Abschied Johnnys Hotel – Zugfahrterlebnisse

17.12.
Abschied Johnnys Hotel – Zugfahrterlebnisse

Auch hier fiel uns der Abschied schwerer als gedacht. Johnny hatte seinen Sohn und seinen Enkel da – und deswegen war er so glücklich. Gleichzeitig war der Abschied aber auch etwas traurig- gerade von Paula verabschiedeten wir uns sehr ungerne. Paula ist eine Holländerin, die viele Jahre als Tourguide nicht nur durch Indien gereist ist. Nun hat sie ein Bein verloren und kann im Rollstuhl diese Aufgabe nicht mehr gut ausfüllen. Aber wir haben zwei sehr nette Abende mit ihr verbracht und sie dabei sehr ins Herz geschlossen. Toll für uns war, das wir ihr auch Fragen stellen konnten, die wir uns bisher nicht getraut haben zu fragen. Mit ihr war alles locker und so bekamen wir aus eine Frage zur Benutzung asiatischer Hocktoiletten eine erstaunlich einleuchtende Antwort. Frage: Wenn man auf so einem Hockklo die asiatische Form genutzt hat sich den Hintern zu reinigen – und es gibt ja nun mal kein Klopapier – wie trocknet man sich ab ??? Antwort: „Hey ihr seid in einem warmen Land, man braucht sich nicht abzutrocken – es trocknet von alleine.“ Jupp – nun können wir irgendwann eine vollständige Anleitung zur Benutzung asiatischer Toilletten erstellen. Das kommt also noch, denn dann muss es ein Leser unseres Blogs wenn er mal ins asiatische oder arabische Ausland fährt sich nicht genauso erarbeiten wie wir. Wie man sich den Hintern putzt lernt man ja nun mal normalerweise als Kind von seinen Eltern – was aber nun wenn alles ganz anders ist, und man kein Kind mehr ist …. Dazu mehr ein Andermal. Unsere Internetauskunft sagte immer noch, dass wir auf Platz 1 und 2 stünden, also wollten wir uns einen Bus nach Mumbai/Bombai suchen, aber Johnny sagte uns, dass wir ruhig zum Bahnhof fahren sollten, wir bekämen  bestimmt einen Platz – bekamen wir am Ende auch, aber 3.Klasse – also sogenannte Holzklasse. So wurde die Fahrt zu einem Abenteuer.
Zunächst stiegen wir also ein und waren erleichtert, weil der Zug recht leer war, und wir setzten den Rat von Paula um, uns in die (offene) Tür zu stellen und so die Landschaft anzuschauen – toll! Jeder deutsche Sicherheitsbeauftragte würde bei der bloßen Betrachtung dieser Wagons von Weitem bereits einen Herzkasper kriegen, aber sich so bei voller Fahrt aus der Tür zu lehnen die Landschaft im Ganzen wahr zu nehmen und den warmen Fahrtwind leicht kühlend zu spüren – toll! Wenn eine Station näher kommt, sollte man schnell zu seinem Platz zurück, damit den von den Einsteigenden keiner mopst – aber so lange es relativ leer ist, kann man immer wieder hin. Gespräche hat man als Europäer ganz schnell und jeder will ein Foto machen mit allen zusammen. Natürlich achten Harriet und  ich immer darauf, dass wir untrennbar als Paar da drauf sind. Aber auch auf dieser Zugfahrt wurden schnell einige Freundschaften geschlossen. Mit einem mit dem Namen Preshant haben wir sogar die Telefonnummern  ausgetauscht und hoffen es zu schaffen ihn in Mumbai wieder zu sehen – was auch den Begriff „Freundschaft“ erklärt – denn ein Norddeutscher benutzt diesen Begriff sicherlich normalerweise deutlich zurückhaltender. Der Begriff Freundschaft hat hier eben eine andere Bedeutung. Freundschaften werden schneller geschlossen, haben aber vermutlich auch weniger Bedeutung. Bei wem ich in Deutschland von einem Freund spreche – das ist im Vergleich zu hier viel bedeutungsschwerer und ich freue mich so gute und verlässliche Freunde zu haben, die genau diese tiefe Bedeutung auch verdienen – hier aber hat diese Leichtigkeit auch etwas und passt sie so auch hin, ohne dass ich durch diese Leichtigkeit die Tiefe der Freundschaften zu Hause mindern möchte.  .. Der Zug füllte sich zunehmend bis er wirklich brechend voll war. Bänke die für drei Personen gedacht sind wurden mit bis zu 5 Personen genutzt und auch an Stehplätzen war alles bis auf den letzten Kubikmeter genutzt – die Tür mit ihren Möglichkeiten des sich nach außen Lehnens  selbstverständlich eingeschlossen. Genau in dieser Zeit musste ich zunehmend dringender einmal Pullern. Irgendwann war es nicht mehr zu halten und die Zeit zwischen zwei Stationen ausreichend lang – alle halfen meinem energischen durchdrücken mit Baucheinziehen, Schubsen usw., dass ich langsam in Richtung Toilette bewegt wurde – in der Nähe der Türen hatte ich solche Sorge, dass für die armen Menschen die nach außen gelehnt waren die Arme evtl. nicht lang genug sein würden, wenn ich von der Mitte her die Menschenmenge Richtung außen drückte, aber es ging wohl alles – mit der gleichen Situation würden deutschsprachige im kühlen Heimatland wohl ganz anders umgehen. Hier meckerte keiner, im Gegenteil, es wurde herzlich gelacht über diese Enge und was es für alle bewirkte – und so ist es dann am Ende „No problem“. Nach dem ich bei meinem Platz zurück angekommen war, machten  die zwei Inder den Sitzplatz inzwischen eingenommen hatten auch sofort wieder frei. Meine Sorge, dass der Platz weg sein würde, wenn ich mal auf Toilette gehen würde war unbegründet – wobei es sicher dadurch erleichter wurde, dass die Tatsache, das ich auf meine Frau aufpassen muss, etwas ist, was hier einfach ein selbstverständlicher Teil der Kultur ist. Das Harriet da saß – in diesem überfüllten Zug wo kaum ein Kubikzentimeter übrig bleibt, wurde sie gefragt! Ob man sich neben sie setzen dürfte. Indien ist irgendwie sympatisch eigenartig und menschlich. Irgendwann leerte sich der Zug wieder und die Gespräche wurden wieder aufgenommen, die mit der starken Füllung beendet waren. Auch hier wurde der Abschied mit den neuen „Freunden“ wieder sehr herzlich.
Die Ankunft mit dem Prepaid-Taxi im Hotel war dann unspektakulär. In diesem Hotel braucht man keine Passfotos, die Ausweise werden gescannt und die Fotos aus dem Scan herauskopiert. So einfach – und das in Indien.

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