meine Sandalen sind an allen Punkten größenverstellbar, sodass ich auch mit dicker Binde in die Schuhe passte. Glück.

Dann ging es endlich los auf eine lange Busfahrt. Zwar konnte ich etwas schlafen, aber ich weckte immer wieder auf, weil mein Knie und mein Knöchel schmerzten. Ich durfte mein Bein auf Wolfgangs Schoß legen, damit es hoch gelagert war. Aber dann kam das nächste…
Kurz nach einem Stopp in einem Ort, wo ich leider wieder wach wurde, bremste der Bus sehr stark ab und blieb dann stehen. Ein Busbegleiter kam nach oben und schaute, ob es jedem gut geht. Da der Bus nicht weiter fuhr und andere Gäste ausstiegen (wohl für eine Raucherpause), stieg Wolfgang auch neugierig aus. Und dann sah er, dass der Bus einem anderen Fahrzeug aufgefahren ist. Von dem „Bumm“ haben wir gar nichts mitbekommen. So schlimm sah es auch nicht aus, Philippinische oder Indonesische Busse fahren deutlich verbeulter herum. Problem war jetzt nur, dass der Busfahrer entschied, dass es so nicht weiter auf Fahrt geht und wir zurück mussten. Alle Fahrgäste wurden nach ihrem Fahrziel in unterschiedliche Busse aufgeteilt. Wolfgang hatte seitdem die Mehrfachverantwortung, das gesamte Gepäck zu tragen und mich noch stützend von A nach B zu bringen. Ich war nicht in der Lage, ein kleines Stück Gepäck zu tragen. Die Situation gefiel mir natürlich nicht. Im neuen Bus hatten wir unseren bisherigen Sitzplätze natürlich nicht mehr. Zum Glück war ein anderer Fahrgast so freundlich, seinen Platz so zu tauschen, dass wir 2 Sitzplätze nebeneinander hatten. Puh, was für eine Nacht.

Mit 1,5h Verspätung kamen wir in Antofagasta an. Das war ganz gut, denn so konnten wir noch etwas Schlaf nachholen und die Wartezeit auf dem Busbahnhof verkürzte sich. Trotzdem war noch viel Zeit, sodass Wolfgang sich etwas umsehen konnte. Das viele Gepäck stapelte er vor meiner Sitzbank auf einen Haufen, wo ich meinen Fuß drauf legen konnte. Damit niemand etwas weg nehmen kann, verband er alle Gepäckstücke mit Karabinerhaken. Und dies sollte sich auch bewähren.
Einen Rucksack hatte ich im Laufe der Zeit vor mir stehen, weil ich etwas daraus brauchte. Während Wolfgang unterwegs war, versuchte ich mich mit Spanisch lernen etwa zu beschäftigen. Auf einmal sah ich, wie ein Mann, der in der Bank hinter mir saß, mit seinem Fuß nach meinem einzeln stehenden Rucksack angelte. Ich nahm also meinen Rucksack und in dem Moment, als ich ihn am restlichen Gepäck wieder befestigen wollte (ich mich also zurück drehte), sah ich einen anderen, der sich schon am obersten Rucksack zu schaffen macht. Er wollte ihn einfach nur klauen, aber der war ja fest. Als ich ihn entdeckte, tat er schnell so, als wäre der kleine Rucksack runter gerutscht und wollte behilflich sein, ihn wieder drauf zu rücken. Schnell ging er davon. Der erste hinter mir war dann auch schnell weg. Frechheit! Man, war ich sauer. Wenn der Rucksack nur drauf gelegen hätte, wäre zwar „nur“ unser Essen weg gewesen, aber ärgerlich wäre es. Man sah mir ja auch sichtlich an, dass ich nicht hätte hinterher rennen können. So aber waren alle anderen Rucksäcke miteinander verbunden und zu schwer für Kleindiebe, um mal eben schnell einen zu klauen. Wolfgang kam zum Glück bald zurück, dass ich ihm die Story erzählen konnte. Nach meiner Beschreibung erkannte er den einen und verjagte sie mit seinem Blick.

