Divemaster

Divemaster (PADI)

Der Divemasterkurs hat mich mehr in Anspruch genommen, als ich gedacht hätte. Heute habe ich aber endlich meine Abschlussprüfung geschrieben und bestanden und damit fehlen jetzt nur noch letzte bürokratische Schritte, dann bin ich PADI-Divemaster :-)))

Praktisch merke ich, was für einen Sprung meine Tauchfähigkeiten gemacht haben. Ich liege und bewege mich jetzt so im Wasser, wie die, die mir vor kurzem noch imponiert haben. Gelernt habe ich nicht nur eine Vielzahl von Flossenschlägen mit unterschiedlichen Auswirkungen wie man sich im Wasser dann bewegt, Navigation unter Wasser, Lesen und Anfertigen! von Unterwasserkarten (Tauchkarten unterscheiden sich sehr von Seekarten), systematisches Suchen und Bergen von kleinen und großen Gegenständen, diverse Rettungsszenarien, Umgang mit Wracks, Tieftauchen bis 40m, Umgang mit einigen unterschiedlichen Gasmischungen und den jeweiligen Vorteilen und Gefahren usw. usw. usw. Ich habe jetzt praktisch wirklich professionelle Qualitäten im Tauchen und bin stolz darauf. Besonders stolz bin ich darauf, dass ich bei der Prüfung „Vorführung der 21 wichtigsten Tauchfertigkeiten in Demonstrationsqualität“ 100% der möglichen Punkte erreicht habe. Unser wichtigster Ausbildungsleiter Lee war richtig happy und sagte immer wieder „so gut hab ich das schon sehr lange nicht mehr gesehen.“ und ich war dann auch happy.

Die Theorie habe ich unterschätzt und so musste ich viel lernen … von den Unterteilungen der benthischen und pelagischen Zone über Stickstoffkreislauf, Klassifikation von Küsten deren Entstehung und Weiterentwicklung und Unterscheidung von Wellen und Strömungen, Einteilung von Seewellen, Geschichte des Tauchens, ökologische Systeme, Tauchausrüstung, Chemie und Physik bis hin zu Formeln zur Berechnung idealer und nicht idealer Gase spezifischer Zusammensetzung, deren Verhalten unter verschiedenen Druck- und Temperaturbedingungen, deren Auswirkungen auf die Physiologie des Menschen und vieles mehr. Physiologie hat mich insbesondere überrascht. Für einen Taucher ist es ja physiologisch ( also „normal“ ) sich in anderen Druckverhältnissen zu bewegen. Dies löst im Körper einiges aus, was man normalerweise sonst nie physiologisch nennen würde. Von einer anderen Herzbelastung, den Auswirkungen auf die Nieren, bis hin, dass Gase unter Druck ja „zäher“ sind und sich die Physiologie der Atmung dadurch ändert, gab es viele Dinge, die für mich zuvor nie „normal“ zu lernen gewesen sind … und das alles in Englisch und Deutsch … das habe ich seeeeehr unterschätzt, habe aber am Ende doch 96% in der Abschlussprüfung erreicht.

Wenn ich alles aufzählen sollte, was ich praktisch und theoretisch lernen musste, würde dieser Artikel viel zu lang werden. Ich kann nur sagen, dass ich mich im Nachhinein nicht mehr wundere, dass dieser Kurs in einigen Ländern auf der Welt als Berufsausbildung anerkannt wird. (In Deutschland meines Wissens aber nicht.*augenzwinker*) Arbeitsplätze für Divemaster gibt es sogar einige – meist an den schönsten Ecken der Welt.

Und wofür macht man das Ganze jetzt?
Nun, die meisten wollen wirklich als Divemaster arbeiten, oder den nächsten Schritt gehen und Instructor (also Tauchlehrer) werden. Ich habe hier andere Beweggründe ebenfalls kennen gelernt. Eine Stuntfrau z.B. benötigte diesen Schein, um Unterwasserstunts mit Tauchausrüstung durchführen zu dürfen. Überhaupt ist Schauspielerei ein Argument. Begründungen wie :“ Ich mach in jedem Urlaub irgendeine Ausbildung.“ waren auch zu hören. Es gibt hier bei dieser Tauchschule eine zweite Fraktion, die sich nur deshalb einschreibt, weil die einzelnen Tauchgänge dadurch unschlagbar billig werden (Man zahlt nur einmal die nicht ganz unerhebliche Gebühr, hat dafür aber alle Tauchgänge bis zu zwei Jahre lang frei – das holt man schnell wieder raus.). Ärgerlich ist dann für die Tauchschule vor Allem, wenn die dann bis zum Ende ihres (ersten) Aufenthaltes die Gebühr noch nicht bezahlt haben … für mich unverständlich so ein Verhalten.) Außerdem gibt es die mündliche Zusage, dass jeder, der hier seinen Divemaster macht, lebenslang hier kostenlos tauchen darf. Auch das ist ein Argument für viele.

