Archiv für den Tag: 2014/03/31

Neujahresfest Nyepi

Dieses Jahr ist das balinesische Neujahr auf den 31.03.2014 gefallen. Das hat unseren Plan ein wenig durcheinander geworfen, weil dieser hinduistische Feiertag das öffentliche Leben für 2 Tage lahm legt. Das Datum richtet sich nach dem Mondkalender. Es ist also Zufall, dass wir gerade zu dieser Zeit auf Bali sind. Es ist der höchste Feiertag auf Bali. In ganz Indonesien ist dies ein Feiertag. Wer Genaueres erfahren möchte, fragt einfach Wikipedia „Nyepi“.

Oga oga Ogah-Ogah’s in der Vorbereitung

Los geht es bereits am 30.03.2014, indem alle Restaurants, Museen und die meisten Supermärkte gegen 16 Uhr schließen. Vor allen Eingängen sind aufwendige Opfergaben. Opfergaben Opfergaben

Die Einheimischen tragen traditionelle Kleidung und jeder ist auf den Straßen. 18 Uhr beginnt eine Prozession durch die Hauptstraßen, was jeglichen öffentlichen Verkehr zum Erliegen bringt. Bei dieser Prozession tragen junge und alte Balinesen aus Pappmaschee hergestellte Figuren (Ogah-Ohah) durch die Straßen. Je gruseliger desto besser. Sie stellen unterschiedliche schlechte Eigenschaften und Unheil bringende Dämonen dar. Hin und wieder wird auch ein Tourist dargestellt. Die Kinder tragen Figuren von ca. 1 m Höhe, bei den starken Männern kann die Skulptur auch gerne mal 4 m hoch sein. Mit viel Musik, Gejohle und sonstigen Radau werden so die Dämonen aus den Straßen vertrieben. Zeremonie_Ubud                       Zeremonie_Ubud2  Prozession

Manche große Figuren passten gar nicht unter den Stromkabel durch. Hierfür waren Männer mit langen Stangen und einer T-Konstruktion dabei, um die Stromkabel hoch zu halten. Wenn eine Figur dann durch gekommen ist, gab es vom Publikum lauten Applaus und ebenfalls laute Jubelrufe. So sind die Dämonen bis ca. 22 Uhr durch die Straßen gezogen. Sobald es dunkel war, waren sie auch beleuchtet. Hin und wieder schien ein Stromkabel doch gerissen zu sein, denn zwischendurch waren einige Straßenabschnitte komplett dunkel. Solche beleuchteten Monster sehen dadurch noch mal gruseliger aus. In manchen Orten werden die Ogah-Ogah’s am Ende verbrannt. Dies war bei uns aber nicht der Fall. Nach 22 Uhr war das Spektakel zu Ende, die Straßen wurden wieder frei und langsam begaben sich alle auf den Heimweg. Jetzt waren die letzten Supermärkte auch zu. Bis 6 Uhr hatte man Zeit nach Hause zu kommen, denn dann beginnt für 24h der Tag der Stille. An diesem Tag ist es verboten, aus dem Haus zu gehen, elektrische Geräte (incl. Licht) zu benutzen oder Lärm zu machen. Das geht so weit, dass für diese 24h der Flughafen geschlossen wird und alle Fährverbindungen eingestellt werden. Es fährt kein Auto, Bus oder Mopet o.ä. Kontrolleure sind unterwegs und achten darauf, dass sich an diese Regeln gehalten wird. Warum das Ganze?

Nach balinesischem Glauben wurden während des Spektakels alle bösen Geister /Dämone… verjagt. Nun verhält man sich still, dass falls ein Dämon zurück auf die Insel kommt er denkt, die Insel sei unbewohnt. So hätte es keinen Grund mehr, auf der Insel zu bleiben und geht wieder.

Wir haben den Tag der Stille damit verbracht, uns lange mit Barbara und Dieter aus Berlin zu unterhalten, die wir hier im Hibiscus Cottages kennen gelernt haben. Sie sind so nett, unsere Akkus mit nach Deutschland zu nehmen, weil Akkus über den Seeweg nicht verschickt werden dürfen. Hierfür erst mal ein herzliches Dankeschön. Ansonsten haben wir den Tag mit Organisieren verbracht. Zum Glück sehen die Gastgeber es mit elektrischen Geräten hier nicht so eng (Strom lief die ganze Zeit), sodass wir uns in den Hinterhof zwischen Hibiskusblüten gesetzt haben und leise am Laptop arbeiten konnten. Eigentlich darf man an dem Tag nicht arbeiten bzw. muss die Arbeit auf ein Minimum beschränken. So verging der Tag gut und es fiel uns nicht schwer, uns an die Ausgangssperre zu halten. Neugierig sind wir trotzdem, wie so eine Stadt aussieht, wo überall der Müll rumliegt und kein Mensch auf den Straßen ist. Auch ist es interessant, welche Tiergeräusche man wahrnimmt, wenn kein Mopet fährt oder hupt. Eine Touristenfamilie haben wir zwar dann doch tagsüber gesehen. Die haben es wohl nicht mehr ausgehalten.

Abends sahen wir, dass viele Häuser wirklich komplett dunkel waren. Hotels und andere Ferienanlagen können das nicht wegen der Gäste, hier konnte man gedämpftes Licht sehen. Wir durften auch ein kleines Licht anmachen, als es dunkel wurde.

Die Balinesen nutzen den Tag zum meditieren, lesen oder verrichten andere angenehme Tätigkeiten. Und weil es jeder macht, wird man nicht beim Ausruhen z.B. durch ein Mopet gestört. Übertragen nach Deutschland: Ein Tag der Ruhe im Garten ohne Rasenmähergeräusche irgendwo her. Wenn wir an Deutschland denken: Es wäre für uns undenkbar, dass bei uns so ein Tag so allgemein eingehalten würde.