Unser Bus kam 30 Minuten später an für die letzte Etappe ab in die Wüste. Die Atakama Wüste zählt zu den trockensten Orten der Welt. Nun…an diesem Abend empfing uns die Wüste mit einem satten prasselnden Regen. Wolfgang brachte zuerst mich stützend zuerst zu einem Sitzplatz, danach holte er die großen Rucksäcke. Es war echt kalt (Gänsehaut an einer Schürfwunde ist kein nettes Gefühl). Er organisierte ein Telefon und Amalia (die Vermieterin) war anschließend auf dem Weg, uns vom Busbahnhof abzuholen.

Danach verbrachten wir viele Tage in San Pedro, wo ich meinen Fuß ruhig stellen konnte. Wir machten sogar eine Tour zu diversen Lagunen. Im Backpacker halfen mir viele andere Reisende mit Salben und sogar Tapes von ihren erfolgreich überstandenen Bänderzerrungen. In den 100 km entfernten Ort, wo es das einzigste Röntgengerät gegeben hätte, fuhren wir nicht, denn das hätte eine Reise von 3 Tagen bedeutet. Mein Körper sagte mir eher, dass er nur Ruhe haben will und der Rest schon in Ordnung geht.

Heute, nach 5 Wochen, trage ich immer noch die Stützbinde, wenn wir unterwegs sind. Ich kann aber schon ohne Gepäck lange Strecken mit zügigem Tempo zurück legen. Mittlerweile stören mich 10 kg Gepäck auch nicht mehr. Eingeschränkt bin ich aber noch bei zu vielen Treppen, Geröll, Sand oder anderes stark unebenes Gelände und mit meinem großen Rucksack. Den muss Wolfgang immer noch tragen. Wenn andere Reisende ihn so sehen (sein auf dem Rücken, meinen vorne dran geschnallt), erntet er immer Blicke mit einer Mischung aus Mitleid und Bewunderung. Ich bekomme immer zuerst böse, dann mitleidige Blicke, wenn sie meine Binde am Fuß sehen. Manchmal muss ich zur Demonstration humpeln, damit Wolfgang eher durchgelassen wird.

Unerwartet möglich ist das Reisen mit solch einem Malheur, was ich vorher nicht gedacht hätte. Okay, wir müssen öfter mal ein Taxi nehmen und die erste Woche saßen wir in San Pedro fest. Aber ansonsten…gerade zu zweit lösbar. Deutlich betonen möchte ich aber, dass Wolfgang in den ersten 3 Wochen echt Höchstleitungen gebracht hat. Neben dem Mehrgepäck musste er auch meine schlechte Laune aushalten. Und ich war ECHT nicht gut drauf. Ich bin zu ungeduldig (auch jetzt noch) und erwarte, dass es möglichst letzte Woche wieder komplett in Ordnung sein soll. Aber so eine Bänderzerrung braucht Zeit.

Starker Mann… 🙂

Valparaiso

Valparaiso

…oder die Stadt der freundlichen wilden Hunde und der schönen Straßenkunst.

Mit der Metro ging es nach 4 Tagen Santiago de Chile zum Busbahnhof um nach Valparaiso zu fahren. Dieses Mal versorgten wir uns wieder mit mehr Lebensmitteln, denn wir fuhren mit der selben Busgesellschaft und gingen ja nicht über eine Grenze. Essen gab es nicht, aber die Fahrt verlief gut, nur 1,5h ist Valparaiso von Santiago entfernt. Terezina und Maikel fuhren auch für ein paar Stunden mit uns nach Valparaiso, wo sich unsere Wege nach 3-maliger Verabschiedung am Ende doch trennten.

Hiermit euch beiden noch einen herzlichen Gruß und wir wünschen euch eine gute Weiterreise.