Und ich???
Angefangen habe ich das Ganze eigentlich nur, damit Harriet und ich auch an anderen Ecken der Welt, von denen ich denke, dass ich die Umgebungsbedingungen in einigen geführten Tauchgängen gut genug kennen gelernt habe, dann auch mal alleine tauchen können. Theoretisch ist das zwar bereits als Open Water möglich. Praktisch aber wird gerade in den schönsten Tauchregionen der Welt mit entsprechend den meisten Tauchtouristen und dem höchsten Interesse an wenigen Tauchunfällen mehr verlangt. Oft muss ein Taucher der Stufe „Leader“ dabei sein. Das übererfülle ich jetzt!

Und ich habe etwas kennen gelernt, dass wie Schokolade ist – einmal kennen gelernt will man wieder naschen! Zur Ausbildung gehört, dass man bei verschiedenen Tauchkursen assistiert. Und das könnte echt zu einem Hobby von mir werden. Wenn man zusieht, wie Anfänger innerhalb von nur wenigen Tagen sich von ängstlich ihr Tauchequipment anschauenden – eben Anfängern – zu passablen Tauchern entwickeln – das macht schon echt Spaß! Am meisten Spaß macht es mir aber, in einem Kurs von Rescue-Divern mal alles zu tun, was normalerweise doch verboten ist (die sollen das ja managen können.) Anfangs ist man nett, damit sie sich einüben sollen, aber langsam macht man die Sachen stufenweise immer „echter“. Von „von der Gruppe absetzen“ über „Maske verlieren“, „Panik spielen“ bis „überraschend ohne Luft sein, und einem Anderen einfach den Regulator aus dem Mund mopsen wollen“ gehört dann alles zum Repertoire. Auch über Wasser jemanden zu spielen der zunehmend bewusstlos wird bis er krampft und einen Herzstillstand hat – das kann man so richtig gut machen. Da hab ich mit viel Freude freiwillig öfter assistiert als nötig war. Ich weiß noch nicht, was ich damit anfangen will … evtl. doch mal wieder einen Urlaub hier machen und freiwillig assistieren, oder nur zum Spaß doch noch Tauchlehrer werden und selber ausbilden… mal sehen.

Apropos. Als Divemaster darf man zwar Anfänger unter Wasser begleiten, den allerersten Tauchgang in freiem Wasser, da muss aber ein Instructor dabei sein. Einige fragten schon, ob ich ihnen dann als Divemaster Tauchen beibringen kann. Ja, kann ich, genauso so wie ihr euren Kindern Autofahren beibringen könnt – aber eben nicht dürft. So ist es auch bei mir. Leider also: Daraus wird nichts werden – sorry! Lernt Tauchen bei einem Tauchlehrer und dann können wir sehen, wie wir uns unterschiedliche Ecken gegenseitig zeigen können! Da hätt‘ ich echt Lust drauf!

Ein Thema liegt vielen Tauchern am Herzen. Der Schutz und das bessere Verständnis der Unterwasserwelt.
Von vielen wichtigen Themen möchte ich eines aufgreifen auch um evtl. unsinnige Ängste von Angehörigen von Tauchern zu mindern. Haie. Hollywood ist Unsinn!!! Haie sind sehr vorsichtige und zurückhaltende Unterwassertiere die um Dimensionen ungefährlicher sind als Kokosnüsse oder Hauskatzen. Viele Taucher geben viel Geld aus, um an Orte zu gelangen wo sie evtl. mal die Chance haben einen Hai zu sehen. Wir haben hier in einer Bucht, wo zeitweise welche zu sehen sein sollen, leider mehrfach erfolglos geschnorchelt, wurden aber mit Schildkröten entschädigt. Ich will nicht sagen, dass Haie ungefährlich wie Kuscheltiere sind, ein störrisch Esel ist aber sicher gefährlicher als die allermeisten Haiarten.
Hollywood hat hier vor Haien eine Angst aufgebaut, gegen die die genauso unsinnige Wal-Angst a là Mobby Dick wie eine Kindergeschichte wirkt. Wie überall auf der Welt gibt es auch unter Wasser gefahren, aber Haie gehören sicher praktisch fast gar nicht dazu!!