Valoparaiso besticht durch unzählige bunte Häuser, die sich an die Berge schmiegen und einem tollen Blick auf’s Meer. Früher, als alles noch mit dem Schiff um das Kap Horn gebracht wurde, war Valparaiso Anlaufstelle Nummer 1. Auch die Goldgräberära verhalf der Stadt zu einer gewissen Popularität. Dann wurde der Panamakanal gebaut und es wurde ruhig um Valparaiso. Ein wenig sieht man ihr den Zahn der Zeit an. Doch sie hat eine gewisse unbeschreibliche nette Atmosphäre, die wir bereits in San Francisco gespürt haben. Am Besten erkundet man die Stadt per Fuß, auch wenn das Berg hoch und runter etwas mühsam ist. Auf Empfehlung machten wir die „Tour for Tip“ mit, wo die eigentliche Tour kostenlos ist, ein Trinkgeld aber erwartet wird. Sehr informativ und wird auch von uns weiterempfohlen.
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unsere Englisch sprechende Führerin, gut zu erkennen an dem T-Shirt

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diese „Alfajores“ gab es wärend der Führung und waren kostenlos. Lecker gefüllt mit „Dulce de leche“, einer Art Caramelcreme. Super lecker…
Wenn Alfajores erwähnt werden, die vor Allem in Argentinien und Chile eine Spezialität sind, sollte auch das Getränk Pisco sour erwähnt werden, wo Chile und Peru sich streiten, wer den einzig wahren Pisco sour hat und wer den als einziger so nennen darf. Natürlich fanden wir in Chile den chilenischen leckerer und in Peru den peruanischen und würden auch jedem anderen Reisenden empfehlen das so zu handhaben *augenzwinker*.
Pisco sour ist ein alkoholisches Getränk mit Weinschnaps (Pisco), Eiweiß, Limettensaft, Zuckersirup und mit Eis. Im Glas haben wir dann auch die Variante mit etwas Zimt auf dem Eiweiß kennen gelernt. Lecker in beiden Ländern.
Ein Bild von Pisco sour haben wir auch irgendwo zwischen den hunderten von Bildern die wir insgesamt gemacht haben … leider jetzt noch nicht in diesem Blog. Dafür habe ich das Bild des Maisauflaufs gefunden. Hier also als „Nachtrag“ zum Beitrag „Santiago de Chile“.

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Neben den vielen bunten Häusern laufen unzählige Hunde herum. Menschen stellen hier und da aufgeschnittene Wasserkanister zum trinken auf, ab und zu teilt ein Bewohner sein Brötchen mit einem Straßenhund. Die Hunde selbst sind kein bisschen aggressiv, wenn du dein Brot lieber alleine isst. Sie setzen sich dann ganz still vor dich hin und schauen dich dann mit diesem herzerweichenden Blick an, den nur Hunde hinbekommen. 🙂 Es kam regelmäßig vor, dass ein Hund zu uns zum streicheln kam, während wir an einem Brunnen oder auf einer Bank saßen. Mensch und Hund achten sich hier gegenseitig und das finden wir toll. Wir hoffen, dass die Menschen in Valparaiso (Einheimische UND Besucher) schlau genug sind und den Hunden mit Respekt begegnen, sodass die Hunde gar keinen Grund haben, sich ein aggressives Verhalten anzugewöhnen, um sich zu wehren. Werden Hunde aber getreten oder schlecht behandelt, ist es kein Wunder, dass sie sich gegen das Lebewesen wehren, was ihnen weh tut, nämlich den Menschen. Den Menschen und den Hunden wünschen wir, dass sie weiterhin gut zueinander sind.

Und jetzt lassen wir lieber Bilder sprechen, denn die sind der eigentliche Charme der Stadt.

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„usa la bici“ heißt: „Benutzen Sie das Fahrrad“.

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Die folgenden 3 Bilder sind eigentlich ein Bild, was aber nicht auf ein Foto gepasst hat:
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Bei diesem Haus muss man „hoch“ gehen, um das Haus zu verlassen.

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Dekoration der vielen Stromkabeln

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das wird aus einer Straße Kunstvolles gemacht, wen sie so kaputt ist, dass kein Auto mehr lang fahren kann.

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Blick von der „Calle Alemania“ (Deutschlandstraße) auf den Ort herunter

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Blick in die andere Richtung

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Erinnert ihr euch noch an unseren Beitrag mit den Berggiraffen? Nach fast einer Weltumrundung haben wir die scheuen Tierchen in Valparaiso entdeckt.

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einer von mehreren alten Volkswagen, die noch funktionstüchtig durch Valparaiso fahren.

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vergängliche Kunst des Kunstfestivals: Alle Menschen können auf grünen Zetteln ihre Herzenswünsche, Sorgen, Gedanken… schreiben, die dann an diesen „Baum“ gemacht werden. So wird dieser Baum immer grüner, lebendiger, hoffnungsfroher, so das Ziel der Künstler.

Hier ein Bild von Katharina und Lena aus Regensburg, ebenfalls 2 Reisende, mit denen wir morgens in der winzigen Küche unseres Backpackers um den Minitisch mit 2 Stühlen abwechselnd tanzten und uns gut verstanden. Nun ein Bild der beiden, denen wir versprochen haben, in unserem Blog berühmt zu werden. 🙂 Vielleicht wird auch unser Blog durch euch beiden berühmt??? Gute Reise und guten Einstieg wieder zu Hause. Ihr wart echt witzig. Toll, euch kennen gelernt zu haben.

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Viña del Mar

Einen Tag haben wir auch den Nachbarort Viña del Mar besucht. Berühmt ist der Ort für seine Blumenuhr, wo sogar der Sekundenzeiger funktioniert und natürlich den Strand.

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Blumenuhr

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Strand

Uns war das Wasser etwas zu kalt, also waren wir nur die Füße baden. Dieser Ort ist nett aber sehr touristisch und so reichte es für uns, einen Tag dort zu verweilen.
Uns wurde auch der Park empfohlen, in dem wir ausgiebig flanierten. Leider hat das Erdbeben von 2007 einige Bereiche unzugänglich gemacht. Schade, aber das sind nun mal die Kräfte der Natur. Trotzdem empfehlenswert.

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Treppen im Park

Beim Spazieren durch die Stadt fanden wir bei einem Bäcker folgendes Angebot, welches wir auch gleich probierten:
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Die Berliner werden hier mit Maismehl gebacken und haben dadurch einen gelberen Teig als die deutsche Variante. Mein Optimum: Füllung von Chile mit Berlinern von Deutschland 😉

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Valparaiso gefiel uns im Verleich mit Viña del Mar besser. Es war zwar weniger „ordentlich“, dafür aber einheimischer und auch etwas günstiger.

Santiago de Chile

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Hinter der Grenze nach Chile ging es dann wieder Berg ab…

Gegen 21 Uhr waren wir spät abends unserem Hostel angekommen (siehe Artikel Fahrt nach Chile), wurden sehr freundlich von einer Aushilfe empfangen, stellten nach dem Check-In nur unser Gepäck ab und suchten uns was zu essen. Zum Glück essen die Chilenen genau so spät wie die Argentinier und alle Restaurants hatten geöffnet.

So kam ich schon am ersten Abend zu einem der 3 traditionellen Gerichte. Ich hatte einen kräftigen Rindereintopf mit allerlei grob geschnittenem Gemüse, einem ordentlich großen und guten Stück saftigen Rindfleischs und extrem wichtig: ein Stück Maiskolben. Die anderen 2 Gerichte probierte ich ein paar Tage später.