In den nächsten Tagen erzählen wir unsere weitere Planung … einiges steht schon fest, aber einige wichtige Dinge fehlen noch. Wie immer: Was man denkt, dass es schwierig sein könnte, ist praktisch oft einfach, und die scheinbar einfachsten Dinge können kompliziert werden, dass man sich die Haare rauft. Aktuell ist es das Kleingedruckte bei den Einreisebedingungen der USA…

Nachtrag 21.10.2014:
Heute wurden fast alle letzten Formalitäten erledigt. Eine letzte Kleinigkeit wird freundlicherweise noch bis 30.11. dauern. Dadurch, dass ich pünktlich zum 1.12. alles für den Divemaster fertig haben werde, spare ich mir die Gebühren für das Kalenderjahr 2014. Pünktlich um meinem Geburtstag herum werde ich dann wohl offiziell Divemaster sein. :-)))

Eigentlich wollte ich hier noch ein Bild mit meinen beiden wichtigsten Tutoren Lee und Verity hineinbringen – ich hoffe ich erwische morgen mal beide gleichzeitig, dann kommt das noch!

5 Gedanken zu „Divemaster

  1. Marion Kottwitz

    Hallo! Beim ersten überfliegen des Textes habe ich für mich gelesen, dass du Stuntman wirst. Wäre doch ne Idee. Fur mich ist und bleibt die Unterwasserwelt unerreichbar. Aber ihr habt sehr viel Spaß dabei. Wünsche euch eine tolle Weiterreise und dass alles mit der USA einreise klappt.
    LG
    Marion

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    1. Wolfgang Beitragsautor

      Hallo Marion,
      Stuntman *Augenzwinker* also als ich noch jünger und sportlicher wahr … *Augenzwinker*
      Nein, ich werde kein Stuntman! Aber ich habe hier eine sehr nette britische Stuntfrau kennen gelernt, die für ihren Beruf diese Ausbildung zum Divemaster gemacht hat. Überhaupt ein interessantes Spektrum an Menschen, dass man bei dieser Ausbildung und auch ringsherum kennen lernt!
      Vielen Dank für Deinen Kommentar und den ‚Hintergrund‘. Für die USA finden wir hoffentlich noch rasch eine Lösung.
      LG
      Wolfgang

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    2. katzenmutti

      Hallo Marion! Das ist schön, etwas von Dir hier zu lesen! Viele Grüße an Deine Familie von Deiner
      Kusine Sabine (ha, das reimt sich ja)

      Hallo Wolfgang!
      Herzlichen Glückwunsch zum Divemaster! Man macht sich ja gar nicht Gedanken übers Tauchen, wenn man nichts damit zu tun hat. Das ist aber toll, dass Du solchen Gefallen daran gefunden hast. Wenn etwas Spaß macht, dann beschäftigt man sich schon gern etwas mehr damit und möchte viel wissen. Und Du konntest das verwirklichen, also ein gelungener Einsatz.
      Viele Grüße aus dem Herbstland!

      Antworten
    3. katzenmutti

      Hallo Marion! Das ist aber schön, etwas von Dir hier zu lesen! Viele Grüße an Deine Familie von
      Deiner Kusine Sabine (ha – das reimt sich ja!)

      Hallo Wolfgang!
      Herzlichen Glückwunsch zum Divemaster! Ich wusste gar nicht, was da alles so dran hängt. Gut, ich wusste nicht mal, dass es eine solche Ausbildung gibt! Aber so ist das, wenn man nichts damit zu tun, kennt man sich nicht aus. Es ist schön, dass Du solchen Gefallen am Tauchen gefunden hast und Dich damit so intensiv beschäftigst!
      Viele Grüße aus dem Herbstland!

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  2. Karsten Wind

    Hallo Jetti, hallo Wolfgang,
    Grüße aus Thüringen und vor allem Glückwunsch an Dich Wolfgang für Deine bestandenen schriftliche Abschlussprüfung zum Divemaster. Du hast uns mit Deinem Bericht nahegebracht, was so alles wichtig zu wissen ist im Unterwasserbereich des Meeres/ Ozeanes, was man sich als „Unwissender“ garnicht so alles denkt. Schön, dass es Dir so Freude macht und Du soviel lernst und noch weiter lernen und anwenden willst. Also alles Gute dazu.

    Auch Dir Jetti alles Gute. Ihr könnt stolz auf Euch sein, wie lange Ihr schon auf „internationalen Parkett“ unterwegs seid. Viel Glück weiterhin und viel Spaß in Amerika.
    Evi und Karsten

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