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hinten vor mir: mein Eintopfim Bildvordergrund Wolfgangs Essen „Bisteck a la pobre“ (= das Steak für Arme)

Ein anderes Nationalgericht ist Maismus mit Kartoffelbrei gemischt, leicht gesalzen, in Maiskolbenblättern als Päckchen wie eine Fliege gebunden und in Wasser gegart. Sehr sättigend und lecker.
Das 3. Nationalgericht ist eine Art Auflauf, wo die Hauptzutat – natürlich – Mais ist. Dieser Auflauf ist so gestaltet, dass unterschiedliche Zutaten (z.B. Fleisch, Gemüse, Weintrauben, Ei…) in die Auflaufform gegeben werden und mit einer Maispaste abgedeckt und gebacken werden. Ein schönes Überraschungsessen, weil man nie weiß, was „drunter“ ist. Dieses Gericht finde ich trotzdem am wenigsten ansprechend, weil es mir optisch nicht gefällt. Außerdem ist mir zu wenig Gemüse drin (den gehexelten Mais zähle ich jetzt mal nicht als Gemüse, weil es für mich nur eine braune Paste ist). Wenn man sich so ein Mittag bestellt, bekommt man immer Suppe, Brot mit würzig-scharfen Tomatendip und Salat dazu. Damit wird es zu einem sehr ausgewogenen Essen und man wird relativ günstig satt. Den Salat bekommt man roh, man kann ihn sich selbst mit Essig/Zitronensaft, Öl und Salz selber nach dem eigenen Geschmack zurecht manchen. Wir essen den Salat selbstverständlich. Selbst das Leitungswasser trinken wir ab und zu, da wir in einem Reiseführer gelesen haben, dass es unbedenklich ist. Wohler fühlen wir uns aber mit Kanisterwasser, teuer ist es ja nicht.

(Autorenwechsel: Wolfgang schreibt)
So gesättigt (ich hatte ein anderes Nationalgericht gegessen: Dünn geschnittene und gebratene Rindfleischscheiben) legten wir uns erschöpft von dem Tag zum Schlafen in unser frisches Bett. Mitten in der Nacht (irgend etwas nach 1 Uhr) klopfte es immer wieder und zunehmend immer lauter werdend an unsere Zimmertür, bis ich total müde und davon genervt die Tür öffnete. Vor der Tür stand ein junger Mann, der mir sagte, dass er für das Hostel arbeitet und ich mich anziehen, herunterkommen und jetzt bezahlen soll… Ich war fassungslos, fragte sehr bestimmt, ob das nicht bis zum kommenden Morgen warten könne, aber er sagte mir, wenn wir diese Nacht in dem Hotel verbringen wollen, dann müsse ich j e t z t zahlen. S o w a s – haben wir auf der ganzen Weltreise noch nicht erlebt! Im Voraus zahlen ist in einigen Ländern üblich, aber da tut man das beim Check-In. Oder man zahlt irgendwann im Verlauf. Noch nie aber habe ich erlebt oder gehört, das man mitten in der Nacht geweckt wird, um mitten in der Nacht zu zahlen. Eigentlich zahlt man ja um einen Platz zum Schlafen zu haben, und zahlt evtl. mehr für mehr an weiterem Komfort. Der Platz zum Schlafen ist und bleibt aber der eigentliche Grund, warum man sich eine Unterkunft sucht. Ich war bereits stinkig. Es kam aber noch dicker als ich angezogen unten an der Rezeption erschien. Dieser Mensch wollte das Geld in bar haben aber keine Quittung dafür geben. Wenn wir in diesem Hostel schlafen wollen, dann müssen wir jetzt bezahlen. Aber eine Quittung könne er keine ausstellen. Nö, so definitiv nicht mit mir. Unser „Meinungsaustausch“ wurde wohl laut genug, dass der Besitzer des Hostels irgendwann davon auch erwachte und zu uns kam. Dieser entschuldigte sich mehrfach für das Geschehene und selbstverständlich könne ich auch am nächsten Morgen zahlen. Ich ging zurück in unser Zimmer es wahr bereits irgendwas nach 2 Uhr. Ich war noch immer sehr wütend über diese Unverschämtheiten und konnte bis weit nach 05:00 Uhr nicht einschlafen. Von anderen Hostelgästen erfuhren wir später, dass es ihnen ähnlich ergangen sei. KO-Kriterium für ein ansonsten recht ansehnliches Hostel zum bezahlbaren Preis.

Der nächste Morgen startete für mich sehr übermüdet.

(erneuter Autorenwechsel: Harriet schreibt wieder)

Erkundung von Santiago de Chile

Nach unserem ersten uns ablehnenden Eindruck zeigte sich die Stadt von ihrer schönen Seite. Wir unternahmen einen vom Reiseführer empfohlenen Stadtrundgang und besichtigten so die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Am ersten Tag sahen wir den „Plaza de Armas“. Die Kulturzentren „Estacion Mapocho“ und „La Moneda“ sahen wir nur von Außen, da wir uns nicht in die lange Schlange in der prallen Sonne anstellen wollten. Auch gingen wir auf den Hügel „Cerro Santa Lucia“, um einen guten Überblick über die dunstige Stadt werfen zu können und schlenderten durch diverse hübsche Straßen mit Bäumen und lieblichen Verkaufsständen. Hier machten wir uns erneut bewusst, wie schön es ist, über Märkte von Argentinien und nun auch Chile zu schlendern. Man kann in Ruhe alles ansehen, auch mal anfassen, ohne gleich von dem Verkäufer angesprochen zu werden. Spricht man die Verkäufer aber an, sind sie gleich hilfsbereit zur Stelle, ohne aufdringlich zu sein. Ein wahrer Genuss im Vergleich zu Indien oder dem asiatischen Raum.

Bilder 1. Tag

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Am 2. Tag schauten wir uns das Wohnhaus von Pablo Neruda (von Außen) an und nahmen die Seilbahn (Ascensor) auf den noch höheren Hügel „Cerro San Cristobal“, wo die „Madre de Santiago“ als weiße Statue von den Gläubigen als Pilgerort dient. Dort blieben wir eine Weile, genossen die Aussicht auf die Stadt.

Bilder 2. Tag:

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warten auf die Seilbahn zur „Madre de Santiago“

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Blick nach oben

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dies ist die „Madre de Santiago“

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Dieser Hügel in der Mitte war der Hügel, den wir am 1. Tag besucht haben.

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andere Richtung

Architektonisch erkannten unsere Leihenaugen manchen Stil aus Buenos Aires wieder, auch wenn es nicht so gehäuft und wohl auch nicht so gewollt war. Schöner als in Buenos Aires sind die verkehrsberuhigten Straßen und das nicht so hektische Herumgelaufe der Einheimischen. Wir merkten selbst an uns, dass wir viel ruhiger durch die Straßen liefen.

Im Nachhinein hätten wir doch einen der angepriesenen Stadtrundgänge mitmachen sollen, weil wir später von vielen gehört haben, dass man da interessante Dinge erzählt bekommt. Okay, vielleicht beim nächsten Mal.

In unserem Hostel trafen wir die Niederländer Terezina und Maikel, mit denen wir manch nettes Gespräch über das Reisen durch Südamerika hatten. Auch probierten wir zusammen ein paar chilenische Weine durch, die ebenfalls Weltklasse haben. Da die beiden die entgegengesetzte Route bereisen, konnten wir uns gegenseitig Tipps geben.

Fahrt nach Chile

Fahrt nach Chile

Ganz reise-erfahren und von den argentinischen Bussen sehr überzeugt, kauften wir ein Ticket von Mendoza nach Santiago de Chile. Nach deren Angaben nur eine Fahrzeit von 10:45 – 15 Uhr. Die halbe Strecke haben wir mit unserer Bergtour schon gesehen, der Rest ist dann nur noch Grenzformalitäten und Fahrt nach Santiago. Da wir wussten, dass Chile sehr streng mit den Einreisebestimmungen für Lebensmitteln ist, nahmen wir nur ein paar Kekse und Wasser mit. Für 4 Stunden braucht man ja auch nicht so viel. Dieses Mal reisten wir mit der Firma Tur-Bus, die unschlagbar günstig war. Da wir „Service“ drin hatten, wollten wir lieber auf der sicheren Seite sein, nahmen nicht mehr Lebensmittel mit als nötig und freuten uns auf ein Mittagessen an Bord, wie wir es auf der Fahrt von Buenos Aires nach Mendoza kennen gelernt hatten. Es dauerte auch nicht lange, bis wir die Grenze erreicht hatten. Es wird nach PKW/Motorrad, LKW und Bus sortiert. Recht viele Leute waren da und so standen wir an. Wolfgang ließ die Stoppuhr laufen. Es dauerte echt lange, der Spaziergang zum Klo war eine angenehme Abwechslung. Wieder fielen uns schnelle Bewegungen schwer, denn wir waren auf über 3500m Höhe. Einige kauften sich an den Kiosken etwas zu essen, wir warteten lieber auf den „Service“. Filme wurden wieder zur Unterhaltung gezeigt. Leider war einer dabei, den ich persönlich echt widerlich fand. Ein Film über Menschen in der US Armee Ausbildung, die jede erdenkliche Erniedrigung über sich ergehen lassen mussten, wo viel Blut floss und alles detailgetreu dargestellt wird. Meine Akupressurbänder gegen Übelkeit halfen mir, die meinige zu bewältigen und ich verschlief zum Glück den Großteil des Films. Echt eine Glanzleistung von Auswahl und Geschmack. Im Bus waren übrigens auch viele Kinder drin, die wohl ähnliche Freude am Film empfanden. Zum Glück ist denen nicht schlecht geworden.

Aber zurück zur Grenze…

Grenze_Arg_Chile

Am Ende standen wir hier mehr als 4 Stunden an der Grenze und die Freude, nach der Grenzüberfahrt etwas zu Essen zu bekommen wurde nicht erfüllt. Der „Service“ bestand wohl lediglich aus Filme zeigen, Kissen verteilen und ab und zu Müll einsammeln. Noch nicht mal Wasser gab es.

(Autorenwechsel. Wolfgang schreibt jetzt anstelle von Harriet)

So kamen wir 19:30 Uhr hungrig in Santiago an. Der Busterminal war überfüllt mit Menschen, wie wir es das letzte Mal in Indien gesehen hatten. Hier stockte aber alles an allen Enden, statt wie in Indien ein zähflüssiges Vorankommen zu ermöglichen. Und nun zeigte sich unsere Routine … oder besser gesagt, es zeigte sich, dass wir „neue Länder“ nicht mehr so ernst nehmen.
Sonst waren wir vorbereitet. Bereits im alten Land wurde das letzte bischen altes Geld umgetauscht in die kommende Währung, damit man sich zumindest Toilette oder eine Kleinigkeit zu trinken leisten kann. Die Kreditkarten sind gut vorbereitet verteilt in unterschiedlichen Taschen leicht erreichbar untergebracht. So kann sogar eine Tasche verloren gehen, man hat trotzdem die Möglichkeit, an wenigstens eine Kreditkarte zu kommen. Tja, und diesmal … unsere Kreditkarten waren in Argentinien ja praktisch wertlos gewesen. Tagelang suchten wir, bis wir einen Automaten fanden, der uns zumindest eine kleine Menge Geld gab. Wie gut, dass wir Bargeldreserven in US-Dollar in Argentinien bereit hatten. Diese lohnen sich eh viel mehr in Argentinien, da man die zu einem viel besseren Kurs als dem offiziellen umtauschen kann und dadurch alles günstiger wird. (Zu unserer Zeit im Januar 2015 bekamen wir statt 8,55 argentinische Peso satte 13,5 argentinische Peso für einen US-Dollar). Die Kreditkarten waren also seit Wochen unbenutzt eher „sicher“ als zugängig irgendwo in den Tiefen unserer Rucksäcke verstaut. Bargeld in US-Dollar war zwar parat, aber mit einer Umtauschmöglichkeit rechneten wir an diesem Ort weniger als mit einem Geldautomaten. Zum Glück hatte Harriet eine Kreditkarte mehr zufällig doch noch in einer Tasche … (Au, man, wir klopften uns an die Stirn – und das uns, nach so vielen neuen Ländern, so einen Unsinn zu verzapfen… )
Da Harriet diejenige mit „der Kreditkarte“ war, tauschten wir die sonst üblichen Rollen und ich blieb bei unseren Rucksäcken und Harriet ging los um das Gelände zu erkunden und Geld zu besorgen.
Nach fast einer Stunde kam Harriet sehr traurig zurück. Das einzige was wie ein Geldautomat aussah war wohl ein Spezieller oder wollte ihr aus unersichtlichen Gründen kein Geld geben. Mit Englisch kam sie nicht weiter, keiner sprach nur ein Wort Englisch und sie wusste nicht, was sie noch machen sollte. Der Laden, der wie eine Wechselstube aussah, war ein Telefonladen, der auch kein Geld tauschen wollte.
Sie war jetzt müde und erschöpft und bat mich weiter zu machen. An einer Ecke hatte sie relativ am Anfang ein Hotel gesehen. Ihre Idee war: Evtl. spricht da ja jemand Englisch und wir bekommen Informationen wo man einen Geldautomaten oder eine Wechselstube findet und evtl. können die einem ja auch erklären, wie man nun zu unserem Hostel kommt.
So ließ ich Harriet, sich auf die Rucksäcke aufpassend, ausruhen und ging durch das Menschengewühl zu dem Hotel. Und damit ging dann endlich alles reibungslos. Zum Glück konnte ich auf Spanisch um Hilfe bitten und fragen ob jemand Englisch sprechen kann. JA, und eine junge nette Dame an der Rezeption sagte mir wo eine Wechselstube ist, und vermittelte uns eine Taxifahrt mit dem Unternehmen, das dem Hotel Sonderpreise gab. Wir sollten nur beide in das Hotel kommen, dann würde sie das Taxi rufen. (Der Preis klang unglaublich verlockend – natürlich taten wir das entsprechend.) Die Wechselstube war unglaublich schwer zu finden. Selbst als ich 8m davor stand, sah ich die noch nicht – erst als ich fast direkt davor stand sah ich die. Die Wechselkurse waren nicht berauschend aber akzeptabel und außerdem brauchten wir ja einfach dringend Geld – da blieb eh wenig Wahl. Dann holte ich Harriet ab, ging mir ihr und unserem  Gepäck zurück zum Hotel und von dort aus wurde uns das versprochene Taxi gerufen. Damit ging es dann zu unserem Hostel und wir waren fast spät abends endlich da. Noch einmal vielen Dank an die liebe Dame an der Rezeption, die ja eigentlich gar nicht für uns zuständig gewesen wäre, weil wir ja keine Hotelgäste waren. Aber zum Glück ist diese eher deutsche Art in Zuständigkeiten zu denken in vielen anderen Ländern nicht so verbreitet. Nach dem Check-In konnten wir unsere Rucksäcke in unserem Zimmer abstellen und uns auf den Weg machen etwas zu essen zu organisieren. Damit sind wir in Santiago de Chile in unserem Hotel doch noch angekommen. Wer hätte es gedacht. Aus 4 Stunden wurden fast 10 und der Notfallschokoriegel kam zum Einsatz…